Whatsalp-Wanderer: «Wir müssen den Verkehr eindämmen»

ERSTFELD ⋅ Die Gruppe Whatsalp will auf ihrer viermonatigen Alpendurchquerung von Wien bis Nizza auf die Umweltprobleme aufmerksam machen. Gestern traf sich die Wandergruppe mit Mitgliedern des Vereins Alpen-Initiative im Schwerverkehrszentrum.
08. August 2017, 07:58

Paul Gwerder

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Am 3. Juni startete die Gruppe Whatsalp in Wien zu ihrer viermonatigen Alpendurchquerung bis nach Nizza. Dabei werden sie zu Fuss 1800 Kilometer zurücklegen. «Wir wollen mit dieser Wanderung den aktuellen Zustand und den Wandel der Alpenregionen dokumentieren», erklärte Gerhard Stüzlinger, Mitglied der vierköpfigen Kerngruppe. Die Wandergruppe folgt weitgehend der Route, die sie unter dem Namen «Transalpedes» bereits vor 25 Jahren unternommen hat.

Gestern machten die Wanderer und ihre Begleiter einen Zwischenhalt in Hospental. Diesen Tag nutzten sie, um mit ihren Freunden der Alpen-Initiative das Schwerverkehrszentrum in Erstfeld zu besichtigen. «Wir haben dieses Treffen schon vor 25 Jahren hier im Kanton Uri organisiert», sagte Lucia Lauener-Zwyer, Geschäftsleiterin der Alpen-Initiative. Sie unterstützt das Anliegen, denn die Gruppe Whats­alp zeige auf, was sich in den letzten Jahren in den Alpen verändert habe und was für Probleme noch auf uns zukommen würden.

«Das grösste Problem ist der motorisierte Verkehr»

«Im Vergleich zu heute gab es vor 25 Jahren viele Widerstandsgruppen, welche sich gegen Grossprojekte wie Strassen, Stauseen oder überrissene Tourismusprojekte gewehrt und damit teilweise auch Erfolge erzielt haben», erinnerte Dominik Siegrist, Mitglied der Kerngruppe. «Heute erlebe ich vermehrt, dass sich viele Leute für die gesunde Alpenwelt engagieren.» Dies sei ein gutes Zeichen für Siegrist. «Positiv habe ich in den letzten Tagen bei meiner Wanderung durch die Schweiz feststellen können, dass die Landwirtschaft auf eindrückliche Art und Weise viel zum schönen Landschaftsbild beigetragen hat.»

Für Siegrist hat die Politik den Klimawandel nicht im Griff. Die Folgen davon sind Naturkatastrophen in Berggebieten und gesundheitliche Probleme bei der Menschheit. «Das grösste Problem ist der motorisierte Verkehr. Deshalb fordern wir schon lange, dass die Menschen auf den öffentlichen Verkehr umsteigen sollen und die Güter auf die Bahn gehören», sagte Siegrist. Eine Lösung wäre, wenn nur noch Elektrofahrzeuge zugelassen würden, aber dadurch nimmt der Stromverbrauch um rund 20 Prozent zu, und genau diesen Strom hat das Land noch nicht.

«Grundsätzlich ist die Schweiz ein Vorbild, denn schon heute werden 70 Prozent der Güter auf der Schiene transportiert, in Österreich sind es gerademal 30 Prozent», sagte der Österreicher Gerhard Stüzlinger. «Trotzdem liegt heute noch vieles im Argen, und wir müssen den Verkehr eindämmen», forderte er. «Wir sollten dringend das Gespräch mit der Wirtschaft suchen, damit in Zukunft der sinnlose Verkehr durch die Alpen verhindert werden kann.»

Appell an Bundesrätin Doris Leuthard

Die Alpen-Initiative zeigt sich erfreut, dass im vergangenen Jahr erstmals weniger als eine Million Lastwagen die Schweizer Alpen durchquert haben. «Dies ist ein erster Schritt in die richtige Richtung, aber wir werden nicht lockerlassen, bis das Ziel von maximal 650 000 Lastwagen pro Jahr erreicht ist», so Lucia Lauener-Zwyer. Grundsätzlich verlangt die Alpen-Initiative, dass der Gütertransitverkehr von Grenze zu Grenze auf die Schiene gehört.

Lastwagenkontrollen sind ein wichtiges Element der Verkehrspolitik, und sie sorgen für sichere Strassen und einen besseren Schutz der Alpen. Der Verein Alpen-Initiative sammelte im Schwerverkehrszentrum Unterschriften für einen Aufruf an Bundesrätin Doris Leuthard. Darin wird die Bundesrätin aufgefordert, das Kontrollnetz für Lastwagen auszubauen, die Realisierung des Kontrollzentrums im Tessin voranzutreiben sowie Massnahmen gegen die Manipulationen an den Abgasanlagen zu treffen.


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