Mehr Urner erhalten Sozialhilfe

STATISTIK ⋅ 450 Personen waren 2016 auf Fürsorgegelder angewiesen. Ein deutlich erhöhtes Risiko für den Bezug von Sozialhilfe weisen Alleinerziehende mit kleinen Kindern auf, wie Lustat Statistik Luzern gestern mitteilte.
29. November 2017, 08:16

Markus Zwyssig

markus.zwyssig@urnerzeitung.ch

Im Kanton Uri sind 1,3 Prozent der Wohnbevölkerung auf Sozialhilfe angewiesen. Gegenüber dem Vorjahr stieg die Zahl der Bezüger von Fürsorgegeldern um 49 Personen. Dies geht aus dem gestern veröffentlichten Bericht von Lustat Statistik Luzern hervor. Verglichen mit der Gesamtschweiz ist die Sozialhilfequote des Kantons Uri unterdurchschnittlich. Auf nationaler Ebene lag diese 2015 bei 3,2 Prozent. Uri hat auch eine tiefere Quote als die Zentralschweiz insgesamt, wo sie 2016 bei 1,9 Prozent lag.

Das Armutsrisiko liegt höher bei mangelnder Bildung und ausländischer Nationalität. Das heisst, die Sozialhilfequote von Personen ohne Berufslehre, Hochschulstudium oder andere nachobligatorische Ausbildung betrug 2016 im Kanton Uri überdurchschnittliche 2,1 Prozent. Ein Bildungsabschluss erleichtert nicht nur den Zugang zum Arbeitsmarkt, sondern erhöht auch die Arbeitsplatzsicherheit und sichert in der Regel ein ausreichendes Erwerbseinkommen. Bei Personen mit einem Hochschulabschluss oder einer höheren Berufsbildung ist die Wahrscheinlichkeit besonders gering, wirtschaftliche Sozialhilfe beziehen zu müssen. Die Quote liegt hier bei nur gerade 0,1 Prozent.

Ausländer sind öfter auf Unterstützung angewiesen

Ein tieferes Bildungsniveau ist mit ein Grund für die höhere Sozialhilfequote der ausländischen Urner Wohnbevölkerung. Gegenüber dem Vorjahr stieg diese von 4,7 auf 6,1 Prozent.

Ein wesentlicher Teil der Zunahme ergibt sich aus einem ausserordentlichen Anstieg der Zahl jener Flüchtlinge oder Asylsuchenden, die in der finanziellen Zuständigkeit des Bundes sind, aber in einem von Sozialhilfe unterstützten Haushalt leben. Die Sozialhilfequote von Schweizern betrug im Kanton Uri unverändert 0,6 Prozent.

Ein Drittel der Bezüger ist erwerbstätig

Die Sozialhilfequote von Personen im erwerbsfähigen Alter (18 bis 64 Jahre) betrug 2016 im Kanton Uri 1,3 Prozent. Von diesen Sozialhilfebeziehenden gingen 33 Prozent einer Erwerbstätigkeit nach, überwiegend in Form einer Teilzeitanstellung. Die Altersgruppe, welche am seltensten Sozialhilfe bezieht, ist diejenige der über 64-Jährigen. Die Quote liegt hier bei 0,2 Prozent. Personen im Rentenalter haben im Bedarfsfall Anrecht auf Ergänzungsleistungen, sodass sie nur in Ausnahmefällen auf das letzte sozialstaatliche Auffangnetz der wirtschaftlichen Sozialhilfe angewiesen sind. Die Altersgruppe mit dem höchsten Risiko eines Sozialhilfebezugs sind Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Die Quote liegt bei 2,1 Prozent. Im Jahr 2016 waren 3 von 10 in Uri unterstützten Personen minderjährig.

Werden nicht Personen, sondern Haushalte betrachtet, zeigt sich, dass Kinder und Jugendliche nicht generell einem erhöhten Armutsrisiko ausgesetzt sind. Betroffen sind sie vor allem, wenn sie mit nur einem Elternteil zusammenleben. 2016 bezogen im Kanton Uri 1,6 Prozent der Privathaushalte Sozialhilfe; bei verheirateten Paaren mit Kindern waren es 0,8 Prozent. Mit 16,2 Prozent um ein Vielfaches höher war dieser Anteil bei Haushalten, in dem ein alleinerziehender Elternteil mit seinen Kindern zusammenlebt.

In 53 Fällen wurden die Alimente bevorschusst

Das Einkommen alleinerziehender Mütter und Väter reicht häufig nicht aus, um den Lebensbedarf der Familie zu decken. Familien mit Kindern werden bei Bedarf neben der wirtschaftlichen Sozialhilfe auch mit Alimentenbevorschussungen unterstützt. 2016 wurden im Kanton Uri 53 Kindern und jungen Erwachsenen die Alimente bevorschusst. Das entspricht einer Zunahme um 8,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die Sozialhilfe dient in erster Linie der Überbrückung temporärer Notlagen. Von den 2016 im Kanton Uri abgeschlossenen Fällen wiesen 53 Prozent eine Bezugsdauer von weniger als einem Jahr aus. 28,1 Prozent der Abschlüsse gingen auf eine verbesserte Erwerbssituation zurück, bei 27,2 Prozent wurde die Sozialhilfe durch eine andere Sozialleistung wie beispielsweise eine IV-Rente abgelöst.

Steuerinstrument für die kantonale Sozialpolitik

Die Schweizerische Sozialhilfestatistik des Bundesamts für Statistik (BFS) liefert kantonal, regional sowie über die Zeit vergleichbare Informationen zur Sozialhilfe. Sie dient als Faktengrundlage und Steuerungsinstrument für die Sozialpolitik der Gemeinden, der Kantone und des Bundes. Lustat Statistik Luzern führt die Erhebung im Auftrag des BFS für die Zentralschweizer Kantone durch.

Beim Amt für Soziales des Kantons Uri war gestern niemand für eine Stellungnahme zu den Zahlen erreichbar.


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