Sedrun rückt in Skidistanz

ANDERMATT ⋅ Während sich Wintersportler seit Freitag auf dem Gemsstock vergnügen, wird im Gebiet Nätschen noch emsig an der Anbindung des Skigebiets Sedrun gebaut. Derweil denkt Investor Sawiris bereits weiter.
12. November 2017, 05:00

Raphael Zemp

raphael.zemp@luzernerzeitung.ch

Den ersten Schnee-Hunger haben Wintersportler schon stillen können. Etwa am Gemsstock, wo seit Freitag rund sieben Kilometer Pisten geöffnet sind. «Die Schneeverhältnisse sind sensationell», schwärmt Silvio Schmid, Geschäftsführer der Skiarena Andermatt-Sedrun. Das Wetter bisher weniger, der Besucheransturm hat sich deshalb noch in Grenzen gehalten.

Noch laufen die Bahnen nur am Wochenende inklusive Freitag, ab Dezember schliesslich auch unter der Woche – sofern das Wetter mitspielt. Dann wird voraussichtlich auch das Gebiet Oberalp–Sedrun den Betrieb aufnehmen, während das Gebiet Nätschen sicher noch bis Weihnachten geschlossen bleibt.

Früher Saisonstart auch dank Snowfarming

Diesen frühen Saisonstart möglich gemacht haben neben dem Schneefall der vergangenen Tage vor allem auch die künstliche Beschneiung sowie das Snowfarming – das Übersommern von Schnee. Darin ist Andermatt führend unter den Zentralschweizer Skigebieten. Im vergangenen Frühling sind Teile des Gurschen- und St.-Anna-Gletschers mit je 10000 Quadratmeter grossen Vliesen abgedeckt worden. Rund 50000 Kubikmeter Schnee haben die Andermatter so in den diesjährigen Winter hinüber gerettet – und mehr als die Hälfte davon fürs Pisten-Präparieren verwendet.

Während Ski- und Snowboardfahrer am Gemsstock ihre ersten Kurven im Schnee ziehen, wird im Gebiet Nätschen noch tüchtig gearbeitet. «Bis Weihnachten wollen wir die wichtigsten Arbeiten abschliessen», sagt Schmid und meint damit vor allem den «Gütsch-Express», eine neue Achter-Gondelbahn, die vom Bahnhof Andermatt über die Mittelstation Nätschen direkt auf den Gütsch führt. Gebaut wird aber auch an zwei Sesselliften in Richtung Oberalp. Zusammen mit zwei weiteren neuen Anlagen sorgen sie künftig dafür, dass die Gebiete Nätschen und Sedrun näher zusammenrücken. Und dass durch die zusätzlichen Pisten das grösste Skigebiet der Zentralschweiz entsteht – mit über 120 Pistenkilometern. Spätestens bis zum nächsten Winter sollen laut Schmid sämtliche Verbindungsanlagen fertiggestellt sein. Dann verbinden durchgehend präparierte Pisten die Kantone Uri und Graubünden. Wer vom Gütsch auf den Oberalppass will, muss weder Ski noch Snowboard abschnallen.

Vom Gütsch auf den Oberalppass – per Ski

Dieses Szenario könnte schon in dieser Saison eintreten. Dann, wenn die Sesselanlage auf den Schneehüenerstock noch vor Saisonbeginn fertiggestellt wird, «was aber stark vom Wetter abhängt», sagt Schmid. Eine präparierte Abfahrt vom Schneehüenerstock auf den Oberalppass runter gebe es allerdings noch keine. Zudem ist das Traversieren nur in eine Richtung möglich: Um von Sedrun nach Andermatt zu gelangen, fehlt noch ein Teilstück, die Zehner-Gondel vom Oberalp auf den Schneehüener­stock. Auch diese Anlage befindet sich im Bau.

Sind all diese Projekte fertiggebaut, ist gleichzeitig auch die erste Etappe des 130 Millionen teuren Ausbau- und Modernisierungsprojekts abgeschlossen. Wann die zweite Etappe in Angriff genommen wird, ist laut Schmid hingegen noch unklar. Sie beinhaltet unter anderem den Bau einer Seilbahn von Göschenen auf den Gütsch sowie zwei neue Anlagen am Gemsstock.

Klar hingegen ist, dass die Pläne des ägyptischen Investors Samih Sawiris noch weiterreichen: Er will das Skigebiet Disentis dereinst an die Skiarena Andermatt-Sedrun anbinden, wie er am Montag gegenüber der «Südostschweiz» bekanntgab. Zu den Details schweigt sich Sawiris aber aus – ebenso wie Schmid.


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