Rückkehr von Dieter Kolthoff ist unerwünscht

VERSAMMLUNG ⋅ Arthur Gierak wurde neu in den Kirchenrat der Evangelisch-Reformierten Landeskirche Uri gewählt. Dieter Kolthoff erhielt von den anwesenden Mitgliedern nur wenige Stimmen.
15. November 2017, 07:26

Urs Hanhart

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Die Evangelisch-Reformierte Landeskirche Uri hat schon seit geraumer Zeit mit einem personellen Engpass zu kämpfen. Insbesondere der Kirchenrat fährt mit vier Mitgliedern am untersten Limit. Weil Heinz Schneebeli seine Demission eingereicht hatte, wäre das Gremium auf drei Mitglieder zusammengeschrumpft. Eine geplante Findungskommission kam nicht zu Stande.

Auf ein Anfang September herausgegebenes Schreiben meldeten sich sechs Personen, die an einer Mitarbeit im Kirchenrat Interesse bekundeten. «Wir haben mit allen Gespräche geführt. Dabei zeigte sich, dass einige gerne nur ein kleines Pensum übernehmen würden. Schlussendlich sind zwei Personen übrig geblieben, die sich um eine Stelle im Kirchenrat beworben haben», erklärte Präsidentin Felicitas Schweizer.

Bei den Kandidaten handelte es sich um Arthur Gierak aus Spiringen und Dieter Kolthoff aus Flüelen. Weil beide an der Herbstversammlung vom Montag, die in Altdorf abgehalten wurde, aus verschiedenen Gründen nicht teilnehmen konnten, kam aus der Versammlung der Antrag, die Wahl auf die Frühjahrsversammlung zu verschieben. Dieser wurde jedoch abgelehnt. Eine Mehrheit erachtete es als zu riskant, im nächsten Halbjahr nur mit einem dreiköpfigen Kirchenrat weiterzufahren. Beim Ausfall eines Mitglieds wäre das Gremium nicht mehr beschlussfähig gewesen. Schliesslich wurde nach einer längeren Diskussion eine geheime Wahl durchgeführt.

Kolthoff habe viel Unfrieden gestiftet

Gierak wurde mit 36 Ja-Stimmen (zwei Enthaltungen) glanzvoll zum Nachfolger von Schneebeli gewählt. Kolthoff hingegen, der den Kirchenrat vor der Ära Schweizer präsidiert hatte, schaffte die Wahl nicht. Er erhielt nur 12 Ja-Stimmen. 19 der Anwesenden sprachen sich gegen eine Rückkehr Kolthoffs in den Kirchenrat aus und 7 Mitglieder enthielten sich der Stimme. Kolthoff habe während seiner Amtszeit viel Unfrieden gestiftet, weshalb er nicht wählbar sei – so lautete das Hauptargument der Gegner.

An der Frühjahrsversammlung Ende Mai 2018 finden Gesamterneuerungswahlen statt. Im Hinblick darauf sollen die Bemühungen, weitere Personen zu finden, die im Kirchenrat mitarbeiten wollen, noch deutlich verstärkt werden. Aus der Versammlung wurde insbesondere bemängelt, dass derzeit kein Vertreter aus dem Oberland im Gremium vertreten sei.

Nebst den Wahlen stand das Budget 2018 im Zentrum der Herbst­versammlung. Veranschlagt ist ein kleiner Mehrertrag von 5493 Franken. Auf der Ertragsseite wird mit leicht höheren Steuereinnahmen gerechnet. Diese belaufen sich auf 850 000 Franken und stammen im Wesentlichen von natürlichen Personen. Den Hauptbrocken bei den Ausgaben machen mit 425 000 Franken die Personalkosten aus.

Finanzchef Walter Scherz präsentierte nicht nur das Budget, sondern auch den Finanzplan 2019–2024. Gemäss Investitionsplan sind in den nächsten sieben Jahren Kosten von zirka 880 000 Franken für Renovationen zu erwarten. Im Zusammenhang mit den Immobilien wies Pfarrer Reinhard Eisner darauf hin, dass Bemühungen im Gange seien, enger mit der Römisch-­Katholischen Landeskirche zusammenzuarbeiten. Man sei bestrebt, Synergien vermehrt zu nutzen. Ein diesbezüglicher Anfang sei bereits gemacht.

Anschluss an Wärmeverbund in einem Jahr

Das Kirchgemeindehaus in Altdorf wird noch immer mit einer veralteten Elektroheizung beheizt. Es besteht jedoch eine Absichtserklärung, das Gebäude an den Wärmeverbund der Oeko Energie AG anzuschliessen. Dazu sagte der abtretende Kirchenrat Schneebeli: «Die Oeko Energie AG muss noch Abklärungen treffen mit weiteren Interessenten. Entsprechende Abschlüsse sollen im Verlaufe des nächsten Jahres erfolgen.» Er gehe davon aus, dass der Anschluss des Kirchgemeindehauses im Oktober 2018 erfolge. So sehe jedenfalls der Zeitplan aus. «Eine definitive Zusage liegt aber noch nicht vor», so Schneebeli.

Derzeit ist eine Arbeitsgruppe damit beschäftigt, das Organisationsstatut zu überarbeiten. Hansruedi Huwyler orientierte über den aktuellen Stand. Es sei ein relativ kleiner Wurf mit wenigen fundamentalen Änderungen zu erwarten. Die Neuerungen sollen an der Frühjahrsversammlung präsentiert und beraten werden.

Pfarrer Eisner will Demokratie stärken

Zum Schluss lieferte Pfarrer Eisner einen interessanten Denk­anstoss, um der Personalnot zu begegnen. Ihm schwebt vor, den Verwaltungsapparat zurückzufahren, dafür das Sekretariat auszubauen und künftig viermal jährlich eine Art Landsgemeinde abzuhalten. Damit könne die Basisdemokratie gestärkt werden und das Volk über alle wichtigen Vorhaben direkt entscheiden, so Eisner.


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