Kritik gegen geplantes Waldreservat im Etzlital bleibt aus

ERSTFELD ⋅ Rund 70 Personen liessen sich über das geplante Waldreservat im Etzlital in Bristen informieren. Die Fragen der Bevölkerung konnten die Fachleute kompetent beantworten.
10. November 2017, 09:02

Paul Gwerder

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Im Gebiet Etzlital-Sellenen plant der Kanton zusammen mit der Korporation Uri und der Bürgergemeinde Silenen ein 248 Hek­tar grosses Waldreservat. Damit während der nächsten 50 Jahre dieses Gebiet unter Schutz gestellt werden kann, werden die Bürgergemeinde mit 90 Prozent und die Korporation mit 10 Prozent der ungefähr 175000 Franken entschädigt.

Rund 70 Personen liessen sich am Mittwochabend in der Turnhalle Bristen von Fachleuten über dieses Projekt orientieren. «Eine rentable Holznutzung bei den historisch tiefen Holzpreisen ist heute nicht mehr möglich, deshalb ist der finanzielle Erlös für das Waldreservat viel grösser, und wir sind zufrieden, dass wir mit allen Betroffenen einen gemeinsamen Nenner gefunden haben», sagte einleitend Beat Tresch, Präsident der Bürgergemeinde.

Keine Einschränkungen für die Alpwirtschaft

Danach erklärte Kantonsforstmeister Beat Annen, was ein Waldreservat überhaupt ist: «Dies ist ein ausgewiesenes Gebiet, in dem die Entnahme von Holz oder eine forstwirtschaft­liche Nutzung untersagt ist.» ­Bisher gibt es im Kanton Uri drei grössere Waldreservate: im Rütli­­wald, im Fellital/Taghorn und im Rophaiengebiet oberhalb von Flüelen. «Unser Konzept sieht vor, dass in unserem Kanton 2190 Hektar Wald, das sind 10 Prozent der Waldfläche, geschützt werden soll. Dabei müssen dies Wälder ohne Schutzfunktionen sein oder solche, die seit Jahren nicht mehr genutzt werden», so Annen. «Hier haben wir ein grösseres zusammenhängendes und zudem naturnahes Waldstück gefunden, das sich für ein Reservat bestens eignet. Dazu gehören alte dicke Bäume, Altholzbestände, Totholz und Tümpel», erklärte Kreisforstmeister Roland Wüthrich. Nicht betroffen sind die 5 Hektar Wald, die im Privat­besitz sind. «Eingriffe für die ­Sicherheit und den Forstschutz sowie der Eigengebrauch von Holz soll weiterhin möglich sein», betonte Wüthrich. «Das Waldreservat wird praktisch keine Auswirkungen haben, denn es wird keine Einschränkung für die Alpwirtschaft geben.»

Ebenfalls würde es kein Verbot für das Betreten dieses Gebietes geben – weder für Wanderer noch für Tourenskifahrer. «Es gibt auch keine Änderungen für Jäger, Pilz- und Beerensammler», sagte der Fachmann. Positiv sei, dass in den ausgeschiedenen Waldweidegebieten dank des Waldreservates die Bürger­gemeinde aktiv Holzeingriffe ­tätigen kann, dies sei mit den Alpgenossenschaften so abgesprochen worden.

«Für mich und die Korporation macht das Waldreservat Sinn, denn es ist sehr wichtig, dass dort keine Eingriffe mehr gemacht werden dürfen, dafür aber profitieren wir im Gegenzug auf den Alpweiden», sagte Korporationspräsident Rolf Infanger. Allmendaufseher Werner Walker hat im Vorfeld grossartige Arbeit geleistet, indem er mit den betroffenen Älplern Kontakt aufgenommen hat und diesen das Projekt und die positive Auswirkung für die Waldweide erklärt hatte.

«Wir erhalten viel Geld»

Förster Toni Zberg, der den Forstbetrieb der Bürgergemeinde Silenen führt, sagte zu dem geplanten Reservat: «Seit ich Förster bin, haben wir dort keine normale Holznutzung mehr getätigt, denn der Preis für das Holz müsste drei- bis viermal höher als heute sein, damit dies rentieren würde.» Und abschliessend meinte er schmunzelnd: «Wir bekommen viel Geld, damit wir nichts machen, das ist schon sehr speziell. Für mich ist das ein grosser Glücksfall, und positiv ist, dass das Reservat keine Nachteile ­weder für die Bevölkerung noch für den Wald bringt.» Die vielen Fragen aus der Bevölkerung, insbesondere jene zum Vertragswerk, konnten in der anschliessenden Diskussionsrunde von den Fachleuten beantwortet werden. Es fiel auf, dass es keine einzige kritische Stimme gegen das geplante Reservat gab.

Im April 2018 befindet die Bürgergemeinde Silenen und danach im Sommer die Korporation. Nach dem Beschluss des ­Regierungsrates im Herbst 2018 kann das Reservat per 1. Januar 2019 umgesetzt werden.


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