Sins und Muri gesichert – Merenschwand zittert

POST ⋅ Die Schweizerische Post gab Beschlüsse für den Kanton Aargau bekannt: Die Stellen zweier Zentrums­gemeinden bleiben vorerst bestehen. Andernorts formiert sich seitens der Politik und des Gewerkschaftsbundes Widerstand.
13. Juni 2017, 04:39

Seit Oktober 2016 baut die Schweizerische Post im ganzen Land massiv Poststellen ab. Nun gibt sie erste Zahlen für den Kanton Aargau bekannt: 45 Filialen sind bis zum Jahr 2020 gesichert, 11 werden momentan bereits durch Postagenturen ersetzt, 32 werden überprüft. ­Geplant ist ausserdem die Einrichtung von 30 neuen Servicepunkten. Die Gemeinden Sins, Muri, Bremgarten, Wohlen und Dottikon dürfen aufatmen. Ihre Poststellen werden vorläufig nicht geschlossen. «Es ist gut, dass unsere Poststelle erhalten bleibt», erklärt der Sinser Gemeindeammann Josef Huwiler erleichtert. «Laut dem Leiter Ewald Leibacher läuft sie gut. Das ist sicher mit ein Grund für den Erhalt. Jetzt warten wir auf die weitere Entwicklung, die Zeit läuft ja schnell.»

Der Gemeindepräsident von Muri, Hans-Peter Budmiger, hat mit einem positiven Bescheid gerechnet. «Als Zentrumsgemeinde der Region haben wir das Szenario einer Poststellenschliessung nicht ernsthaft in Betracht gezogen. Ich habe grosses Verständnis für alle Gemeinden, die für ihre Poststellen kämpfen.» Ein Schliessungsbescheid bedeutet jedoch nicht, dass gar keine Postdienstleistungen mehr angeboten werden. «Mit jeder Gemeinde wird eine Lösung gesucht», betont Oliver Flüeler, Mediensprecher der Post. Im Vordergrund stehen dabei die Einrichtung von Partnerfilialen in lokalen Verkaufsgeschäften, Zugangspunkte für Geschäftskunden, Aufgabe- und Abholstellen sowie die Platzierung von «My Post 24»-Automaten. Bezüglich der 32 nicht garantierten Stellen wird die Post das Gespräch mit den betroffenen Gemeinden in den nächsten Monaten suchen. In der Region Freiamt sind die Dörfer Merenschwand, Niederwil, Rudolfstetten und Oberlunkhofen davon betroffen. In Boswil, Dintikon, Jonen und Oberwil-Lieli arbeitet man bereits an der Umwandlung. Die übrigen angekündigten Transformationen werden bis 2020 umgesetzt sein.

Netzdichte als wichtiger Standortfaktor

Der Regierungsrat erachtet den Service public mit einer hohen Netzdichte an postalischen Angeboten als wichtigen Faktor für den Wirtschaftsstandort Aargau. «Deshalb fordern wir die Schweizerische Post auf, den Dialog mit den Gemeinden über die Poststellen ergebnisoffen zu führen und die Zahl der Schliessungen deutlich zu reduzieren», erklärte Volkswirtschaftsdirektor Urs Hoffmann. Widerstand gegen die Schliessungen kündigten die SP Aargau, die Gewerkschaft Syndicom und der Gewerkschaftsbund an, wie die «Schweiz am Wochenende» berichtete. Gemäss der Zeitung rufen die beiden Gewerkschaften zum Boykott der Gespräche mit der Post auf, bis das neue Postgesetz mit höhe- ren Ansprüchen an den Service public in Kraft tritt. Die SP sammle sogar Unterschriften gegen die Pläne der Post.

Für den Widerstand von Politik und Bevölkerung hat Oliver Flüeler Verständnis. «Liebgewonnene Gewohnheiten ändert man nicht gern. Neue Lösungen erfordern Flexibilität seitens der Kundschaft. Andererseits ist es Fakt, dass die alten Infrastrukturen immer weniger genützt werden.» Stattdessen biete die Post eine ganze Palette neuer Dienstleistungen an, welche via Internet und digitale Technik unabhängig von Ort und Zeit nutzbar seien. «Diese werden immer beliebter.» Die Post sei ein Unternehmen, das in der heutigen Situation 100 bis 200 Millionen Franken Defizit pro Jahr ausweise, so Flüeler. «Das können wir so einfach nicht aufrechterhalten.» Seit dem Jahr 2000 werden 67 Prozent weniger Briefe und 47 Prozent weniger Pakete verschickt sowie 34 Prozent weniger Zahlungen am Schalter getätigt. Den Brief- und den Paketpostdienst können die Partnerfilialen fast vollständig übernehmen, und dies oft bei wesentlich längeren Öffnungszeiten. «Einzig Bargeldeinzahlungen sind aus Sicherheitsgründen und wegen des Geldwäschereigesetzes nicht möglich.» Hier bietet die Post jedoch die Alternative des Hausservices an. «Man bringt ein Schild am Briefkasten an, worauf der Postbote auf seiner Tour klingelt und die Zahlung entgegennimmt», erklärt Flüeler. Schon heute werde dies in 1300 Gemeinden so gehandhabt. «Damit haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht.»

 

Cornelia Bisch

cornelia.bisch@zugerzeitung.ch


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