Lehrreiche Waldarbeit zum Nulltarif

URI ⋅ Während zweier Wochen pflegen Freiwillige aus nah und fern die Urner Wälder. Im Rahmen des Bergwaldprojekts trotzen die Helfer dem Regen und sorgen für wieder begehbare Wege oder den Schutz von Jungbäumen.
11. August 2017, 07:58

In den Bergwäldern ob Schattdorf, Bürglen und Erstfeld wird zurzeit mit viel Herzblut gearbeitet. Es werden Wege unterhalten, Lichtungen ausgemäht oder der Jungwald gepflegt. Es sind aber nicht, wie normalerweise, die Forstarbeiter, die in steilem Gelände und nassem Wetter die Sensen schwingen und mit Sägen hantieren. Vierzehn freiwillige Helfer in dieser Woche und elf in der vergangenen Woche packen in den Urner Bergwäldern kräftig mit an. Anlass dazu bietet das Bergwaldprojekt. Die gleichnamige Stiftung wurde 1987 gegründet und sucht seither Freiwillige, die während einer Woche gegen Kost und Logis Waldarbeiten in der Schweiz und den umliegenden Ländern verrichten.

«Seit 27 Jahren findet das Bergwaldprojekt auch regelmässig in Uri statt», so Moni Hug. Die Bernerin ist Projektleiterin der beiden Arbeitswochen und erklärt, worum es beim Projekt geht: «Ein Grossteil des Waldes in Uri hat eine Schutzfunktion. So verhindert er etwa Erdrutsche, Steinschläge oder Lawinen.» Aus diesem Grund sei es wichtig, den Bergwald zu pflegen. Unterstützung bekommt das Team von Forstwarten wie etwa Marco Meyer: «Es ist unglaublich interessant, mit Leuten aus verschiedenen Orten und Berufsgattungen an einer gemeinsamen Sache zu arbeiten», so der Schattdorfer.

Und tatsächlich: Vom Bürolisten über den Studenten bis zur Rentnerin arbeiten die Freiwilligen Hand in Hand im Schutzwald. So etwa Mona Huber. Die angehende Umweltingenieurin will vor ihrem Studium noch praktische Erfahrungen sammeln: «Während dieser intensiven Woche kann ich Einblicke in andere Arbeitswelten gewinnen und vieles für später mitnehmen», so die Zürcherin. «Freiwilligenarbeit heisst für mich Zeit statt Geld zu spenden.» Jan Zehnder nimmt im Rahmen seines Zivildienstes am Projekt teil und hat wegen des längeren Einsatzes den Posten als Gruppenleiter eingenommen. «Schon meine Eltern waren beim Bergwaldprojekt dabei», führt der Aargauer aus.

Eine Abwechslung zum Büroalltag

Während eine Gruppe oberhalb von Schattdorf ein Wildbiotop pflegt, kümmert sich eine andere im Bürgler Gosmertal um den Unterhalt eines Wanderwegs. Mit Schaufeln und Spitzhacken verbreitert die Gruppe den kaum mehr sichtbaren Weg im steilen Gelände. Natalja Aljasova kommt aus Hamburg und arbeitet dort in einer Kunststiftung. «Ich bin hierher gekommen, weil es eine Abwechslung zum Büroalltag ist», so die gebürtige Estin.

Für Moni Hug steht fest: «Die Arbeit im Bergwaldprojekt ist anstrengend, und man ist bei Wind und Wetter draussen.» Vielleicht sei es gerade deswegen eine sehr lehrreiche Zeit. «Es hat etwas Befriedigendes, wenn man am Ende des Tages erschöpft ist und sieht, was man alles gemacht hat», so die Projektleiterin.

Nebst den wichtigen Tätigkeiten, die dem Wald zugutekommen, ist es für Moni Hug aber auch zentral, dass die freiwilligen Helfer die Erfahrungen mit in ihren Alltag nehmen und sie dort teilen. «Es geht darum, die Leute über die Wichtigkeit des Bergwaldes zu sensibilisieren», erklärt Hug. Zudem betont sie die grossartige Unterstützung und Betreuung der Forstbetriebe: «Eine solche Zusammenarbeit, wie wir sie in Uri haben, ist einzigartig.»

 

Remo Infanger

redaktion@urnerzeitung.ch


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