Bibliothek setzt auf Selbstausleihe

ALTDORF ⋅ Bei der Kantonsbibliothek Uri wird die Selbstausleihe eingeführt. Angepasst werden auch die Öffnungszeiten. Zudem arbeitet die Kantonsbibliothek mit der Mittelschule und dem Didaktischen Zentrum zusammen.
15. November 2017, 05:00

Markus Zwyssig

markus.zwyssig@urnerzeitung.ch

Die Bohrgeräusche sind nicht zu überhören. In der Kantonsbibliothek Uri sind Handwerker an der Arbeit. Leitungen müssen verlegt werden. Grund für diesen Aufwand ist eine neue Technologie, die im kommenden Jahr eingeführt wird. «Bei der Kantonsbi­bliothek Uri wird es bald möglich sein, Bücher und andere Medien selber auszuleihen und auch wieder zurückzugeben», erklärt Co-Leiterin Martina Wüthrich.

Dazu wird bei der Kantonsbibliothek im Eingangsbereich ein sogenanntes Sicherungsgate eingebaut. Wie im Warenhaus piepst es, wenn jemand die Bibliothek verlassen will und ein Buch oder ein anderes Medium nicht richtig ausgeliehen wurde. Der Hauptgrund für die Änderungen ist aber nicht die Warensicherung. «In Zukunft können unsere Kunden Bücher, DVD, CD und Hörbücher für die Ausleihe selber aufs Gerät legen», erklärt Co-Leiterin Carla Biasini. «Ein Chip im Buch, in der CD- oder DVD-Hülle wirkt als Sender und erkennt die entsprechenden Medien.»

Die Kantonsbibliothek setzt auf die Radio-Frequency-Identification-(oder kurz RFID-)Technologie. Diese existiert schon seit Jahren und wird beispielsweise für die Identifikation von Fahrzeugen, für Reisepässe oder für ein Ticketsystem wie den Swiss­pass eingesetzt.

In Zukunft ist am Donnerstag geöffnet

Die Selbstausleihe in der Kantonsbibliothek Uri wird ab 13. Februar 2018 eingeführt. Mit dem neuen System ändern sich auch die Öffnungszeiten. So ist die Kantonsbibliothek ab Januar 2018 neu am Donnerstag geöffnet. Am Montag ist in Zukunft geschlossen. Ab 1. März 2018 gelten zudem folgende längere Öffnungszeiten: Von Dienstag bis Freitag ist von 13.30 bis 19 Uhr geöffnet. Am Samstag ist durchgehend von 9 bis 16 Uhr offen.

Das neue System soll Vorteile für Kunden und Personal bringen. So sollen die Warteschlangen bei der Freihandausleihe inskünftig kürzer werden. «Es wird möglich sein, mehrere Medien als Stapel auf einen Schlag auszuleihen», erklärt Martina Wüth­rich. Das bringt eine grosse Zeitersparnis. Und ausgeliehen wird in der Kantonsbibliothek Uri nach wie vor viel. «Die Zahlen steigen bei uns sogar nach wie vor an», sagt sie.

In Zukunft braucht es nicht mehr zwei Mitarbeiterinnen, welche sich um die Ausleihe kümmern. Das Personal kann die gewonnene Zeit nutzen, um Kunden vertieft zu beraten, und kann auch auf komplizierte Anfragen eingehen. «Diese Arbeit gewinnt an Bedeutung, denn es gibt immer neue Informationen für unsere Kunden wie beispielsweise im Zusammenhang mit den digitalen Medien», sagt Martina Wüthrich. Die Kantonsbibliothek pflegt eine enge Zusammenarbeit mit Schulen insbesondere in Altdorf und will die Führungen aufrechterhalten sowie bei Bedarf auch für die Oberstufe und für andere Gemeinden anbieten.

Die Mitarbeiterinnen haben mehr Zeit, Bücher und andere Medien nach der Ausleihe wieder in die Gestelle zu verräumen. Auch wird die Sammlung der Bibliothek immer umfangreicher, was zu Mehrarbeiten im Unterhalt führt. Schliesslich könnte das neue System auch das Inventarisieren erleichtern. «Wenn man mit einem Scanner die Gestelle entlang fährt, zeigt es an, wenn Artikel fehlen», so Biasini.

Möglich wird die Investition, weil der ehemalige Gönnerverein der Kantonsbibliothek Uri rund 120000 Franken zweckgebunden zur Verfügung gestellt hat. Das Geld wurde der Bibliothek zugesprochen, nachdem der Verein im vergangenen Jahr aufgelöst worden ist. Inbegriffen in diesem Betrag ist auch der Unterhalt des Systems für die kommenden zehn Jahre.

Bibliotheken gründen einen kantonalen Verbund

Die Kantonsbibliothek Uri entwickelt sich jedoch auch in anderen Bereichen weiter: Sie hat zusammen mit der Bibliothek der Kantonalen Mittelschule Uri und mit dem Didaktischen Zentrum Uri einen kantonalen Bibliotheksverbund gegründet, um so die Zusammenarbeit untereinander zu stärken.

Ein erster grosser Schritt für die drei Bibliotheken war das gemeinsame Prüfen und das Beschaffen eines neuen Systems. Die Wahl fiel auf die Bibliothekssoftware Winmedio.net, welche in der Schweizer Bibliothekslandschaft bereits weit verbreitet ist. Ab Februar 2018 werden alle Bestände der Kataloge verfügbar sein, sodass in allen drei Bibliotheken die Suche und die Ausleihe über das neue System laufen werden.

Ein gemeinsamer Onlinekatalog der Kantonsbibliothek Uri, der Bibliothek der Kantonalen Mittelschule Uri und des Didaktischen Zentrums gewährt den Benutzern Einblick in einen Bestand von über 125 000 Medien.

Die drei Bibliotheken werden sich auch in Zukunft in ihrer ­Weiterentwicklung gegenseitig unterstützen und sind offen für die Zusammenarbeit mit weiteren Partnerbibliotheken. Denkbar sind gemeinsame Webauftritte oder ein Kurierdienst zwischen den beteiligten Bibliotheken.


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