Junge Urnerin macht lieber Katzenbilder als Katzenmusik

FOTOGRAFIE ⋅ Eine 14-jährige Urnerin erreicht mit ihren Fotos auf Instagram täglich fast so viele Personen wie Uri Einwohner hat. Das, obwohl sie sich mit «Mausi» und «Miseli» die mitunter wohl schwierigsten Sujets vor die Kamera holt.
07. Februar 2018, 05:00

Auf der Fotoplattform Instagram ist sie eine kleine Berühmtheit. 35'400 Personen aus der ganzen Welt kennen ihre Bilder. Trotzdem will Sarah S.* anonym bleiben. Der Grund: Die 14-Jährige Silenerin setzt auf Instagram nicht etwa sich selber ins Szene, sondern ihre Katzen Mausi und Miseli – und die will sie schützen. «Andere Katzenfotografen wurden schon bedroht, man würde ihre Tiere stehlen», erzählt Sarah. «Da möchte ich lieber nicht, dass alle wissen, wer ich bin und wo ich wohne.» Verständlich, wenn man bedenkt, dass sie bei den Katzenfotografen auf Instagram ganz vorne mitspielt: Nur ein Account in der Schweiz hat mehr Follower als sie.

Angefangen hat Sarahs Karriere auf Instagram mit dem Einzug von Katzenbaby Mausi vor knapp vier Jahren. Ganz entzückt von diesem kleinen, weiss-rot-getigerten Fellknäuel, griff die damals Elfjährige regelmässig zur Handykamera.

Autodidaktin mit schwierigen Motiven

Im Dezember 2015 erfüllte sich Sarah einen Herzenswunsch und kaufte sich eine Digitalkamera von Nikon. «Darauf habe ich sehr lange gespart», erinnert sie sich. Am Anfang fotografierte sie vor allem im Automatikmodus, weil sie «das mit dem Selbereinstellen» schwierig fand.

Inzwischen hat sich Sarah das selber beigebracht und stellt beim Fotografieren die Blende und die Belichtungszeit manuell ein. «Da muss ich nicht mehr viel überlegen, sondern weiss, worauf ich achten muss», sagt die junge Fotografin selbstbewusst – und kommt ins Fachsimpeln: Anfänglich habe sie noch mit Zoomobjektiven gearbeitet, inzwischen greife sie aber fast ausschliesslich zu jenem mit Festbrennweite. Ist das nicht viel schwieriger, wenn man nicht zoomen kann? «Es geht», sagt Sarah. «Wenn ich die Katzen grösser im Bild haben will, muss ich halt einfach näher rangehen.»

Wenn Sarah von ihrer Fotografie erzählt, klingt alles ganz einfach. Das erstaunt umso mehr, wenn man sich ihre Bilder anschaut: Neben schönen Porträts ihrer Katzen Mausi und Miseli finden sich auch zahlreiche Fotos, auf denen die Tiere in Bewegung sind oder gar in die Luft springen. «Da hat mir meine Schwester jeweils geholfen», verrät Sarah. «Sie hat die Katzen mit einem Spielzeug gelockt und zum hüpfen gebracht, ich habe abgedrückt.» Das sei vor allem mit Miseli noch gut gegangen, als sie noch ein Baby war. Miselis Mutter Mausi ist mit ihren inzwischen bald vier Jahren schon etwas gesetzter.

Seit dreieinhalb Jahren stellt Sarah nun täglich eines ihrer Katzenfotos auf Instagram. «Anfänglich einfach für meine Freunde in der Schule», erzählt Sarah. «Dass meine Fotos irgendwann auch Personen interessieren, die mich gar nicht kennen, hätte ich nie erwartet.» Trotzdem will sie das Fotografieren nicht zum Beruf machen, sondern Hobby bleiben lassen. Stattdessen beginnt sie im August eine KV-Lehre.

Als Katze, aber ohne Kamera an der Fasnacht

Doch zuerst steht auch für Sarah die Fasnacht vor der Tür. Die wird sie – wenig überraschend – als Katze verkleidet verbringen. Eine richtige Fasnächtlerin sei sie aber nicht, wie sie sagt. Entgegen ihrer liebsten Fotosujets spielt sie auch nicht etwa in einer Katzenmusik mit. Ihre Kamera lässt sie an der Fasnacht ebenfalls zuhause. Die vielen kostümierten Menschen reizen sie nicht als Sujets, Sarah bleibt lieber bei ihren Katzen. «Obwohl es wahrscheinlich einfacher wäre, Menschen zu fotografieren als Mausi und Miseli», sagt sie mit einem Schmunzeln.

Ob ihre Katzen die Fasnacht mögen, wird sich herausstellen. Einmal wird die Katzenmusik auch vor ihrem Haus vorbeiziehen. «Mausi kennt das schon von den letzten Jahren. Miseli erlebt das heuer zum ersten Mal. Ich bin gespannt, wie sie reagiert.»

Carmen Epp

carmen.epp@urnerzeitung.ch


Leserkommentare

Anzeige: