«Schwabbels» erobern Altdorf

KUNSTPROJEKT ⋅ Livia Müller setzt auf dem Altdorfer Lehnplatz kleine Roboter in Bewegung. Dies ist eine der Abschlussarbeiten der Hochschule Luzern – Design und Kunst, die in Altdorf gezeigt werden.
14. Juni 2017, 08:35

Markus Zwyssig

markus.zwyssig@urnerzeitung.ch

Sie sehen aus wie übergrosse Einzeller, haben eine Haut aus Plastik und sind mit Wasser als Körperflüssigkeit gefüllt. Rund dreissig solcher Wesen werden ab Freitag den Altdorfer Lehnplatz bevölkern und sich auf dem ganzen Platz ausbreiten. «Wie eine Invasion wird das aussehen», sagt Kunststudentin Livia Müller. Wer zu Fuss oder mit dem Auto unterwegs sei, müsse aufpassen.

«Durch ihre organische Körperform und ihre Kommunikationsfähigkeit mittels technischer Elemente wirken sie wie lebendige Wesen», sagt Müller. Sie nennt sie «Schwabbels». Lange hat die 25-Jährige gezittert, ob sie überhaupt eine Bewilligung für ihr Abschlussprojekt ihrer Ausbildung zum Master Kunst erhält. «Ich war erleichtert, als die Bewilligung vor rund einer Woche eingetroffen ist.»

Die Wesen reagieren auch auf die Passanten

Angetrieben werden die Wesen von Sonnenenergie. Ansonsten sind die kleinen Dinger unabhängig. Weil die grösste Arbeit bei der Elektronik liegt, hat Müller die kleinen Roboter mit Unterstützung und dem Know-how eines Kollegen entworfen. Sie thematisiert mit ihren «Schwabbels» die Vermischung von Technologie und organischen Lebensformen. Zudem stellt sie die Frage, wie gut diese kontrollierbar sind.

«Die Wesen sind mehr oder weniger aktiv», erklärt Müller. Den Bewegungsdrang kann sie individuell steuern. Die «Schwab­bels» sind mit Sensoren ausgestattet, die es erlauben, dass sie auf Bewegungen der Passanten reagieren. Livia Müller überlässt die Wesen auch nicht einfach ihrem Schicksal. Damit sie die Bewilligung erhielt, musste die Buttisholzerin versichern, dass sie die ganze Ausstellungszeit vor Ort anwesend ist. «So kann ich jederzeit eingreifen, wenn etwas nicht nach Plan läuft», erklärt sie. Am Abend werden die «Schwabbels» dann im Zeughaus in Altdorf übernachten.

Den Kanton Uri kannte Livia Müller bisher kaum. Doch inzwischen sagt sie: «Die andere Seite des Vierwaldstättersees ist sehr interessant.» Sie war ein paar Mal in Altdorf und hat sich auf die Kunstaktion gut vorbereitet.

«Die ‹Schwabbels› werden in Altdorf geboren», sagt Livia Müller. Das heisst, sie baut die Wesen vor Ort zusammen. Zurzeit ist Müller mit den ganzen Vorbereitungsarbeiten beschäftigt. Alles muss von Luzern nach Altdorf transportiert werden. Denn schliesslich soll am Freitag alles planmässig funktionieren.

Livia Müller ist gespannt, wie die Menschen in Altdorf auf ihre nicht alltägliche Arbeit reagieren werden. «Die Wesen können sich weiterentwickeln während der Woche», sagt sie. Auch deren Zahl kann wachsen. Die Konfrontation der «Schwabbels» mit den Passanten ist Teil ihrer Arbeit im öffentlichen Raum.

Studenten zeigen Chancen für Altdorf auf

Livia Müller zeigt ihre Arbeit zusammen mit 18 weiteren Absolventinnen und Absolventen des Masters Kunst an der Hochschule Luzern. Die Ausstellung trägt den Titel «tell me» und dauert vom 16. bis 25. Juni. Die Kunststudenten machten sich mit ihren Projekten auf die Suche nach neuen Perspektiven und Szenarien für die Zukunft Altdorfs in Zeiten der Neat. In ihrer Abschlussausstellung zeigen sie, worauf sie gestossen sind.

Sie zeigen auf, dass Veränderung positiv genutzt werden kann. Der wachsende Strom Reisender und Güter durch Altdorf und den Gotthard prägte das Ortsbild, die lokale Architektur und die Kultur der Bevölkerung. Mit der Eröffnung der Neat droht Altdorf nun links liegengelassen zu werden. Die Veränderung bietet auch die Chance, sich als Ort neu zu erfinden.

Hinweis

Am Freitag, 16. Juni, findet mit Start beim Zeughaus Altdorf ab 18 Uhr eine Führung durch einen Teil der Ausstellung statt. Vernissage ist um 19.30 Uhr.


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