Mit Technik von gestern und Sicherheit von heute

FURKA ⋅ Bald verkehrt die Dampfbahn wieder nach Fahrplan. 700 Freiwillige helfen mit, dass das fahrende Kulturgut nach den Richtlinien des Bundes und der EU genossen werden kann.
20. Juni 2017, 07:36

Im Juni 1982 wurde der Furka-Basistunnel zwischen Realp im Kanton Uri und Oberwald feierlich eröffnet. Damit schien das Ende der 1925 erstellten Furka-Bergstrecke besiegelt zu sein. Doch eine Gruppe von Eisenbahnfreunden setzte sich zu Beginn der 1980er-Jahre für die Strecke ein und verhinderte deren Abbruch.

Seit 34 Jahren sind die Mitglieder des Vereins Furka-Bergstrecke (VFB) nun zwischen Realp und Oberwald im Einsatz, um dieses einmalige technische Kulturgut einer Gebirgsbahn zu unterhalten und im Sommer professionell zu betreiben.

Organisiert wie ein modernes KMU

Obwohl diese einzigartige Gebirgsbahn von rund 700 freiwilligen Helfern betrieben wird, unterliegt der ganze Betrieb den strengen Richtlinien des Bundesamts für Verkehr und der Europäischen Union. Die Dampfbahn Furka-Bergstrecke (DFB) ist heute weit entfernt einer Organisation von Eisenbahn-Freaks, sondern entspricht in seinen Prozessen und Strukturen einem modernen KMU. Trotz ihres heutigen Erfolges finanziert sich die DFB selbst und erhält keine finanziellen Zuwendungen der öffentlichen Hand. So besteht auch kein Leistungsauftrag gegenüber den Kantonen oder dem Bund.

Nur dank des unermüdlichen Engagements aller freiwilligen Mitarbeiter kann heute diese Bergstrecke in einer einmaligen Hochgebirgslandschaft der schweizerischen Zentralalpen betrieben werden.

Die Wiederbelebung der Furka-Dampfbahn als wohl grösste Attraktion dieser Gegend hat auch Auswirkungen auf die regionale Tourismusbranche. Mit den heutigen verkehrstechnischen Möglichkeiten ist ein Tagesausflug ins Furka-Gebiet von all den wichtigsten Ballungszentren der Schweiz möglich. 1990 ging als ereignisreiches Jahr in die Geschichte der DFB ein. Damals gelang es, sechs Dampflokomotiven aus dem Dschungel von Südvietnam zurück in die Schweiz zu holen. Das Unterfangen kostete 1,3 Millionen Franken. Die Lokomotiven wiesen unterschiedliche Zustände auf. Heute sehen diese dampfenden Kraftprotze aus, als ob sie gerade die Werkhallen in Winterthur verlassen hätten, und faszinieren als fahrende Kulturgüter jeden Besucher.

Brücke fällt Lawine zum Opfer

Ein Kennzeichen für die Furka sind nicht nur das Meer von blühenden Alpenrosen im Sommer, sondern auch die langen Winter mit Eis und Schnee. So gibt es im Tal der Furkareuss viele Lawinenniedergänge, welche der Bahn von Jahr zu Jahr zu schaffen machen. Die ursprünglich aus Stein gebaute Steffenbachbrücke hatte noch kein Zug befahren, als sie bereits von einer Lawine zerstört wurde. Findige Ingenieure der Firma Th. Bell & Co, Kriens, konstruierten daraufhin eine Klappbrücke, die seit 1925 in jedem Herbst abgesenkt und im Frühjahr wieder montiert wird. Die Klappbrücke sowie die wunderbare Alpenflora können auf einem Wanderweg entlang der Stecke bewundert werden.

Nicht zuletzt ist die Kleinsiedlung Gletsch zu erwähnen, welche ein geschütztes Ortsbild von nationaler Bedeutung besitzt. Gletsch liegt inmitten einer durch die Kraft des Wassers geformten, wilden Berglandschaft am Fusse des Rhonegletschers. Wasserkraft in Form von Gletschereis, Wildbächen, Regen und Schnee haben die Natur in ihrer Einmaligkeit gestaltet. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde Gletsch zu einem bedeutenden alpinen Knotenpunkt mit Verbindungen nach Brig, Andermatt und Meiringen.

Das bekannte Hotel Glacier du Rhone wurde von der Hotelier-Familie Seiler als Gebirgs­hotel erbaut, welches heute mit seiner Nostalgieeinrichtung neu renoviert wurde und dem anspruchsvollen Gast mit einem kulinarischen Angebot zur Verfügung steht.

Lokomotiven und Wagen wunderschön restauriert

Die Regionen Goms und Urseren, das weitere Gotthardgebiet und die Zentralalpen insgesamt bieten viel Verlockendes, das sich mit einer Dampfbahnfahrt zu einem grossen Erlebnis verbinden lässt.

Die meisten Züge verkehren mit wunderschön restaurierten historischen Dampflokomotiven und Wagen. Sie sind ein erhaltenswertes Kulturgut mit Eisenbahntechnik von gestern und der Sicherheit von heute.

Was für die Lokomotiven die Kohle und das Wasser, ist für die Bergstrecke die Begeisterung: von Fahrgästen und der Dampfbahnfreunde. Sie finanzieren die Dampfbahn, und sie arbeiten freiwillig beim Unterhalt und Betrieb mit.

Fahrplanmässig verkehrt die Dampfbahn dieses Jahr vom 24. Juni bis am 8. Oktober. Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre werden in Begleitung Erwachsener kostenlos befördert. Hunde sind willkommen und reisen auf Kosten der Bahn.

 

Beat J. Klarer

redaktion@urnerzeitung.ch

Hinweis

Reservationen und Informationen unter www.dfb.ch.


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