Restaurantbesitzer greift dubiosen Finanzberater an

ALTDORF ⋅ Der Chef der «Pouletburg» in Attinghausen hat in einer Schlägerei einen Finanzberater attackiert. Nun stellt sich heraus: Es geht um Schulden in einem Schenkkreis. Der Fall weckt Erinnerungen an den European Kings Club in den 1990er-Jahren.
12. August 2017, 08:44

Die Meldung der Kantonspolizei Uri war kurz gehalten. Am vergangenen Montag habe es eine Auseinandersetzung in Altdorf gegeben. Dabei sei es zu einem Streit zwischen einem Ehepaar und einem 59-jährigen Urner gekommen, der Ehemann und seine Frau seien verletzt worden (Ausgabe vom Mittwoch).

Hinter der nüchternen Mitteilung steckt Brisantes, wie der «Blick» berichtet. So erzählt Hans Imholz, Chef der «Pouletburg» in Attinghausen, er habe den Angriff ausgeübt, weil der Angegriffene ein Finanzberater sei, der ihn um mehrere zehntausend Franken betrogen habe. Dabei habe ihm Imholz eine «gewischt». Weiter erklärt der 59-Jährige: «Er hat es verdient.» Beim Angriff sei die ebenfalls anwesende Ehefrau des Finanzberaters erschrocken, daraufhin sei sie beim Wegrennen gestolpert und habe sich das Wadenbein gebrochen. Nun läuft gegen Imholz eine Anzeige wegen Körperverletzung.

60000 Franken Gewinn versprochen

Hintergrund von Imholz’ Attacke ist ein Schenkkreis, in den auch er Geld investierte. Der Finanzberater habe 15 000 Franken als erste Zahlung verlangt, wobei er einen Gewinn von rund 60 000 Franken versprach, wenn man zwei neue Leute dazuhole. Zudem gab der Finanzberater anderen potenziellen Kunden Hans Imholz als Referenz an, was diesen wütend machte.

Imholz sei nicht das einzige Opfer. Er kenne mehr als zehn Betroffene, denen der Finanzberater rund 350 000 Franken schulde. Der «Pouletburg»-Chef fordert, dass der Berater verhaftet werde. Er erstatte nun Anzeige gegen ihn. Gegenüber unserer Zeitung führt Hans Imholz aus: «Ich glaube nicht, dass ich das Geld je wiedersehe.» Die Investitionen würden in Altdorf schon seit mehreren Jahren laufen, erklärt er. «Für mich war es wie ein Spiel, aber es artete etwas aus.»

Die Kantonspolizei Uri bestätigt auf Anfrage unserer Zeitung, dass sie vor kurzem einen Hinweis auf mögliche Handlungen gegen das Vermögen erhalten habe. «Insofern haben wir in der Zwischenzeit die Ermittlungen erweitert», erklärt Mediensprecher Gusti Planzer. Ob weitere Personen Geld verloren haben, ist offen: «Zurzeit sind bei uns keine Anzeigen von Personen eingegangen, die um ihr Geld betrogen wurden», teilt Gusti Planzer weiter mit.

 

Matthias Stadler

matthias.stadler@urnerzeitung.ch


Leserkommentare

Anzeige: