Urner Regierung hält Varianten offen

ALPBACH ⋅ Die Regierung will keine einseitige Richtung einschlagen, was die Nutzung des Alpbachs für die Stromgewinnung betrifft. Sie ist aber bereit, Anregungen entgegenzunehmen.
16. Juni 2017, 07:56

Florian Arnold

florian.arnold@urnerzeitung.ch

Die Urner Regierung will sich nicht frühzeitig für eine Variante entscheiden, wie der Alpbach für die Stromgewinnung genutzt werden soll. Sie erklärt sich allerdings bereit, ein Postulat von Landrat Daniel Furrer (CVP, Erstfeld) entgegenzunehmen. Unter dem Titel «Wasserkraft Alpbach, mit Blick auf das Machbare» hatte dieser gefordert, eine «fundierte Vorlage zur energetischen Nutzung des Alpbachs zu erstellen, die auch andere Varianten als die Doppelnutzung umfassend aufzeigt». Eine Doppelnutzung zielt darauf ab, das Wasser des Erstfeldertals als Energie-, aber auch weiterhin als Trinkwasserquelle zu nutzen.

Dass die Trinkwasserquellen keinesfalls aufgegeben werden sollen, machte die Erstfelder Bevölkerung in einer kommunalen Abstimmung im Jahr 2015 deutlich, die mit 94 Prozent angenommen wurde. Seither wurde nach Anpassungen gesucht. Vor einem Jahr teilte die Regierung mit, dass eine Strom- und Trinkwassergewinnung nebeneinander möglich sei.

Arnold will Tempo forcieren

Im Dezember 2016 wollte Christian Arnold (SVP, Seedorf) das Tempo forcieren, indem er mit einer Motion forderte, dass bis Ende 2017 ein Konzessionsgesuch vorliegen solle. Andernfalls müsse das Schutz- und Nutzungskonzept erneuerbare Energie (Snee) angepasst werden. Arnold schlug vor, einer Doppelnutzung oberste Priorität einzuräumen. Im April wurde die Motion jedoch nicht erheblich erklärt.

Dafür reichte Daniel Furrer gleichentags sein Postulat ein. Darin legt er ein Augenmerk auf eine Variante, bei der das Wasser für das Kraftwerk statt bei den Bodenbergen erst im Gebiet Schopfen gefasst würde. Dieses befindet sich unterhalb der Quellen, wodurch das Trinkwasser nicht vom Kraftwerk beeinflusst würde. Furrer möchte ein Projekt wählen, das «für die ortsansässige Bevölkerung akzeptierbar ist».

Möglichst optimale Nutzung im Vordergrund

Die Haltung der Regierung hat sich seit der Beantwortung von Arnolds Motion nicht geändert. «Für den Regierungsrat steht unter Berücksichtigung der gesetzlichen Vorgaben eine möglichst optimale Nutzung des Wassers am Alpbach zur Stromerzeugung im Vordergrund», heisst es in der dieser Tage veröffentlichten Antwort auf Furrers Vorstoss. «Ein abschliessender Entscheid darüber, welche Variante am Alpbach weiterverfolgt werden soll, liegt beim Landrat.»

Die Regierung hält aber auch fest, dass der Alpbach ein öffentliches Kantonsgewässer sei, über das der Kanton verfügen könne. Bei mehreren Konzessionsgesuchen geniesse jenes den Vorzug, «dessen Unternehmen dem öffentlichen Wohl in grösserem Masse dient». Weiter lege das Wasserrechtsgesetz fest, dass bei gleichwertigen Projekten jenes gewinne, das am wirtschaftlichsten sei.

Falschannahme wird richtiggestellt

In ihrer Antwort stellt die Re­gierung ausserdem eine Falschannahme des Postulanten richtig: Entgegen Furrers Annahme wäre eine Stromproduktion bei einer Doppelnutzung auch in den Wintermonaten möglich. «Zwar steht dem Kraftwerk in den Winter­monaten etwas weniger Wasser zur Verfügung, doch es kann davon ausgegangen werden, dass das Werk trotzdem problemlos weiterbetrieben werden kann.»

«Erfreut nehme ich zur Kenntnis, dass der Regierungsrat den Handlungsbedarf sieht und verschiedene Varianten vertieft prüfen und die Ergebnisse dem Landrat vorlegen will», hielt Postulant Daniel Furrer am vergangenen Mittwoch auf Anfrage der «Urner Zeitung» fest. «Damit wird erstmals eine Diskussion aufgrund von fundierten Grundlagen möglich», so der Erstfelder CVP-Landrat. «Unbestritten ist, dass beim Alpbach dem Kanton das Verfügungsrecht über die Wassernutzung zusteht. Das betrifft aber nicht die fraglichen Trinkwasserquellen der Wasserversorgung Erstfeld. Es wäre wohl ein schweizweit einmaliges Vorgehen, wenn in letzter Konsequenz ein Kanton einer Gemeinde Trinkwasserquellen zu Gunsten eines Kraftwerks enteignen würde», so Furrer.


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