Im Rettungswesen wird heuer die Versuchsphase ausgewertet

URSERNTAL ⋅ Der Stützpunkt Andermatt wird in einer dreijährigen Versuchsphase täglich neun bis zwölf Stunden lang betrieben. Jetzt hat die Regierung eine Interpellation zu diesem Thema beantwortet. Bald wird der Vorstoss im Landrat behandelt.
08. Januar 2018, 05:00

Bei einem Notfall soll rasch Hilfe vor Ort sein. So wird in Altdorf und in Andermatt je ein Rettungsdienst-Stützpunkt betrieben. Der Stützpunkt Altdorf ist rund um die Uhr besetzt. Am Tag sind es zwei Ambulanzteams, in der Nacht und am Wochenende eines. Der Stützpunkt Andermatt ist während einer Versuchsphase von drei Jahren jeweils am Tag neun bis zwölf Stunden lang in Betrieb. Während der Nacht übernimmt die Rega sämtliche Notfalleinsätze im Urserntal – vor­ausgesetzt, es herrscht Flugwetter. Das Kantonsspital Uri schliesst dazu mit der Rega eine separate Vereinbarung ab.

Die heute bestehenden Versorgungsstrukturen im Rettungswesen werden im Rahmen der Programmvereinbarung als Versuchsphase bis Ende 2019 aufrechterhalten. In diesem Jahr werden die Erkenntnisse detailliert ausgewertet. Gestützt darauf wird der Regierungsrat in der ersten Hälfte 2019 über die künftige rettungsdienstliche Organisation im Kanton Uri entscheiden. Das schreibt die Regierung in ihrer Antwort auf eine Interpellation von Frieda Steffen (CVP, Andermatt). Die Landrätin stellte Fragen zur Organisation des Rettungsdienstes im Kanton Uri, insbesondere im Urner Oberland.

First Responder sind schnell zur Stelle

In der Programmvereinbarung zur rettungsdienstlichen Versorgung zwischen dem Kanton und dem Kantonsspital Uri vom 23. Juni 2015 sind auch Bestimmungen zu sogenannten First ­Respondern enthalten. Dabei handelt es sich um speziell geschulte Ersthelfer, die hauptsächlich alarmiert werden, wenn jemand einen Herzstillstand erlitten hat. Im Vordergrund stehen schnelle Wiederbelebungsmassnahmen mittels Defibrillatoren.

Der Einsatz, die Ausrüstung sowie die Aus- und Weiterbildung der First Responder werden durch das Kantonsspital Uri geregelt. Dazu schliesst das Spital entsprechende Vereinbarungen ab. Um die Programmvereinbarung zu erfüllen, trifft das Kantonsspital Uri mit der Standortgemeinde beziehungsweise der First-Responder-Organisation eine Vereinbarung über die Zusammenarbeit, worin die Rahmenbedingungen geregelt sind. Dabei geht es um Fragen der Weiterbildung, Einsatzkriterien, medizinisches Einsatzmaterial, Koordination zwischen First Respondern und Rettungsdienst Uri sowie um die Alarmierung.

Frieda Steffen wollte wissen, weshalb es beim Unterzeichnen der Leistungsvereinbarung zu einer zeitlichen Verzögerung gekommen sei. Zurückzuführen ist dies gemäss Regierung darauf, dass zuerst die Inhalte der Vereinbarung zwischen der Gemeinde Andermatt und dem Kantonsspital Uri geklärt werden mussten. Dies dauerte länger als ursprünglich angenommen. «Inzwischen liegt die Vereinbarung jedoch vor», bekräftigt die Regierung. Sie hält aber auch fest, dass trotz fehlender Vereinbarung Alarmierung und Einsatz, Ausrüstung, Aus- und Weiterbildung und die Entschädigung der drei First Responder jederzeit gewährleistet gewesen seien. Die Zusammenarbeit zwischen dem Rettungsdienst des Kantonsspitals Uri und den drei First Respondern in Andermatt klappte bestens. Diese haben 2017 über 40 Einsätze geleistet.

Auch für Schadenwehr und auf dem Biel im Einsatz

Neben den First Respondern in Andermatt gibt es noch weitere vier First Responder der Schadenwehr Gotthard in Göschenen und einen First Responder auf dem Biel in Bürglen. «Alarmierung, Einsatz, Aus- und Weiterbildung, Ausrüstung sowie die Zusammenarbeit mit dem Rettungsdienst des Kantonsspitals Uri funktionieren ausgezeichnet», schreibt die Regierung. Bisher liege einzig die Vereinbarung zwischen dem Kantonsspital Uri und der Gemeinde Andermatt vor. Falls weitere Gemeinden oder Organisationen First Responder einsetzen möchten, könne diese Vereinbarung als Grundlage dienen.

Steffen wollte in ihrem Vorstoss auch Auskunft über das ehemalige Ambulanzfahrzeug der Armee. Es gehört seit April 2016 dem Kantonsspital Uri und wurde den First Respondern in Andermatt kostenlos zur Verfügung gestellt. Das Kantonsspital Uri hat jedoch entschieden, auf den Einsatz dieses Fahrzeugs künftig zu verzichten. Die Gründe: Die medizinische Ausrüstung und die Einrichtung entsprechen nicht mehr den Standards des Interverbands für Rettungswesen. Das Fahrzeug ist in einem relativ schlechten technischen Zustand. Es wären zahlreiche kostenintensive Reparaturen und Revisionen angefallen, die aufgrund des Alters des Fahrzeugs nicht mehr gerechtfertigt sind.

Noch darf ehemalige Militärambulanz genutzt werden

Bei einem Treffen zwischen den Gemeinden des Urserntals, dem Kantonsspital Uri und den First Respondern im November 2017 wurde vereinbart, dass die ehemalige Militärambulanz vorerst noch durch die First Responder benutzt werden kann. Diese Regelung gilt, bis eine neue Lösung gefunden ist.

Über die weitere Verwendung des Fahrzeugs hat das Kantonsspital Uri noch nicht entschieden. So ist noch offen, ob die einstige Ambulanz verkauft oder allenfalls verschenkt wird.

Markus Zwyssig

markus.zwyssig@urnerzeitung.ch

Hinweis

Die Interpellation von Frieda Steffen steht am 31. Januar 2018 im Landrat auf der Traktandenliste.


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