Urner Hebammen erhalten wieder Wartegeld

LANDRAT ⋅ Ab 2018 bekommen frei praktizierende Hebammen wieder eine Bereitschaftsentschädigung zwischen 200 und 400 Franken. Der Landrat hat eine entsprechenden Verordnung einstimmig gutgeheissen.
Aktualisiert: 
16.11.2017, 08:00
15. November 2017, 09:24

Rund 350 Geburten sind jährlich im Kanton Uri zu verzeichnen. 80 Prozent der Frauen nehmen nach der Geburt eine Hebammenbetreuung zu Hause in Anspruch, ein- bis zweimal jährlich kommt es zu einer Hausgeburt.

Von 1973 bis 2008 wurden Hebammen in Uri von der öffentlichen Hand unterstützt. Die Verordnung über das Hebammenwesen verpflichtete die Urner Gemeinden, so genannte Gemein- de­hebammen anzustellen und ihnen ein Wartegeld auszubezahlen. Darunter ist eine Art Pikettentschädigung zu verstehen, die den Hebammen ausgerichtet wird, weil sie für Schwangere ab der 37. Schwangerschaftswoche ständig abrufbar und auch während der Wochenbettpflege in erhöhten Masse einsatzbereit sein müssen. Der Kanton bezahlte den Gemeinden die Hälfte der Kosten zurück. Mit der Revision des Gesundheitsgesetzes 2008 wurde die Regelung gestrichen.

Am 27. Januar 2016 reichte Toni Moser (SP, Bürglen) eine Motion zur Sicherung der ambulanten Betreuung von Frauen und Neugeborenen daheim ein – mit der Forderung, wieder eine Bereitschaftsentschädigung einzuführen. Der Landrat erklärte die Motion als erheblich, woraufhin der Regierungsrat eine Verordnung ausarbeitete, die folgende Regelung vorsieht: Urner Hebammen sollen vom Kanton bei einer Hausgeburt oder einer Beleghebammen-Geburt 400 Franken, bei einer ambulanten Wochenbettbetreuung 200 Franken erhalten. Daraus entstehen dem Kanton Kosten von mutmasslich rund 68000 Franken pro Jahr.

Bereits in der Vernehmlassung war die Einführung einer Bereitschaftsentschädigung für Hebammen auf positives Echo gestossen. Dies setzte sich auch gestern im Urner Landrat fort. Sämtliche Fraktionen sprachen sich für die Annahme der Verordnung aus. Schliesslich wurde sie einstimmig genehmigt.

Pragmatische Lösung eines Systemfehlers

Dabei gab es durchaus auch kritische Voten im Rat. Eigentlich, so waren sich alle Fraktionen einig, müssten die Krankenkassen die frei praktizierenden Hebammen unterstützen und nicht der Kanton. Schliesslich könne durch den Einsatz von frei praktizierenden Hebammen die Dauer des Spitalaufenthalts einer Wöchnerin reduziert werden, was nachweislich tiefere Kosten für die Krankenkassen mit sich ziehe.

Der Einwand sei grundsätzlich richtig, aber weltfremd, hielt Toni Moser fest. «Darauf, dass die Krankenkassen die Bereitschaftsentschädigung übernehmen werden, kann man bis zum Sankt-Nimmerleinstag warten.» Seit 2008 warte man auf eine Tariflösung, geschehen sei nichts, und es werde sich auch in den nächsten Jahren nichts diesbezüglich tun. Also müsse man seitens der öffentlichen Hand eine Lösung bieten, «auch wenn dies nicht ganz systemkonform erscheint», so Moser. Kurt Gisler (CVP, Altdorf) sprach im Bezug auf die Tarifverhandlungen zwischen dem Schweizerischen Hebammenverband und den Krankenversicherern gar von einer «Katastrophe». Um diesen Systemfehler zu lösen, sei die Politik gefordert – allerdings auf nationaler Ebene.

Weil die «richtige Finanzierung» über die Krankenkassen kurzfristig nicht möglich sei, biete die CVP-Fraktion gerne Hand für eine pragmatische Lösung mit der vorgeschlagenen Verordnung. «Wir sehen dies als sozialpolitische Massnahme.» Es wäre falsch, den Systemkonflikt auf dem Buckel der Hebammen auszutragen. «Sie haben die Bereitschaftsentschädigung nämlich ohne Zweifel verdient», so Gisler.

Carmen Epp

carmen.epp@urnerzeitung.ch

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