Kunst lädt zu besonderen Begegnungen der Kulturen ein

ALTDORF ⋅ Flüchtlinge, Migranten und Urner schauen sich gemeinsam die Ausstellung im Haus für Kunst an. Die Begegnung ist eines von vielen Projekten in Uri. Jetzt soll eine verstärkte Zusammenarbeit mit anderen Organisatoren angestrebt werden.
20. Juni 2017, 07:33

Die Ausstellung von Ian Anüll im Haus für Kunst Uri bietet vielfältige Blicke auf die Kunst. Sie gibt Gelegenheit, dass man sich kritisch mit dem Kunstbetrieb und dem Kunstbegriff auseinandersetzt. Nebst eigenen Arbeiten gibt Anüll auch vielfältige Einblicke in seine reichhaltige Sammlung. Gezeigt werden bekannte und weniger bekannte Künstler und auch Werke von einigen, die anonym bleiben. Anülls Ausstellung bietet Gesprächsstoff – auch für einen Rundgang zusammen mit Flüchtlingen und Migranten, die in Uri leben. Am vergangenen Samstag war es so weit.

Was ihr besonders Eindruck gemacht habe, wollte Kunstvermittlerin Lotti Etter von einer jungen Frau aus Eritrea am Ende des Rundgangs wissen. «Alles, mir hat alles gefallen», gab sie in gebrochenem Deutsch zur Antwort. Die Frau zeigte sich diplomatisch. Auch ihr Mann war sehr zuvorkommend. Doch er gab schon mehr von seinem Kunst­geschmack kund. Am liebsten schaue er sich die realistisch gemalten Alltagsstillleben an, sagte er. Gefallen finde er auch an Landschaftsbildern. Weniger anfangen konnte er mit abstrakteren Bildern. «Was soll das sein?», fragte er. Nur mit einer zufälligen Farbkomposition gab er sich nicht zufrieden.

Organisatoren sollten verstärkt zusammenarbeiten

Zuerst harzte es noch ein bisschen, was die Besucherzahlen auf dem Ausstellungsrundgang betraf. Doch dann gesellten sich immer mehr Einheimische und Flüchtlinge dazu. Es schien eher erschwerend, dass gleichzeitig im «Winkel» der Flüchtlingstag stattfand. Zurzeit wird in Uri mit verschiedenen Projekten fast um Flüchtlinge und Migrantinnen geworben. So bietet auch der neu geschaffene Treffpunkt 26 ein reichhaltiges Angebot. Das Haus an der Hagenstrasse 26 in Altdorf will Menschen mit Migrationshintergrund und Einheimische einander näherbringen. «Nicht nur die Kulturen, auch die Organisatoren müssen sich gegenseitig kennen lernen», gibt sich Lotti Etter überzeugt. «Eine gute Zusammenarbeit ist wichtig.» Es mache wenig Sinn, wenn mehrere Veranstalter nebeneinander und nicht miteinander agieren würden. Das Café Mondial findet während jeder Ausstellung zweimal an einem Samstagnach­mittag statt. Es ist eine Weiterführung des Projekts Kulturen brücke. Diese Veranstaltungen brachte in den vergangenen Jahren im Haus für Kunst Uri einheimische Vereine und Gruppen mit in Uri wohnhaften Flüchtlingen und Migranten zusammen.

Beim Projekt Kulturenbrücke arbeitete Lotti Etter mit dem Schweizerischen Roten Kreuz (SRK) zusammen. Interessierte Asylsuchende und Migranten wurden ihr vom SRK vermittelt. Zudem können sich Urner Vereine melden, die daran interessiert sind, mit Menschen anderer Kulturen zusammenzukommen.

Deutschkenntnisse sind wichtig

Bei der Nachfolgeveranstaltung Café Mondial geht es locker zu und her. Denn schliesslich trinkt man auch gemeinsam einen Kaffee und isst Kuchen und Gebäck. Unterstützt wird die Veranstaltung vom Kanton Uri. Wichtig ist dabei das Gespräch über die Kunst. Die Besucher unterhalten sich aber auch über ihren Alltag, ihre Freuden und Sorgen. Damit Menschen anderer Kulturen an diesem Austausch teilnehmen können, bedingt es aber fort­geschrittene Sprachkenntnisse. «Die Leute müssen sich auf Deutsch verständigen können, wir engagieren keine Übersetzer», sagt Lotti Etter. «Nur so können sie aktiv an den Gesprächen teilnehmen.» Die Kunst von Ian Anüll wird im Café Mondial nochmals kulturenübergreifend ein Thema sein. Am Samstag, 12. August, findet zwischen 15 und 17 Uhr das nächste Café Mondial mit einem gemeinsamen Rundgang durch die Ausstellung statt.

 

Markus Zwyssig

markus.zwyssig@urnerzeitung.ch


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