Uri will Wartegeld zahlen

VERORDNUNG ⋅ Frei praktizierende Hebammen sollen im Kanton Uri eine Bereitschaftsentschädigung erhalten. Diese soll bei 400 respektive 200 Franken liegen.
05. September 2017, 19:44

Markus Zwyssig

markus.zwyssig@urnerzeitung.ch

Die Einführung einer Bereitschaftsentschädigung oder eines so genannten Wartegelds verursacht dem Kanton Kosten von mutmasslich rund 68000 Franken pro Jahr. Rund 80 Prozent der Wöchnerinnen nehmen eine Hebammenbetreuung zu Hause in Anspruch. In Uri sind in den vergangenen Jahren rund 350 Geburten pro Jahr zu verzeichnen. Zudem gibt es pro Jahr ein bis zwei Hausgeburten.

Auslöser für die nun von der Regierung vorgelegte Verordnung war eine Motion, die Toni Moser (SP, Bürglen) am 27. Januar 2016 eingereicht hatte. Darin setzte er sich für die Sicherung der ambulanten Betreuung von Frauen und Neugeborenen daheim ein. Der Regierungsrat wurde aufgefordert, die Situation der frei praktizierenden Hebammen in Uri zu verbessern. Moser verlangte, dass eine Bereitschaftsentschädigung für die Leitung einer Hausgeburt und für die ambulante Wochenbettbetreuung wieder eingeführt wird. Der Landrat folgte der Empfehlung des Regierungsrats und erklärte die Motion am 31. August 2016 als erheblich.

Regierung spricht von «wichtiger Unterstützung»

Unter Bereitschaftsentschädigung oder Wartegeld ist eine Pikettentschädigung zu verstehen, die den Hebammen ausgerichtet werden soll, weil sie für Schwangere ab der 37. Schwangerschaftswoche ständig abrufbar und auch während der Wochenbettpflege – insbesondere während der ersten Tage – in erhöhtem Umfang einsatzbereit sein müssen. Die unmittelbare Verfügbarkeit bei einer Geburt und die zeitnahe Verfügbarkeit beim Erstbesuch nach einer Geburt stelle eine wichtige und notwendige Leistung der Hebamme dar, so die Regierung.

Im Rahmen einer neuen Verordnung soll die künftige Ausgestaltung einer Bereitschaftsentschädigung für die Urner Hebammen geregelt werden. Denn der Bereitschaftsdienst wird von der obligatorischen Krankenpflegeversicherung nicht abgegolten. Mit der neuen Regelung sollen die Urner Hebammen vom Kanton bei einer Hausgeburt oder einer Beleghebammen-Geburt eine pauschale Bereitschaftsentschädigung von 400 Franken und bei einer ambulanten Wochenbettbetreuung von 200 Franken erhalten. «Diese Entschädigung unterstützt und fördert die frei praktizierenden Hebammen in Uri, die ein wichtiger Bestandteil der medizinischen Grundversorgung sind», schreibt die Regierung. «Ohne diese Bereitschaftsentschädigung besteht die Gefahr, dass die ambulante Wochenbettbetreuung durch Hebammen längerfristig in Uri nicht mehr angeboten wird.»

Einführung wird durchwegs begrüsst

In der Vernehmlassung stiess die Einführung einer Bereitschaftsentschädigung für Hebammen auf positives Echo. Alle stimmten einer Einführung zu. Zur Vernehmlassung waren die Einwohnergemeinden, die politischen Parteien, die Sektion Zentralschweiz des Schweizerischen Hebammenverbands, das Kantonsspital Uri und sowie die beiden Krankenversicherungsverbände eingeladen. Es gingen insgesamt 25 Stellungnahmen ein. Die Regelung über die Bereitschaftsentschädigung für Hebammen soll auf den 1. Januar 2018 in Kraft treten.

Hinweis

Der Landrat wird die Verordnung über die Bereitschaftsentschädigung für Hebammen in einer der nächsten Sessionen beraten.


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