Sieben «Urner» Luchse nachgewiesen

KANTON URI ⋅ Ein Monitoring zeigt, dass der Luchsbestand im Gebiet «Zentralschweiz Mitte» in den vergangenen Jahren gestiegen ist. Im Herbst will die Jagdverwaltung Diskussionen führen, wobei auch die Bejagung des Luchs ein Thema sein dürfte.
18. Juli 2017, 05:00

Florian Arnold

florian.arnold@urnerzeitung.ch

Der Luchsbestand ist im Gebiet «Zentralschweiz Mitte» signifikant gestiegen. Dies hat eine Untersuchung mit Fotofallen der Koordinationsstelle für Raubtierökologie und Wildtiermanagement (Kora) ergeben. Allerdings wurde das Referenzgebiet seit den letzten Untersuchungen im Winter 2013/14 neu definiert. Besonders im Kanton Uri wurde es wesentlich erweitert. Insgesamt umfasst das Referenzgebiet Teile der Kantone Obwalden, Nidwalden, Bern und Uri und ist rund 1000 Quadratkilometer gross.

Für die Untersuchungen wurde mit den kantonalen Fachstellen sowie freiwilligen Helfern zusammengearbeitet. Mittels insgesamt 76 Fotofallenstandorten konnten im vergangenen Winter während 60 Nächten 15 ausgewachsene Luchse und ein Jungtier fotografiert werden. Mindestens sieben davon halten sich vorwiegend auf Urner Gebiet auf. Drei Luchse wurden rund um das Maderanertal lokalisiert, vier Luchse westlich der Reuss und des Urnersees. Im Schächental tappte kein Luchs in die Falle.

Neben den sieben «Urner» Luchsen, dürften weitere Tiere das Kantonsgebiet am Rande gestreift haben, welche sich hauptsächlich in Nid- und Obwalden aufhalten. Nicht zum Referenzgebiet gehören das Urserntal, der Urnerboden sowie das Gebiet nördlich des Kinzigpasses. Im Urserntal haben allerdings Private drei Fotofallen gemeldet. Diese haben jedoch keinen Luchs im Urserntal festgehalten.

«Das ist ein grosser Luchsbestand»

«Um gesicherte statistische Aussagen zu machen, sind die Zahlen für den Kanton Uri zu klein», sagt Beat Annen, Vorsteher des Amts für Forst und Jagd Uri. Für das gesamte Referenzgebiet geben die Experten nun eine Luchsdichte von 1,9 ausgewachsenen Luchsen pro 100 Quadratkilometer geeignetem Lebensraum an. «Das ist ein grosser Luchsbestand», so Annen. «Damit ist nun ein Schwellwert erreicht, der eine Diskussion zulässt.»

Im Kanton Uri soll die Luchsdiskussion im Herbst geführt werden. Allfällige Massnahmen könnten allerdings nur in Absprache mit den anderen Kantonen ergriffen werden, die zum selben Kompartiment des Referenzgebiets gehören.

Annen warnt jedoch: «Man kann die Thematik Luchs nicht isoliert betrachten, sonst kippt das ganze System.» Der Amtsvorsteher spricht damit die Waldverjüngung an. «Die Belastung des Wilds auf die Waldverjüngung ist in Uri zurzeit an der obersten tolerierbaren Grenze», sagt Annen. In 25 Prozent der Urner Wälder verjüngen sich wichtige Baumarten zu wenig, weil das Wild die jungen Bäume wegfrisst. «Der Luchs, dessen Beutetiere Rehe und Gämsen sind, ist hier ein wichtiger Regulator. Er hilft mit, dass der Schutzwald funktioniert.» Dies müsse in der möglichen Diskussion berücksichtigt werden, so Annen.

«Genau in diesen Gebieten gehen Bestände zurück»

Der Urner Jägerverein fühlt sich durch den Bericht in seinen Beobachtungen bestätigt. «Das Monitoring zeigt klar, dass es im Kanton Uri zwei Hotspots mit Luchsen gibt», sagt Hanspeter Schuler, Präsident des Urner Jägervereins. «Genau in diesen Gebieten sind die Bestände von Rehen und Gämsen massiv zurückgegangen und sogar gefährdet.» Dies zeige auch die Jagdstatistik.

Der Vereinspräsident betont: «Der Luchs hat seine Berechtigung.» Doch für den Jägerverein sei klar, dass Grossraubtiere künftig reguliert werden sollten. «Wir werden nun den Bericht genau studieren und uns mit der Jagdverwaltung zusammensetzen, um Massnahmen zu diskutieren.» Schuler anerkennt auch die Problematik der Waldverjüngung. «Wir sind aber der Meinung, dass es wir Jäger sein sollten, die wie bis anhin regulativ eingreifen. Denn wir können dies präziser und gezielter tun als der Luchs.»

Auch auf politischer Ebene war der Luchs bisher mehrmals ein Thema. Eine Parlamentarische Empfehlung zur Regulierung des Luchsbestandes von Alois Zurfluh (CVP, Attinghausen) wurde bereits Anfang 2016 überwiesen. «Die Problematik ist schon lange bekannt», sagt Zurfluh. «Die Gäms- und Rehbe­stände gehen weiter und weiter zurück. Das schleckt keine Geiss weg», sagt der Attinghauser Landrat. «Immerhin ist man jetzt zur Einsicht gekommen, dass der Luchsbestand effektiv gestiegen ist.» Bis aber die Massnahmen umgesetzt würden, werde es wohl noch einige Zeit dauern. «Zu lange», wie Zurfluh findet.


Leserkommentare

Anzeige: