In 41 Jahren über 700 Kinder unterrichtet

SPIRINGEN ⋅ 1976 hat Koni Imhof nach Abschluss des Lehrerseminars seine Stelle als Primarlehrer angetreten und ist der Gemeinde stets treu geblieben. Am vergangenen Mittwoch ist er in den verdienten Ruhestand gegangen.
17. Juni 2017, 04:39

Interview Franz Imholz

redaktion@urnerzeitung.ch

Koni Imhof war 41 Jahre lang als Primarlehrer in Spiringen tätig. In dieser Zeit hat er die Schulen Schächental massgeblich mitgeprägt. Am vergangenen Mittwoch, 14. Juni, hatte er seinen letzten Schultag. Im Gespräch mit unserer Zeitung blickt er zurück, erzählt Anekdoten und sagt auch, was er der Gemeinde Spiringen für die Zukunft vor allem wünscht.

Koni Imhof, was hat Sie eigentlich bewogen, Primarlehrer zu werden?

Als ich bei der Jungwacht Attinghausen als Leiter tätig war, stellte ich fest, dass mir das Arbeiten mit Kindern liegt. So war es naheliegend, dass ich vom Kollegi ins Lehrerseminar gewechselt habe, um die damals fünfjährige Ausbildung zum Primarlehrer in Angriff zu nehmen.

Wie haben Sie ihre erste Stelle als Primarlehrer gefunden?

Nach dem Diplomabschluss im Jahr 1976 hatte es im Kanton Uri nur wenige freie Stellen als Primarlehrer. Ich hatte gehört, dass die Gemeinde Spiringen als Nachfolger von Heini Iten einen neuen Lehrer suchte. Ich habe mich daraufhin beworben und die Stelle dann auch erhalten. Es war nicht nur die erste, sondern – wie sich nun gezeigt hat – auch die einzige Stelle in meiner Lehrerlaufbahn. Insgesamt sind es 41 Jahre geworden.

Wie viele Schüler haben Sie in dieser Zeit unterrichtet?

Es sind rund 730 Kinder gewesen, die ich zuerst in der fünften und sechsten Klasse und später in der dritten und vierten Primarklasse begleiten durfte.

Gibt es Reminiszenzen aus den 41 Jahren, die Ihnen spontan einfallen?

Anfang September 1976 erkundigte ich mich beim Schulratspräsidenten von Spiringen nach dem Schulbeginn. «Die Älpler sind noch auf der Alp, es ist noch nicht Zeit, um mit der Schule zu beginnen», war die Antwort des Schulratspräsidenten. Dann endlich wurde der Schulbeginn auf den 20. September festgesetzt. Voller Elan, Tatendrang und Freude durfte ich dann starten und die damals 26 Sechstklässler unterrichten. Es gibt aber auch noch viele weitere Erinnerungen.

Zum Beispiel?

Bei der Einführung der Sommerzeit im Jahr 1980 bekam ich einen Brief von einem Vater, der Folgendes schrieb: «Wenn die in Bern machen, was sie wollen, so mache ich auch, was ich will.» Sein Junior werde nach der «alten» Zeit zur Schule erscheinen, und prompt kam der Knabe auch eine Stunde später. In einem andern Brief reklamierte ein Vater wegen zu vieler Hausaufgaben, bei denen man den Kindern helfen müsse. Er fragte, wer eigentlich den Lohn für diese Arbeit beziehe: er als Steuerzahler oder der Lehrer? Ein Vorschlag lautete, dass die Kinder am Morgen daheim zuerst die Hausaufgaben machen würden und erst dann in die Schule kämen.

Für Spiringen sind auch die Aufführungen von Weihnachtstheatern typisch. Wie haben Sie das erlebt?

Die Weihnachtstheater, die im Zweijahresturnus aufgeführt wurden, wecken bei mir viele schöne Erinnerungen. Joe Arnold hat damit angefangen, und ich durfte diese Tradition fortsetzen. Die Kinder waren mit Begeisterung dabei und schätzten die Abwechslung zum Schulalltag sehr. Mit diesen Projekten wurde das gesamte persönliche Umfeld der Kinder mit einbezogen, und es ergaben sich herzliche Begegnungen und Diskussionen. Sie konnten viele wertvolle Erfahrungen für sich und die Zukunft sammeln. In den letzten Jahren war der Mehrzweckraum zu wenig gross, somit musste es zusätzliche Aufführungen geben. In Erinnerung bleibt mir aber auch die «Kükenaktion». Während die Hühnereier bebrütet wurden und die Küken schlüpften, waren die Kinder mit Eifer dabei. Es war für das ganze Schulhaus eine Attraktion und weckte durch die Niedlichkeit der Küken bei den Kindern Begeisterung und Stau­- nen aus.

Und wie haben Sie selber die Renovation des Primarschulhauses erlebt?

Die Renovation des Primarschulhauses im Jahr 1986 ist mir ebenfalls in guter Erinnerung. Die Lehrpersonen durften ihre Ideen betreffend räumlicher Gestaltung und Nutzung einbringen. Dadurch entstanden eine Schul­bibliothek, ein Lehrerzimmer, ein Werkraum und ein Materialraum. Zu Beginn halfen selbst die Lehrpersonen beim Demontieren der Decken und Wände mit. Dabei wurde viel Staub aufgewirbelt, denn es kamen Isolationsmaterialien wie Sägemehl zum Vorschein.

Wie haben Sie die Zusammenarbeit mit den Eltern erlebt?

Ein gutes Einvernehmen mit den Eltern habe ich immer sehr hoch gewichtet. Zu Beginn meiner Lehrerzeit in Spiringen war die Schulfeindlichkeit eher verbreitet. So besuchte ich anfänglich die Kinder zu Hause, um Elterngespräche führen zu können. Für die Einführung des Wanderkindergartens musste harte Überzeugungsarbeit geleistet werden. An diese denkwürdige Gemeindeversammlung erinnere ich mich ebenfalls noch bestens. Es gäbe noch manche Gegebenheit zu erzählen, das würde aber den Rahmen dieses Interviews sprengen.

Welches «Schlusswort» liegt Ihnen am Herzen?

Ich danke allen, die mich in meiner Funktion unterstützt und ergänzt haben. Spiringen soll die Augen offen halten für die wichtigen Dinge und Veränderungen – und gegebenenfalls Neuerungen anpacken.


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