Reparieren statt wegwerfen findet Anklang

ERSTFELD ⋅ Im Rahmen des Energiestadtfests fand am Samstag ein Repair-Café statt. Rund zwei Drittel der gebrachten Gegenstände konnten repariert werden. Unsere Zeitung war mit einem defekten Staubsauger vor Ort.
11. September 2017, 05:00

Oft wirft man Gegenstände weg, ohne vorher ernsthaft zu prüfen, ob man sie noch reparieren kann. Ein Fall für die Entsorgungsstelle schien auch unser defekter Staubsauger. Nach den Sommerferien sprang er nicht mehr an. Für eine grosse Reparatur im Fachgeschäft lohnte sich der finanzielle Aufwand nicht mehr. Doch da hörte ich vom Repair-Café. Ich nahm den Staubsauger am Samstag unter den Arm und machte mich auf den Weg nach Erstfeld.

In der alten Turnhalle hinter dem Gemeindehaus Erstfeld angekommen, wurde ich freundlich empfangen. Fachpersonen warteten nur darauf Velos, Kleidungsstücke oder Sachen aus Holz zu reparieren. Um elektronische Artikel kümmerten sich die Leute von Hackerspace Uri. Schnell machten sie sich an die Arbeit. «Unser gemeinnütziger Verein wurde 2016 gegründet», erklärte Präsident Walter Planzer. «Künstler und Techniker machen bei uns mit. Es sind auch Studenten dabei, die gerne tüfteln und basteln.»

Planzer schaute sich den Staubsauger näher an. Doch bald schon gab es ein Problem, das man nicht so leicht lösen konnte: Die Schrauben liessen sich nicht öffnen. Auch der Versuch mit dem Bohrer scheiterte. Kassier Philipp Hiltbrunner versuchte es ebenfalls. Die Tüftler wollten aber nicht so schnell aufgeben. Sie notierten sich meine Telefonnummer und versprachen, sich in den nächsten Tagen weiter um die Reparatur des Staubsaugers zu kümmern. Hackerspace Uri ist im Industriepark Schächenwald in Altdorf beheimatet. Die Räume befinden sich gegenüber des Personalrestaurants. Bald werde ich ihnen einen Besuch abstatten.

Veranstaltung soll die Menschen sensibilisieren

Das Repair-Café ist auf Initiative des Amts für Umweltschutzes zu Stande gekommen. «Ziel ist es, dass in jedem Kanton der Zentralschweiz mindestens eine solche Aktion stattfindet», erklärte Niklas Joos, Leiter Immissionsschutz beim Amt für Umweltschutz. Die Frage, ob sich eine Reparatur überhaupt lohne, stelle sich insbesondere bei elektronischen Geräten oft. «Der Anlass ist ein Tropfen auf den heissen Stein», sagt Joos. «Es geht in erster Linie darum, die Menschen zu sensibilisieren, dass es oft möglich ist, etwas zu reparieren.» Nach einem guten Start am Morgen liess die Zahl der Besucher ein wenig nach. Schlussendlich wurden rund 30 Gegenstände gebracht. Davon waren rund zwei Drittel technische und elektronische Geräte. Zum Reparieren gebracht wurden Staubsauger, Drucker, Kaffeemaschinen und Nähmaschinen. Weitere Reparaturen konzentrierten sich auf Kleidungsstücke, Velos und Kinderanhänger. Artikel aus Holz wurden nur wenige gebracht. Aber die Jungs vom Holz-Posten rund um alt Landrat Toni Brand haben mit geschicktem Leimen den einen oder anderen Gegenstand repariert.

Etwa zwei Drittel der gebrachten Gegenstände konnten repariert werden. Beim restlichen Drittel war die Reparatur vor Ort nicht möglich. Die Besucher nahmen die defekten Geräte mit, um sie allenfalls anderswo reparieren zu können.

Repair-Café soll bald wieder stattfinden

Auch wenn sich die Veranstalter durchaus noch mehr Leute erhofft hatten: «Es gab viele positive Rückmeldungen, und ich hatte auch den Eindruck, dass es den Menschen beim Reparieren gut gefallen hat», sagt Joos. Er hofft nun, bald ein nächstes Repair-Café durchführen zu können. «Vielleicht lässt sich künftig sogar ein regelmässiges Angebot etablieren.» Die Mitglieder von Hackerspace Uri jedenfalls wären gerne dabei. «Wir möchten regelmässig solche Anlässe durchführen», sagte Walter Planzer.

Das Repair-Café fand zusammen mit dem Energiestadtfest Erstfeld statt. Die Gemeinde Erstfeld und die Gemeindewerke verfolgen ein ehrgeiziges Ziel: die 2000-Watt-Gesellschaft. «Wichtig ist uns, dass wir die Wirtschaft und insbesondere die KMU sowie die Bevölkerung mit einbeziehen können», sagte Walter Marty, Präsident der Energiestadtkommission. So brachte das Fest am Samstag Menschen zusammen und zeigte, wie man Ressourcen effizient nutzen kann.

 

Markus Zwyssig

markus.zwyssig@urnerzeitung.ch


Leserkommentare

Anzeige: