Schüler engagieren sich gegen Verschwendung

MURI ⋅ In einer interaktiven Lektion haben die Dritt- bis Sechstklässler des Schulhauses Badweiher gelernt, wie man Food Waste entgegenwirken kann. Die Ideen dazu sind aus den eigenen Reihen gekommen.
14. Juni 2017, 08:04

Wussten Sie, dass Brot länger frisch bleibt, wenn man einen Apfel in den gleichen Kasten legt? Die meisten Schülerinnen und Schüler des Schulhauses Badweiher in Muri haben diesen praktischen Tipp bisher wohl nicht gekannt. Doch seit kurzem sind die Dritt- bis Sechstklässler Experten in Sachen Lebensmittelverschwendung und darin, wie man sie vermeiden kann.

Im Rahmen eines Projektes der Schulsozialarbeit haben die Delegierten des Schulparlamentes Badweiher (von jeder Klasse ist ein Schüler vertreten) gemeinsam mit drei Studenten der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit eine Lektion zum Thema Food Waste (englisch für Nahrungsmittelabfälle oder -verluste) auf die Beine gestellt. Sämtliche Klassen konnten die inter­aktive Stunde besuchen – Ziel war es, die Mädchen und Buben für das Thema zu sensibilisieren.

Recycling, Haltbarkeit und Tipps und Tricks

Am vergangenen Freitag fanden die letzten Lektionen statt. Die drei Studierenden Hale Gözen, Jasmina Garibovic und Aleksandar Dolhai haben inzwischen Routine gewonnen im Umgang mit den Primarschülern. Sie erzählten den Sechstklässlern, dass rund ein Drittel aller in der Schweiz produzierten Lebensmittel zwischen Feld und Teller verloren gehe. Und dass unser Land auf der Rangliste der Lebensmittelverschwendung ganz weit oben stehe. Nach den Inputs konnten die Schüler selber aktiv werden. In einem Spiel beantworteten sie zum Beispiel die Frage, ob sie auch schon noch geniessbare Esswaren weggeworfen hätten. Oder ob sie daheim den Abfall trennten und den Eltern beim Kochen hälfen. Es folgte ein Workshop, der die Themen Recycling, Haltbarkeit sowie Tipps und Tricks beinhaltete. Hier erfuhren die Schüler etwa, wie sie aus altem Brot Croûtons herstellen können. Oder wie man durch einen einfachen Kniff im Wasserglas testet, ob ein Ei noch frisch ist. Ausserdem betrachteten sie ein abgelaufenes, aber noch einwandfreies Joghurt – genauso wie ein verschimmeltes. «Am besten verlasst ihr euch einfach auf eure Sinne», betonte Jasmina Garibovic, die den Workshop zum Thema Haltbarkeit leitete. Die kurzweilige Lektion ging schnell vorbei – und den Schülern schien es gefallen zu haben: Bei der Auswertung nämlich pinnten fast alle ein lachendes Smiley an die Plakatwand.

Für die drei Studenten war das Praxisprojekt, an dem sie seit dem letzten Herbst arbeiteten, eine neue und wertvolle Erfahrung. «Wir waren gefordert, da wir vorher noch nie mit Kindern zusammengearbeitet hatten», erzählte Hale Gözen. «Zum Beispiel mussten wir unsere Sprache anpassen und die Lektion, die wir ursprünglich geplant hatten, stark kürzen. Das Projekt war für uns sehr lehrreich.» Den Delegierten des Schulparlaments ging es gleich. «Ich wusste gar nicht, dass so viel Nahrungsmittel weggeworfen werden», sagte eine Schülerin. «Durch das Projekt habe ich von neuen Tricks erfahren, die ich gleich daheim erzählt habe.» Ein anderes Mädchen fügte an: «Das Basteln und Gestalten hat grossen Spass gemacht.» Tatsächlich hatten die Schülervertreter viel Kreativität bewiesen. Der Raum, in dem die Lektion durchgeführt wurde, war geschmückt mit alten PET-Flaschen, die an Schnüren von der Decke hingen, und gefüllten Güselsäcken, von denen Gesichter aus Papier die Besucher anlächelten. «Die Partizipation ist sehr wichtig. Ein Grossteil aller Ideen stammt von den Schülern selbst», sagte Martin Schneider. Er ist der «Vater» des Projekts und Leiter der Schulsozialarbeit Muri. Bereits mehrmals hatte er mit der Hochschule Luzern zusammengearbeitet. «Das Thema Lebensmittelverschwendung wurde Anfang Jahr aktuell, als die Schüler auf dem Pausenplatz Popcorn des Pausenkiosks herumliegen sahen. Das hat sie beschäftigt.» Zum Thema passten die Aktivitäten des Muri-Energie-Forums, das im letzten Jahr den Schwerpunkt «Energie und Ernährung» setzte. Für die Ausstellung im Schulzimmer hatte der Verein einige Plakate zur Verfügung gestellt.

Grosses Teilen am Znüni-Basar

Das Projekt «Food Waste» ist mit der interaktiven Lektion noch nicht abgeschlossen. Am 19. und am 29. Juni organisieren die Verantwortlichen einen Znüni-Basar. «Es geht darum, das Gelernte nun auch umzusetzen», erklärt Martin Schneider. Das Prinzip ist einfach: Schüler, die genügend oder zu viel Znüni dabeihaben, teilen es mit denjenigen, die weniger haben.

 

Rahel Hug

rahel.hug@zugerzeitung.ch


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