Zum Verkauf: Haus aus purer Natur

URI ⋅ Isolationsmatten aus Hanf und Verputz aus Lehm: Seit sechs Jahren baut der 34-jährige Schreiner Lukas Gwerder an seinem Naturhaus in Seelisberg. Nun muss er sein «Experiment» verkaufen.
15. Juli 2017, 19:48

Elias Bricker

elias.bricker@urnerzeitung.ch

In Seelisberg steht ein spezielles Haus zum Verkauf – ein sogenanntes Naturhaus. Kaufpreis: 1,35 Millionen Franken.

Hinter dem Projekt steht der 34-jährige Lukas Gwerder aus Schwyz. Der Schreiner erklärt, dass das Gebäude zu 99 Prozent aus abbaubaren Naturmaterialien bestehe – vorwiegend aus Holz. «Das Projekt war ein riesiges Experiment», sagt Gwerder. «Ich wollte ein ganzheitlich ökologisches Haus ohne jeglichen Sondermüll bauen.»

Auf die Wünsche der Käufer eingehen

2011 hat Gwerder mit dem Bau begonnen. Doch noch immer ist das Haus im Innenausbau nicht ganz fertig. Rund drei bis vier Monate Arbeit benötigt der Schreiner laut eigener Aussage noch für die letzten Arbeiten. So kann er nun im Innenausbau gar noch auf Wünsche der Käufer eingehen. Denn Gwerder hat beim Bau fast alles selber gemacht – vom Fundament bis zum Dach. Teilweise konnte er aber auch auf die Hilfe von Eltern und Freunden zählen. Die Zusammenarbeit mit einem Architekten ist gescheitert, und kaum ein Bauunternehmer wollte die Natursteinmauer bauen, auf der das Haus steht. Weil es kaum Vergleichsobjekte gibt, wollte sich niemand auf ein solches Experiment einlassen und dafür eine allfällige Haftung übernehmen.

Allein die Wahl der Baumaterialien ist speziell: Die Fassade des Holzhauses ist statt aus Eternitplatten aus Holzschindeln. Das Dach besteht aus Schiefersteinen. Das Fundament und den Naturkeller hat der 34-Jährige mit Steinen gemauert, die er auf der zum Haus gehörigen Wiese fand. Die Innenwände hat er zum Teil mit Lehm verputzt. Zudem hat er mit Hanffasermatten isoliert, und auf die Aussenwände trug er zum Teil einen Hanf-Kalk-Isolationsputz auf. «Das tönt jetzt vielleicht ein bisschen schräg», sagt Gwerder. «Doch diese Materialien waren früher durchaus üblich.» Zudem seien sie sehr langlebig und resistent gegen Feuchtigkeit und Schädlinge. «Ich wollte nicht mit Dampfbremsfolien arbeiten», so der Schreiner. «Irgendwann wird das Material spröde.» Zudem dichte dies die Räume für ihn zu luftdicht ab. «Die Luft riecht dann wie abgestanden», so Gwerder. «Lebensqualität und gute Luftqualität in der eigenen Haushülle stelle ich mir anders vor.»

Es gibt kaum gerade Kanten im Haus

Das Haus ist aber nicht nur durch die Materialwahl speziell, sondern auch durch seine Formen. Im ganzen Haus gibt es kaum gerade Kanten. Und sämtliche Winkel sind grösser als 90 Grad. «Dadurch kann die Luft im Haus besser zirkulieren», weiss Gwerder. «Denn in vielen Häusern beginnt es in den Ecken zu schimmeln, weil gerade dort die Luftzirkulation oft unausreichend ist.» Zudem sind im Haus alle Decken leicht gewölbt. «Teilweise merkt man das kaum», sagt Gwerder. «Doch man hat in den Zimmern ein angenehmes Raumgefühl.» Und dadurch, dass es keine Parallelwände gibt, schallt es im Haus auch kaum. Weiter hat der Schreiner alle Stromkabel gegen Strahlungen abgeschirmt. «Ich weiss, Strahlungen gibt es heute überall. Da mache ich mir keine Illusionen», sagt Gwerder. «Doch wenigstens in den eigenen Wänden kann man ja die Strahlungen auf ein Minimum reduzieren. Denn es gibt viele Leute, die auf Elektrosmog anfällig reagieren.» Geheizt wird das Haus mit einer Luft-Wasser-Wärmepumpe mit Speicher. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, mit einem Holzofen aus Ton in der Stube zu heizen, der durch ein ausgeklügeltes Kaminsystem das ganze Haus erwärmen kann.

Gwerder hatte schon immer ein Flair für Naturmaterialien. Bereits in der Schreinerlehre arbeitete er lieber mit ­Massivholz als mit verleimten Spanplatten. Nach der Lehre wechselte er mehrmals die Stelle, weil überall, wo er war, nach seinem Befinden zu wenig mit natürlichen Materialien gearbeitet wurde. Glücklich wurde er nirgends für längere Zeit. Deshalb nahm er sich vor sieben Jahren eine Auszeit. Doch innert weniger Wochen wurde er mit Aufträgen von Bekannten überrollt, die gehört hatten, dass er mit Massivholz arbeiten wolle. So wurde er praktisch über Nacht zum Unternehmer. Die Werkstatt in der Garage seiner Eltern wurde zu klein, er mietete ein grösseres Lokal im Grund in Schwyz, wo er eine Naturschreinerei führt.

Im Mai 2013 zog Lukas Gwerder mit seiner damaligen Frau und seinen zwei Kindern trotz Baustelle im Naturhaus ein. «Wir haben das Haus nun auf Herz und Nieren getestet», sagt Gwerder. «Und ich muss sagen, das Experiment Naturhaus ist besser herausgekommen, als ich gedacht habe.» Dennoch will Gwerder das Haus nun verkaufen. In der Zwischenzeit ist einerseits seine Beziehung auseinandergegangen. Andererseits hat der Bau finanziell andere Dimensionen angenommen als ursprünglich berechnet. Doch obwohl er viel Energie in den Hausbau gesteckt hat, kann er nun gut loslassen. «Ich betrachte das Naturhaus jetzt als Auftragsarbeit», sagt er. «Ich habe dabei viel gelernt und umgesetzt, was mir auch weiterhin in meinem Job nützlich ist. Und wenn ich will, kann ich ja später wieder einmal ein Haus für mich planen. Ich würde es ganz sicher wieder in dieser Art bauen.»

Bauexperten kommen zu ihm zum Probewohnen

Das Naturhaus stösst nach wie vor auf grosses Interesse. Unzählige Besichtigungen für neugie­rige Baufachleute hat Gwerder in den vergangenen Jahren durchgeführt. Mehrere seien sogar einige Tage zum Probewohnen vorbeigekommen. «Ein Abgänger des ETH-Architekturstudiums meinte gar, er habe bei der Hausführung mehr gelernt als in den meisten Vorlesungen.»

Hinweis

Mehr Infos zum Haus gibt es unter: www.naturschreinerei.ch

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Der 34-jährige Seelisberger baut seit sechs Jahren an seinem Naturhaus. Nun steht dieses zum Verkauf.


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