Korporation Uri will Kulturland im Talboden bewahren

ALTDORF ⋅ Der Korporationsrat Uri entschied gestern, dass die Korporation in Erstfeld drei grosse Landparzellen kaufen soll. Für die aussergewöhnlichen Käufe war jedoch ein juristisches Gutachten nötig.
02. Dezember 2017, 05:00

Normalerweise befindet der Korporationsrat Uri an seinen Sitzungen über Landverkäufe. Gestern jedoch beschloss er im Rathaus in Altdorf, Landwirtschaftsflächen zu kaufen. So übernimmt die Korporation in Erstfeld nun für 175'600 Franken zwei insgesamt 28'400 Quadratmeter grosse Parzellen von der Alptransit Gotthard AG (ATG), die während des Baus des Basistunnels als Installationsplätze benötigt wurden. Diese befinden sich zwischen dem Neat-Nordportal und dem Wohnquartier Birtschen.

Die Korporation hatte für den Bau der Neat viel Land zur Verfügung stellen müssen, dieses hat sie inzwischen aber wieder zurückerhalten. Bei den Parzellen, welche die Korporation nun kauft, handelt es sich um zusätzliche Parzellen. «Die Korporation Uri ist ein Garant, dass die Kulturflächen im Talboden erhalten bleiben», begründete Vizepräsident Peter Ziegler den Kauf. «Von intakten Betrieben im Talboden profitieren auch unsere Alpen.»

Damit die Korporation das Land überhaupt kaufen kann, brauchte sie ein juristisches Gutachten. Denn wegen der heutigen Rechtslage können nur noch Bauern Landwirtschaftsland kaufen, welche die Flächen selber bewirtschaften. Das Gesetz lässt aber einen Spielraum für Organisationen wie die Korporation Uri zu.

Schwarze Zahlen dank Wasserzinsen

Gleichzeitig erteilte der Korporationsrat dem Engeren Rat die Kompetenz, weitere Parzellen zu erwerben. Die ATG stellt der Korporation nämlich Flächen in der Geissmatt und beim sogenannten Kalkofen in Erstfeld in Aussicht sowie Parzellen bei der ­neuen Unterführung an der Ried­strasse in Schattdorf.

Anton Furger stellte dazu den Antrag, dass der Engere Rat die Korporationsräte vor der Presse über die Käufe orientieren ­müsse. «Wir müssen schliesslich gegenüber den Bürgern Auskunft geben können», so der Erstfelder. Sein Antrag wurde mit einer Gegenstimme gutgeheissen.

Gleichzeitig stimmte der Rat auch dem Kauf einer 14'974 Quadratmeter grossen Landwirtschaftsparzelle und eines dazugehörigen Schopfs im Wiler in Erstfeld zu. «Die private Parzelle gehörte bereits früher einmal der Korporation», erklärte Verwalter Kurt Schuler. Mit dem Kauf im Umfang von rund 66'400 Franken soll die angrenzende Korporationsliegenschaft Seewadi «strukturell verbessert» werden.

Im Zentrum der gestrigen Sitzung stand der Voranschlag für das kommende Jahr. «Das Budget sieht sehr gut aus», freute sich Verwalter Schuler. Es rechnet mit einem Gewinn von 222'945 Franken – dies bei Auslagen von rund 5,287 Millionen Franken. «Das gute Ergebnis ist vor allem auf ­höhere Erträge zurückzuführen», sagte Schuler. Die neuen Kraftwerke in Bristen und Gurtnellen würden nun Wasserzinsen in die Korporationskasse spülen – und dies dürfte vorerst auch so bleiben. Denn dank des starken Lobbyings der Bergkantone in Bundesbern werden die Wasserzinsen vorerst nicht gekürzt.

Zudem wirkt sich nun auch der Steinabbau im «Standel» ob Wassen positiv auf die Einnahmen der Korporation aus. Überdies kann sie nun die neuen Wohnungen an der Bötzlinger­strasse in Schattdorf vermieten.

Das Budget wurde einstimmig genehmigt – mit einer Änderung. Hans Bissig aus Isenthal forderte, den Beitrag für die Strassen der Korporationsbürgergemeinden von 82'000 Franken auf 125'000 Franken zu erhöhen. Der Rat hiess den Antrag mit 17 zu 13 Stimmen gut.

«Das Heim ohne Schulden abtreten»

Der Korporationsrat musste gestern letztmals den Voranschlag des Alters- und Pflegeheims Rosenberg in Altdorf genehmigen. Denn per 2018 erhält das Heim eine neue Organisationsstruktur – ohne Beteiligung der Korporation (unsere Zeitung berichtete). Der «Rosenberg» rechnet 2018 mit einem positiven Betriebsergebnis von rund 83'000 Franken – dies bei einem Ertrag von rund 11,764 Millionen Franken. Zudem werden Rückstellungen für die Infrastruktur in der Höhe von 475'000 Franken getätigt ­sowie Rückstellungen von 400'000 Franken aufgelöst. Daraus resultiert ein Unternehmenserfolg von 7800 Franken. «Es ist schön, dass wir das Heim ohne Schulden abtreten», sagte Vizepräsident Peter Ziegler.

Korporation will ein Riesenrad aufstellen

Die Korporationsräte stimmten zudem einer Allmendvergabung von 108 Quadratmeter Land zu. Die Milchgenossenschaft Usser­äbnet-Surenen plant, ihre Käserei zu sanieren und teilweise auszubauen. Ein Käser verarbeitet dort jeweils in den Sommermonaten Milch von fünf Alpbetrieben. Die Bauarbeiten sollen im kommenden Sommer starten, sodass die neue Käserei 2019 in Betrieb ist.

Korporationspräsident Rolf Infanger orientierte zudem über den gemeinsamen Auftritt der Korporationen Uri und Ursern an der Gewerbeausstellung Uri 18. Die Korporation Uri sei zudem als Co-Sponsor eingestiegen und möchte an der Ausstellung ein Riesenrad aufstellen, damit die Besucher einen Teil des Korporationsgebietes von oben sehen können. (eb)


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