Zwei Urner bewachen den Papst

VATIKAN ⋅ Tobias Renner aus Erstfeld und Sandro Siegrist aus Silenen haben die RS bei der Schweizergarde beendet. Obwohl sie Arbeitskollegen waren, wussten sie nicht voneinander, dass sie nach Rom gehen.
06. Dezember 2017, 05:00

Elias Bricker

elias.bricker@urnerzeitung.ch

Nun gilt es ernst: Der 21-jährige Sandro Siegrist aus Silenen und der 25-jährige Tobias Renner aus Erstfeld haben sich verpflichtet, zwei Jahre lang in der Schweizergarde im Vatikan zu dienen und dort den Papst zu beschützen. Seit Oktober sind die beiden Urner im Dienst.

Am vergangenen Donnerstag haben sie ihre zweimonatige Rekrutenschule abgeschlossen, und am Freitag hatten die beiden ihren ersten offiziellen Arbeitstag in Rom. Zum Auftakt mussten sie gleich Schildwache stehen – zwei Stunden mit der Hellebarde stillstehen. «Nun schmerzt meine Schulter schon ein bisschen», sagt Siegrist. Und Hellebardier Renner ergänzt: «Die Schildwache fordert uns auch mental. Zudem ist für uns alles ganz neu.»

Anwärter müssen zum psychologischen Test

Mit dem Einsatz für den Papst geht für die beiden Urner ein Traum in Erfüllung. «Ich war 2010 auf der Ministrantenreise zum ersten Mal in Rom», sagt Renner, der bisher auch bei der Pfadi und der Guggenmusik aktiv war. «Seither war ich Feuer und Flamme für die Garde.» Seinem Kollegen ging es ähnlich. «Seit ich ein Kind war, faszinierte mich die Schweizergarde.» Deshalb nahm Siegrist 2014 auch an einer Schnupperwoche für potenzielle Schweizergardisten teil (siehe Hinweis). «Mir gefiel es auf Anhieb sehr gut.»

Bevor Siegrist und Renner aber zur Rekrutenschule im Vatikan einrücken durften, wurden sie auf Herz und Nieren geprüft. Immerhin verpflichten sich Gardisten jeweils für mindestens zwei Jahre. Erst bewarben sie sich schriftlich bei der Informations- und Rekrutierungsstelle in Glarus. Danach folgten Gespräche mit dem Rekrutierungschef sowie psychologische und Intelligenztests. Weiter gab es Gespräche mit dem Gardekommandanten und dem Gardekaplan. Zudem mussten sie auch einen Strafregisterauszug vorlegen. Die Garde verpflichtet nur Männer, die einen guten Leumund haben. Wer den Papst beschützen will, muss zudem Schweizer Bürger, römisch-katholisch, ledig, mindestens 1,74 Meter gross sowie zwischen 19 und 30 Jahre alt sein. Zudem muss man die Rekrutenschule in der Schweizer Armee absolviert haben sowie eine Berufslehre oder die Matura.

Die Urner Hellebardiere bezeichnen sich zudem beide als gläubig – eine weitere Grundvoraussetzung für den Dienst am Petersdom. «Ich ging auch zu Hause regelmässig in die Kirche, wenn auch nicht gerade jeden Sonntag», sagt Siegrist. Und Renner ergänzt: «Ich bete zudem regelmässig den Rosenkranz.»

Tessiner Polizisten bilden die Rekruten aus

Sandro Siegrist und Tobias Renner kannten sich bereits vor ihrem Dienst. Die beiden arbeiteten einst zusammen bei der Dätwyler AG in Schattdorf. Siegrist war dort Polymechaniker, Renner Elektriker. Dennoch, man glaubt es kaum, wussten die beiden nicht voneinander, dass sie sich für die Garde verpflichtet haben. «Das war purer Zufall», sagt Siegrist. «Ich erfuhr erst durch einen Arbeitskollegen, dass Renner auch nach Rom geht. Als ich dies erfahren habe, musste ich ihn gleich anrufen.» Anfang Oktober sind die beiden Urner dann gemeinsam mit elf anderen Rekruten in der Kaserne in Rom eingerückt. Auf die dreiwöchige Grundausbildung im ­Vatikan folgte ein vierwöchiger Aufenthalt in Isone. Dort wurden die angehenden Gardisten von der Kantonspolizei Tessin für ihre künftigen Sicherheitsaufgaben geschult. Der letzte Teil der Ausbildung fand dann wiederum im Vatikan statt. Gleichzeitig büffeln der Silener und der Erstfelder nun fleissig die Sprache. «Ich hatte zwar zwei Jahre Italienisch in der Primarschule», sagt Renner. «Doch das war damals nicht gerade mein Lieblingsfach. Doch hier in Rom muss man die Sprache einfach können.»

Silener wollen bei der Vereidigung dabei sein

Tobias Renner und Sandro Siegrist freuen sich nun auf die bevorstehende Zeit und die gute Kameradschaft bei der Truppe. «Ich denke, dass gerade die bevor­stehende Weihnachtszeit äusserst speziell wird für uns Gardisten», sagt Renner.

Höhepunkt ihres mindestens zweijährigen Dienstes dürfte aber ihre Vereidigung am «Sacco di Roma» am 6. Mai 2018 sein. Dort werden die beiden schwören, dass sie im Notfall auch das Leben für Papst Franziskus lassen würden. An diesem Anlass dürften auch viele Verwandte und Bekannte der Urner Hellebardiere anwesend sein. Zudem führt die Pfarreireise der Kirchgemeinde Silenen nach Rom. Diese ist extra so terminiert, dass die Silener die Vereidigung von Sandro Siegrist vor Ort miterleben können.

Die Gemeinde Silenen und die Geschichte der Garde sind zudem eng miteinander verknüpft. Schliesslich war ein gewisser Kaspar von Silenen von 1506 bis 1517 der allererste Kommandant der Schweizergarde.

Dass gleich zwei Urner im Vatikan Dienst leisten, ist inzwischen äusserst selten. Der bisher letzte Schweizergardist aus dem Kanton Uri war der Seedorfer Tobias Arnold, der im vergangenen Februar seine zweijährige Dienstzeit beendete. Zuvor, 2010 bis 2012, verbrachte auch Bernhard Fedier junior aus Amsteg einige Zeit als Gardist im Vatikan.

Hinweis

Jedes Jahr im Oktober findet im Vatikan bei der Schweizergarde eine Schnupperwoche für interessierte Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren statt. Informationen dazu gibt es bei der Informations- und Rekrutierungsstelle der Schweizergarde in Glarus (Mail: irs@gsp.va) oder online unter www.schweizergarde.va.


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