Stuntmen mit bewegter Geschichte

SCHATTDORF ⋅ Die «Hollywood Stunt & Action Show» ist morgen Sonntag bei der Landi zu sehen. Mike Bauer junior will trotz der Gefahr nicht auf die strahlenden Kinderaugen im Publikum verzichten.
15. Juli 2017, 05:00

Markus Zwyssig

markus.zwyssig@urnerzeitung.ch

Autos, die sich überschlagen. 360-Grad-Drehungen und brennende Reifen. Monstertrucks, die Autos zermalmen. Morgen Sonntag um 11 Uhr können die Urner bei der Landi an der Umfahrungsstrasse 24 in Schattdorf die «Hollywood Stunt & Action Show» erleben, die ein spannendes und feuriges Spektakel verspricht.

«Jeden Sonntagmorgen machen wir eine Show», sagt Mike Bauer junior. Der 32-Jährige ist mit dabei, seit er vier Jahre alt ist. Und auch die Zukunft scheint gesichert. Sein Sohn Luis (5) und seine Tochter Naila (6) werden bereits in die Vorstellungen integriert. «Sie sind schon ganz begeistert von dem, was wir machen», freut sich Bauer.

Ein Teil der Gruppe ist bei Filmarbeiten in Dubai

Die Familie Bauer stammt aus Freiburg im Breisgau. Der Vater, Alfredo Bauer, ist seit 45 Jahren im Geschäft. «Er ist ein Dinosaurier in der Branche», sagt Bauer mit einem Schmunzeln. Vielen Urnern dürfte Alfredo Bauer noch von früher bekannt sein, denn er war damals mit den «Hell Drivers» auch im Kanton Uri unterwegs. Heute gehören insgesamt zwölf Personen zur Stunt- und Action-Gruppe. Sieben bis zehn Personen sind in der Regel an der Show dabei. Drei Akteure sind zurzeit in Dubai mit Filmaufnahmen beschäftigt. Sie übernehmen Stuntszenen für einen neuen Spielfilm. Zurzeit ist die Truppe, die in mehreren Wohnwagen lebt, in Brunnen stationiert. «Das ist wie im Zirkus», sagt Bauer. Nach dem Auftritt in Schattdorf wird die Show am 23. Juli in Brunnen und am 30. Juli in Arth zu sehen sein.

Schon seit Tagen sind überall im Urner Talboden Plakate zu sehen. Monstertrucks und grosse Werbetafeln sollen am Strassenrand zum Besuch der Show animieren. In die augenfällige Werbung vor Ort investiert die Truppe einiges an Zeit und Arbeit. «Schwierig ist es vor allem, immer einen geeigneten Platz zu finden», sagt Mike Bauer. Daher habe man als Termin für die Show den Sonntag festgelegt. Unter der Woche wäre die Platzsuche noch schwieriger. Alte Autos für die Show erhalten die Akteure von den örtlichen Garagen oder auch von Privatpersonen. Die Truppe hat vier Monstertrucks. Wie viele jeweils sonntags zum Einsatz kommen, ist vom Platz abhängig.

Unterwegs ist die Truppe von März bis November. Danach folgt die Winterpause, in der aber bereits wieder die neue Saison vorbereitet wird. «Schnee und Eis verunmöglichen uns, eine Show zu machen», erklärt Bauer. Jetzt tritt die Truppe seit mehreren Jahren in der Schweiz auf. Zuvor war die Show in Schweden, Spanien, Portugal und Griechenland zu sehen.

Crazy Nock Brothers: Termine abgesprochen

«In der Schweiz haben wir zurzeit eigentlich kaum Konkurrenz», sagt Bauer. «Einzig die Crazy Nock Brothers machen ähnliche Sachen.» Mit ihnen spreche man sich aber ab, wo man wann auftrete. Denn die Familie Bauer ist mit der Familie Nock verwandt. Begonnen hat alles mit dem Zirkus Bauer. «Wir gehörten mit Nock und Knie zu den drei grossen Zirkussen der Schweiz», sagt Bauer. «Unser Zirkus war der erste mit gedecktem Zelt.»

Nach dem Zirkus stieg die Familie Bauer jahrelang aufs Hochseil. «Das hatte aber ein Ende, nachdem uns zwei fürchterliche Unfälle passiert sind», so Bauer. «Zwei Menschen unserer Verwandtschaft sind gestorben.» Die Familie entschied, fortan auf dem Boden zu bleiben. Die «Hell Drivers» waren geboren. Sie boten Shows mit Motorrädern und Autos. Inzwischen ist daraus die Stunt- und Actionshow geworden. «Wir machen gestellte Unfälle», sagt Bauer. Gezeigt werde, was passieren könne, wenn man mit 50 Stundenkilometern gegen einen Randstein fahre. Die Folgen können verheerend sein: Das Auto kann sich überschlagen.

Und was hilft bei einem Unfall? «Am meisten nutzen die Sicherheitsgurte», sagt Bauer. «Das ist die Nummer 1, um Menschenleben zu retten.» Auch Airbags würden ihre Wirkung nicht verfehlen. Dazu sei aber zwingend notwendig, dass die Menschen im Auto angegurtet seien.

Applaus und strahlende Kinderaugen spornen an

Bei den Shows ist das Publikum nah dran. «Die Sicherheit der Zuschauer ist uns sehr wichtig», sagt Bauer. In den vergangenen Jahren sei zum Glück auch nie etwas passiert. Die Fahrer selber blieben aber nicht von Unfällen verschont. «Ich habe mir schon etliche Knochen gebrochen», sagt Bauer. Krankenhausbesuche kämen immer wieder vor.

Trotzdem will sich Bauer immer wieder hinters Steuer setzen und waghalsige Stunts machen. «Mein Lohn ist der Applaus des Publikums», sagt er. «Es gibt nichts Schöneres als strahlende Kinderaugen. Das motiviert mich, immer weiterzumachen.»

Hinweis

Die «Hollywood Stunt & Action Show» ist morgen Sonntag, 16. Juli, auf dem Parkplatz bei der Landi in Schattdorf zu sehen. Tickets für die 90-minütige Show sind vor Ort sowie unter der Hotline 076 740 29 13 erhältlich.


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