Eine Notstrasse nach Bristen ist der Regierung zu teuer

URI ⋅ Eine Ausweichroute über den Frentschenberg nach Bristen würde netto 6,7 Millionen Franken kosten – und auch die bestehende Strasse ist millionenschwer sanierungsbedürftig. Postulant Rolf Jauch will aber noch nicht aufgeben.
13. April 2018, 18:54

Florian Arnold

florian.arnold@urnerzeitung.ch

Über einen Monat war die Bristenstrasse im vergangenen Frühling unpassierbar und damit ein ganzes Dorf vom Autoverkehr abgeschnitten. «Das soll nicht mehr passieren», findet Landrat Rolf Jauch (FDP, Silenen). Mit einem Postulat forderte er im März 2017 die Prüfung einer Notstrasse. Der Vorstoss wurde vom Landrat im Mai einstimmig überwiesen. Nun rät die Regierung vom Bau einer solchen Strasse ab, wie aus dem Bericht hervorgeht. «Eine sichere Haupterschliessung ins Dorf Bristen via heutiger Bristen­strasse hat absolute Priorität», schreibt sie. Und dort macht sie mittelfristig einen erheblichen Sanierungsbedarf von 13 Millionen Franken aus.

«Eine Notstrasse via Ledi, Frentschenberg nach Bristen ist technisch machbar», hält die ­Regierung fest. Es sei die ein- zige realisierbare Variante. Die Grundkosten schätzt sie auf 3,9 Millionen (+/- 25 Prozent). Allerdings seien zusätzliche Massnahmen nötig, ohne die auch die Notstrasse nicht vor Stein- und Blockschlagereignissen geschützt werden könne. Diese belaufen sich auf weitere 3,8 Millionen. Nach Abzug möglicher Beteiligungen bleiben Nettokosten von 6,7 Millionen übrig. Die Regierung würdigt, dass mit dem Bau Synergien genutzt werden könnten, so etwa bei der Umfahrung, die für die Bauarbeiten an der Wehrebrücke notwendig ist. Zudem könnte beim Holzabtransport künftig gespart werden.

Auch andere Gebiete fordern sicheren Zugang

Die Noterschliessung bei einem Ereignisfall dürfte laut Regierung maximal 750000 Franken ausmachen; im Frühling 2017 waren es 500000 Franken. Auch bei mehrmaligen Ereignissen stehe dies in keinem Verhältnis zu den Kosten für eine Notstrasse. «Hinzu kommt, dass in verschiedensten Urner Regionen Bedürfnisse für zusätzliche oder erweiterte Erschliessungen bestehen, etwa in Realp oder im Meiental.»

Es gelte bei der Wertung solcher Projekte die Gesamtsicht zu wahren und das Wünschbare vom Notwendigen zu unterscheiden. «Auch ohne die Realisierung von Zusatzerschliessungen kommen in den nächsten Jahren grosse Investitionen für den Strassenunterhalt auf den Kanton Uri zu», so die Regierung. Sie ist aber bereit, zu prüfen, ob und wie weit entsprechende Massnahmen forciert anzugehen sind. Auch ein Sanierungsplan für die Bristenstrasse soll ausgearbeitet werden.

Beim letzten Mal war es «Glück im Unglück»

Keine Freude am Bericht der Regierung hat Postulant Rolf Jauch: «Der Bericht macht deutlich, dass wir mit der Bristenstrasse auf einem Pulverfass sitzen.» Dies habe das Ereignis 2017 gezeigt, das man trotz Messungen nicht habe verhindern können. «Damals hatten wir nochmals Glück im Unglück, da weder viele Touristen in Bristen waren, noch wichtige Transporte für die Landwirtschaft oder Grossbauprojekte nötig waren», gibt Jauch zu bedenken. Die Tragweite könne also bei einem weiteren Ereignis noch einiges grösser sein.

Für den Bristner hinken die Vergleiche mit Realp oder dem Meiental, welche die Regierung anstellt. «Nach Realp gibt es immer noch die Bahn und im Meiental reden wir von anderen Grössenordnungen», so Jauch. Die Standseilbahn nach Bristen könne im Winter wegen der «Bristner Laui» nicht betrieben werden. Jauch bleibt aber realistisch: «Die Chancen, dass wir unter diesen Voraussetzungen eine Mehrheit finden werden, sind gering.» Vorerst will er aber abwarten, was die landrätliche Baukommission und der gesamte Landrat zu den Ausführungen der Regierung sagen werden. Der Bericht ist Thema einer der nächsten Sessionen.


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