Skiarena erhält Militärobjekte

URSERN ⋅ Die Andermatt-Sedrun Sport AG benötigt für den weiteren Ausbau der Skiarena Land. Deshalb trafen sich am Donnerstagabend die Bürger der Korporation Ursern zu einer ausserordentlichen Talgemeinde.
Aktualisiert: 
14.04.2018, 09:00
12. April 2018, 21:48

Elias Bricker

elias.bricker@urnerzeitung.ch

Die Andermatt-Sedrun Sport AG (ASS) benötigt für den Ausbau der Skiarena mehrere Parzellen der Armee. Doch die Skigebietsbetreiber können die benötigten Grundstücke auf dem Nätschen, Gütsch und Oberalppass nicht einfach so vom Eidgenössischen Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) kaufen. Denn es besteht ein Vertrag, dass die Armee ihre Grundstücke nur der Korporation verkaufen kann, da diese ursprünglich der Korporation gehört hatten.

Deshalb mussten die Bürger der Korporation Ursern am Donnerstagabend zu einer ausserordentlichen Talgemeinde zusammenkommen und über die Rückkäufe befinden. Rund hundert Personen fanden sich in der Aula im Bodenschulhaus in Andermatt ein. «Die Geschäfte sind sehr umfangreich», sagte Talammann Hans Regli. «Sie würden den Rahmen der ordentlichen Talgemeinde im Mai sprengen.»

Bund baut Baracken auf Oberalppass zurück

Die Korporation kauft nun aber mehr Parzellen von der Armee zurück, als die ASS benötigt. So übernimmt sie nun fast alle Objekte, die militärisch nicht mehr genutzt werden. Die Talbürger stimmten am Donnerstag nicht nur einstimmig dem Kauf mehrerer Landflächen zu, sondern auch der Übernahme mehrerer Militärbauten. Dafür bezahlt die Korporation der Armee 150000 Franken – und dies, obwohl der Verkehrswert auf rund 1,2 Mil­lionen Franken geschätzt wurde. Einen Teil der zurückgekauften Grundstücke wird die Korporation Ursern für eine einmalige Entschädigung von 63000 Franken an die ASS abtreten.

«Insgesamt haben wir vier Jahre mit dem VBS verhandelt», sagte Regli. Doch beinahe wären die Verhandlungen gescheitert. Denn der Bund verharrte auf dem Standpunkt, dass er seine Anlagen grundsätzlich nicht zurückbaut, sondern nur stilllegt. Damit war die Korporation aber nicht einverstanden, musste sich jedoch fügen. Am Schluss gab es einen Kompromiss: So muss der Bund nun die Baracken auf dem Oberalppass zurückbauen. Einige davon müssen ohnehin der Talstation der geplanten Gondelbahn weichen. Falls die Korporation jedoch Grundstücke auf dem Oberalppass verkaufen sollte, ist das VBS am Gewinn beteiligt.

Einheimische sollen auf dem Gütsch zum Zug kommen

Die übrigen Militärobjekte werden lediglich stillgelegt – darunter die unterirdische Gebirgsunterkunft Gütsch. Die Skigebietsbetreiber meldeten aber allfälliges Interesse an für eine Maschinengeschützhalle sowie eine Materialbaracke. Das VBS hätte gerne auch das Fort Stöckli den beiden Korporationen Ursern und Uri abgetreten. Doch diese wollten das als erhaltenswert eingestufte Relikt angesichts des schlechten baulichen Zustands nicht übernehmen.

Zudem werden ASS, VBS und Korporation künftig die Militärstrasse auf den Gütsch gemeinsam unterhalten, auch wenn diese nun an die Korporation übergeht. Die Armee wird sich so lange beteiligen, wie sie Anlagen im Gebiet betreibt. Den Unterhalt der Strasse Russengraben–Strahlgand–Felli muss jedoch die ASS übernehmen.

Zudem kauft die Korporation zusammen mit den anderen Militärbauten auch das alte Wachthaus auf dem Gütsch, in dem sich die Wetterstation von Swiss Meteo befindet. Das Wachthaus soll in einen Gastrobetrieb umfunktioniert werden. Die Korporation beabsichtigt, das Haus im Baurecht für 4620 Franken jährlich weiterzugeben. Die künftigen Betreiber müssen aber für allfällige Investitionen selber aufkommen. Die Versammlung gab dem Talrat nun die Kompetenz, das Haus nach dem Kauf öffentlich auszuschreiben. «Dabei sollen Einheimische zum Zug kommen», sagte Talammann Regli.

Bürger befürchten ein zweites Winterhorn

Weiter gewährten die Bürger an der Talgemeinde der ASS eine Bauparzelle neben der Bergstation der Gondelbahn Andermatt-Gütsch. Die Bauarbeiten für das Ski- und Gourmet-Restaurant sollen demnächst beginnen. Die Eröffnung ist für 2019 terminiert.

Mehrere Bürger forderten einen Passus in diesem Baurechtsvertrag, der vorschreibt, dass die ASS Rückstellungen für einen allfälligen Rückbau macht. Denn sie befürchten, dass sonst bei einem allfälligen Konkurs die Korporation wie am Winterhorn auf Bauten sitzen bleibt. Talammann Regli erläuterte jedoch, dass ein solcher Passus bereits im Konzessionsvertrag enthalten sei.

Bernhard Russis Projekt sorgt für Diskussionen

Olympiasieger Bernhard Russi und Frau Mari sowie Al Breach und Francesca Martin aus Andermatt wollen zudem beim Lutersee ein Restaurant bauen. Das Projekt ist zwar noch nicht spruchreif. Doch die Talgemeinde entschied mit einer Gegenstimme, der Bauherrschaft dafür 3000 Quadratmeter Land für 9000 Franken jährlich im Baurecht abzutreten. Die Pläne sorgten aber für Diskussionen. Severin Cathry stellte den Antrag, die Landvergabe an die Bedingung zu knüpfen, dass die Bauherrschaft einen rollstuhlgängigen Weg von der Gondelbahn zum Lutersee erstelle. Bernhard Russi entgegnete, dass er aus Kostengründen nicht bereit sei, eine Betonpiste zu bauen. Cathrys Antrag erhielt nur sechs Stimmen.

Hinweis

Die ordentliche Talgemeinde findet am Sonntag, 27. Mai, in Hospental statt. Beat Schmid soll dabei neuer Talammann werden.


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