Narren schenken am Umzug in Erstfeld reinen Wein ein

FASNACHT ⋅ Mit grossem Wetterglück, aufwendig gestalteten Wagen und Umzugsteilnehmern ohne Berührungsängste blieb am Sonntag in Erstfeld kein Auge trocken. Dabei wurden auch heikle Themen beim Namen genannt.
11. Februar 2018, 19:49

Carmen Epp

carmen.epp@urnerzeitung.ch

Petrus ist ein Fasnächtler. Das hat er am sonntäglichen Umzug in Erstfeld bewiesen. Pünktlich zum Beginn um 14 Uhr hörte es auf, zu schneien, bis anderthalb Stunden später der Umzug vorbei war. So konnten die zahlreichen Besucher an der Gotthardstrasse das bunte Treiben bei zwar kaltem, aber trockenem Wetter geniessen. Geboten wurde dem Publikum ein abwechslungsreiches Programm mit 31 Nummern, darunter Fussgruppen, aufwendig gestaltete Wagen sowie Katzen- und Guggenmusiken.

Thematisch schöpften die Erstfelder Wagengruppen aus dem Vollen: Von der Kirchenrenovation über die Krux mit den Verkehrskreiseln und dem Erstfelder Wappentier bis hin zu den Chinesen im «Frohsinn» und der Paulus-Kapelle im Erstfeldertal bekamen so einige Themen und Protagonisten ihr Fett weg. Die Teilnehmer scheuten sich nicht, die Dinge beim Namen zu nennen. So wurde etwa auch Ignaz Walker auf die Schippe genommen: als Velodieb, inszeniert vom Schwingklub Erstfeld.

Kirche und Kapelle originalgetreu nachgebaut

Dabei gaben sich die Gruppen grosse Mühe bei der Gestaltung ihrer Wagen. Mit viel Liebe zum Detail haben etwa die «Genijällä Ideällä» die Erstfelder Pfarrkirche nachgebaut. Die Feuerwehr Erstfeld wiederum brachte die Paulus-Kapelle originalgetreu vom Erstfeldertal auf die Gotthardstrasse (siehe unsere Zeitung vom 9. Februar). Die Gruppe «Sirtä-Sirmlä» zog einen ganzen Skilift durch die Strasse, und die «Wiler-Klickä» holte kurzerhand die Seerose vom Urnersee nach Erstfeld. Beim Bestaunen der aufwendig gestalteten Wagen allein blieb es für die Zuschauer jedoch nicht. Das Publikum wurde bei zahlreichen Gruppen ins Geschehen eingebunden.

Auf Tuchfühlung mit dem Publikum

Die Gruppe «Flick ab» lud immer wieder Zuschauer auf eine Kreiselfahrt ein, der ESC suchte beim Torwandschiessen unentdeckte Talente, und der Schwingklub Erstfeld sperrte gar Zuschauer ins mobile Gefängnis. Auf Tuchfühlung gingen auch die Drapolinge aus Amsteg, und die Rossbärghäxä aus Goldau holten Zuschauer zur Konfettidusche aufs mobile WC. Gefordert wurde das Publikum auch von der Nummer von Tourismus Erstfeld: Als Gemeinderäte verkleidet ersuchte die Gruppe die Zuschauer um eine Abstimmung darüber, wo das inzwischen rostige Erstfelder Wappentier künftig platziert werden soll.

Aufgelockert wurden die Wagen- und Fussgruppen von Guggen- und Katzenmusiken. Zur Stärkung des Publikums wurde den grossen Zuschauern Kaffee Schnaps, den kleinen Süssigkeiten verteilt. Sodass am Ende des Umzugs jeder auf seine Kosten gekommen war.

  • (© Urs Hanhart/UZ (Erstfeld, 11. Februar 2018))
  • (© Urs Hanhart/UZ (Erstfeld, 11. Februar 2018))
  • (© Urs Hanhart/UZ (Erstfeld, 11. Februar 2018))

Mit 31 offiziellen Nummern präsentierten die Fasnächtler ihre Sujets am Sonntag beim Umzug durch Erstfeld.

Video: Umzug Erstfeld

Aufwändig gestaltete Wagen, Gruppen zu Fuss sowie Katzen- und Guggenmusiken liessen am Sonntag die Herzen der Fasnächtler in Erstfeld höher schlagen. Auch heikle Themen wurden als Sujets gewählt. (Carmen Epp, 11.02.2018)




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