Autorin Lisa Elsässer: «Schreiben ist mein Ein und Alles»

LITERATUR ⋅ Lisa Elsässer sagt, weshalb Auszeichnungen für sie wichtig sind, woher sie die Inspirationen nimmt und weshalb sie ganz unterschiedliche literarische Formen verwendet.
12. April 2018, 05:00

Interview: Markus Zwyssig

markus.zwyssig@urnerzeitung.ch

Lisa Elsässer hatte am Mittwochabend allen Grund zur Freude. Die in Walenstadt lebende und in Uri aufgewachsene Autorin erhielt in Stans den mit 20000 Franken dotierten Hauptpreis der Zentralschweizer Literaturförderung.

Lisa Elsässer, was bedeutet diese Auszeichnung für Sie?

Der Preis ist eine Anerkennung für das, was ich schreibe. Er zeigt mir auf, dass ich auf einem Weg bin, den einige Leser mitgehen und nachvollziehen können. Sieben Bücher habe ich inzwischen veröffentlicht. Als nächstes ist ein Band mit Erzählungen geplant.

Bringt Ihnen der Preis Freiheiten für Ihr weiteres schriftstellerisches Arbeiten?

Bei den kleinen oder – besser gesagt – eher stillen Autoren ist es sehr wichtig, dass sie ab und zu auf einen Werkbeitrag zählen dürfen. Es ist sehr schön, ein solches Zeichen zu erhalten. Manchmal ist es schwierig, Alltag und Schreiben in eine kreative Verbindung bringen zu können. Im Alltag wird man immer wieder gerne aus der literarischen Arbeit herausgerissen. Der Preis ermöglicht mir eine Auszeit, in der ich mich in aller Ruhe und Konzentration dem Unfertigen, einem neuen Projekt, zuwenden kann.

Was bedeutet Ihnen das Schreiben?

Das Schreiben ist meine Welt, mein Ein und Alles. Es ist die Freude am Erfinden und die Freude an der Sprache. Oftmals weiss man gar nicht, wohin ein Text geht, gehen will. Das Resultat muss stimmen, mich überzeugen. Schreiben ist Leben.

Ihr literarisches Schaffen ist sehr persönlich gehalten. Wie viel Autobiografisches steckt in Ihren Texten?

Längst nicht alles, was ich schreibe, ist autobiografisch. Der Eindruck entsteht dadurch, weil ich vielfach Erzählungen in der Ich-Form schreibe. Die Leser meinen, es handle sich gerade auch dadurch wirklich um das schreibende Ich. Das ist nicht der Fall. Etwas von mir steckt aber insofern drin, weil ich in diesen Beobachtungen doch auch immer wieder mein eigenes Ich erkenne. Das vermische ich dann mit meinen Fantasien. Das kann zum Beispiel auf einer Zugfahrt sein, bei der ich eine Situation erlebe, die mich sofort anspricht. Ich höre Sätze, sehe Umgangsformen, die mir zum Teil auch einen Spiegel vorsetzen. Wenn ein Ehepaar keift, kommt mir das doch irgendwie sehr vertraut vor (lacht). Auch persönliche Erinnerungen, die mit meiner eigenen, kindlichen Erlebniswelt zu tun hatten, beschrieb ich in einigen Texten. So habe ich eines meiner Bücher «meinem» Schächental gewidmet, das meine Kindheit sehr prägte. Da gibt es Geschichten, die mit meiner eigenen Erlebniswelt zu tun haben, die aber keineswegs als Abbildung aller meiner Erzählungen gelten darf.

Sie schreiben in ganz unterschiedlichen literarischen Formen. Woher rührt diese Vielseitigkeit?

Von Anfang an habe ich mich mit Kurzprosa, Erzählungen und vor allem mit Lyrik befasst. Inzwischen ist auch ein Roman erschienen. Es hat mich immer gereizt, Literatur in verschiedenen Genres zu schreiben. Was ich veröffentliche, muss aber sprachlich und literarisch stimmig sein. Was diesem, meinem Anspruch nicht entspricht, bleibt vorerst in der Schublade und wartet geduldig auf eine Erleuchtung.

Liegen dort noch viele unveröffentlichte Sachen?

Ja. Ich bin froh um dieses Geheimfach. Bei Gedichten zum Beispiel habe ich oft einen inspirierenden Anfang, komme aber irgendwie nicht weiter. Dann lege ich das eine Woche oder auch länger auf die Seite. Wenn es mir dann wieder unter die Augen kommt, erschliessen sich mir oft ganz andere, unerwartete Spuren. Diese Erlebnisse sind mit grossem Glück zu vergleichen.

Arbeiten Sie demnach oft nach dem Grundsatz: «Gut Ding will Weile haben»?

Bei meinem letzten Gedichtband war ich lange dran. Es dauerte sicher zwei Jahre, bis ich alle 70 Gedichte so geschrieben hatte, dass es für mich stimmte. Es ist ja nicht so, dass ich mich Tag und Nacht mit Lyrik und Prosa beschäftige. An meinem Roman habe ich über vier Jahre gearbeitet. Ich bin sehr bemüht, dass Texte inhaltlich und vor allem auch sprachlich stimmen. Es fehlt nicht an Inspiration. Ich bin eine akribische Beobachterin. Die Umsetzung ist dann die schriftstellerische Arbeit, die mich und die Sprache, höchste Konzentration, intensive Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Stoff fordert.

Krimis, Thriller und Lebensweisheiten: Was ist bei den Lesern zurzeit angesagt?

Ich gehöre eher zur stillen Garde. Ich setze mich aber intensiv mit meinen Texten auseinander. Ich wurde schon mehrmals gefragt: «Könntest Du nicht ein bisschen einfacher schreiben?» Aber ich will meine Literatur gar nicht einfacher machen. Ich persönlich habe immer Bücher gelesen, die mich inhaltlich und sprachlich herausgefordert, berührt haben – und das erhoffe, wünsche ich mir auch von meinen Lesern.

Wie schwierig ist es heute, Bücher zu verkaufen?

Die Werbung ist in erster Linie Aufgabe des Verlags. Dieser vertritt mich an Buchmessen und übernimmt die Gespräche mit dem Buchhandel. Ich bin auf ein Stammpublikum angewiesen, das ich mittlerweile auch habe. Meine Bücher kommen so unter die Leute, werden weiterempfohlen oder auch verschenkt. Ein wichtiger Teil der Wahrnehmung sind auch Lesungen. Im vergangenen Herbst las ich in Altdorf. Das Echo war sehr gross, der Saal bis auf den letzten Platz besetzt. Solche Veranstaltungen ermutigen mich, den Markt zu vergessen, und das zu tun, was ich kann, was ich letztlich wirklich will.


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