Wallfahrer lösen Bau eines Nobelhotels aus

SEELISBERG ⋅ Am Fest Mariä Himmelfahrt pilgern seit Jahrhunderten Gläubige zur Kapelle Maria Sonnenberg. Diese Wallfahrten waren mit ein Grund, dass Seelisberg zum Tourismusort wurde.
11. August 2017, 08:00

Wenn am kommenden Dienstag Wallfahrer aus nah und fern zur Kapelle Maria Sonnenberg in Seelisberg pilgern, bauen sie auf einer Tradition auf, die bereits im 16. Jahrhundert begonnen hat. Nachdem – nach der Überlieferung – ein Hirtenbube die hölzerne Marienstatue gefunden hatte, wurde diese zur Anbetung in einer Gebetsnische aufgestellt.

Im Jahr 1589 gab es bereits eine erste Kapelle, um den vielen Wallfahrern einen Gebetsraum zu bieten. Diese Kapelle wurde aber bald zu klein, sodass im Jahr 1666 die heutige Kapelle errichtet wurde. In Fronarbeit brachten die Seelisberger das Baumaterial aus dem ganzen Dorf zum «Sonnwald über dem Rütli». Mit diesem meist unbearbeiteten Material entstand in kurzer Zeit die heutige Wallfahrtskapelle, die bis heute Bestand hat.

Aus der Pilgergaststätte wird ein Nobelhotel

Um den vielen Kapellenbesuchern aus ganz Europa eine Übernachtung ermöglichen zu können, boten viele Seelisberger den Wallfahrern ihre Zimmer an, während sie selber im Stall oder im Keller schliefen. Bald entstand eine erste Pilgerstätte unmittelbar bei der Kapelle Maria Sonnenberg. Im Jahr 1852 übernahm der spätere Urner Regierungsrat Michael Truttmann im Alter von gerade einmal 19 Jahren diese Pilgerstätte, baute sie aus und ersetzte diese später durch einen Neubau. Mit diesem neuen Steinhaus legte der junge Seelisberger die Basis für eine touristische Hochblüte in Seelisberg, welche das Dorf um 1900 zu einem der bekanntesten Treffpunkte der vornehmen Herrschaften aus ganz Europa machte.

1874 liess dann Michael Truttmann nach Plänen des Berner Architekten Davinet das heutige Grandhotel Sonnenberg direkt neben der Kapelle Sonnenberg mit Platz für 500 Gäste erbauen. Dass auch zu dieser Zeit die Wallfahrt eine wichtige Bedeutung für die Hotellerie hatte, belegt der Antrag von Truttmann an die Kirchgemeindeversammlung von 1900, die Wallfahrtskapelle zu vergrössern, um mehr Gäste in seinem Hotel begrüssen zu können. In dieser Zeit berichtet der damalige Pfarrer Anton Furrer, dass am Fest von Mariä Himmelfahrt so viele Wallfahrer nach Seelisberg gekommen seien, dass nicht allen ein Bett im Dorf habe angeboten werden können. Einige der Besucher mussten deshalb im Wald übernachten.

Wallfahrtstag und stille Wallfahrt

Die jahrein, jahraus zahlreich brennenden Kerzen in der Kapelle Maria Sonnenberg bezeugen, dass die Wallfahrtskapelle noch heute viel besucht wird. Am kommenden Dienstag, 15. August, ist wieder der offizielle Wallfahrtstag in Seelisberg. Wenn auch heute kein Problem mehr wegen genügend Übernachtungsmöglichkeit besteht, so besuchen doch bis heute zahlreiche Wallfahrer den Festgottesdienst am Morgen um 10.30 Uhr sowie die Marienfeier am Nachmittag um 14 Uhr bei der Kapelle Maria Sonnenberg. Auch die ehemalige Pilgergaststätte und das einst nur vornehmen Herrschaften vorbehaltene Grandhotel Sonnenberg sind noch immer da. (NC)


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