Wenn Kunst und Raum im Dialog stehen

ALTDORF ⋅ In der Kapelle des ehemaligen Fremdenspitals wird im Rahmen einer Ausstellungsreihe Kunst gezeigt. Derzeit präsentiert die Urner Künstlerin Anita Regli ein spezielles Labyrinth.
16. April 2018, 07:45

Die Installationen von Anita Regli greifen die architektonischen Gegebenheiten des Sakralraumes auf und eröffnen einen Dialog zwischen Kunst und Raum. Beim Betreten der Kapelle steht der Betrachter vor einer zwei Meter hohen weissen Holzwand. Diese zwingt nach rechts oder nach links zu gehen, um hinter die Wand zu blicken. Wird der Weg auf der rechten Seite gewählt, was meist der Fall ist, so laufen die Betrachter einen Rundweg, bis fast zum Ausgang, kurz davor wird eine Öffnung ersichtlich, die einlädt, ins Innere der Installation zu gehen. Nach fünf Ecken landet man überraschenderweise vor einem Spiegel.

Die begehbare Installation gründet auf einem Element, das mittelalterlichen Kathedralen entspringt: das Fussbodenlabyrinth. Ehemals symbolisierten solche Labyrinthe die Pilgerfahrt nach Jerusalem. Wer ein Labyrinth abläuft, so hiess es früher, gelange zur Erlösung und Selbsterkenntnis. Wenn Menschen lange Pilgerwege ablaufen, um sich selber zu finden, so ist in diesem Labyrinth lediglich ein kurzer Weg zu gehen, bis man auf das unerwartete Spiegelbild trifft. Durch die Reflexion einiger architektonischer Elemente im Spiegel schweift der Blick schliesslich auch vom Spiegelbild nach oben und in alle Richtungen, um sich im Raum zu orientieren und ihn zu erforschen.

Die Künstlerin hat bereits Preise gewonnen

Die 40-jährige Anita Regli ist in Luzern geboren, lebt und arbeitet in Altdorf. Sie studierte Bildende Kunst an der Hochschule für Design und Kunst Luzern und an der Universität der Künste in Berlin. Dort besuchte sie die Klasse der Künstlerin und Professorin Leiko Ikemura, bei der sie nach ihrem Diplomabschluss 2012 während eines Jahres Meisterschülerin war.

Anita Reglis fotografische Arbeiten wurden 2011 mit einem Projektbeitrag der Danioth-Stiftung Uri und 2012 mit dem IBB-Preis für Fotografie in Berlin ausgezeichnet. Die Laudatio hielt Angela Nyffeler, sie bedankte sich bei der Schreinerei Ziegler AG Altdorf für die perfekte Realisierung der Installation.

 

Georg Epp

redaktion@urnerzeitung.ch


Hinweis

Die Ausstellung ist bis zum 13. Mai 2018 am Samstag und Sonntag jeweils von 13 bis 17 Uhr geöffnet.


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