Zweitwohnungen bringen Millionen

URI ⋅ Die Behörden haben eine Befragung bezüglich Zweitwohnungen durchgeführt. Die Resultate zeigen nun, dass rund 21,3 Millionen Franken pro Jahr in Zweitwohnungen im Kanton Uri investiert werden. Davon profitieren vor allem regionale Unternehmen.
11. Oktober 2017, 10:44

Matthias Stadler

matthias.stadler@urnerzeitung.ch

Sie sind ein Zankapfel in der nationalen Politik: die Zweitwohnungen. Nach einem heftigen Abstimmungskampf wurde die Initiative zur Beschränkung des Zweitwohnungsbaus 2012 mit 50,6 Prozent angenommen. Danach folgten jahrelange Diskussionen um die Umsetzung.

Auch heute machen die häufig unbewohnten Häuser in regelmässigen Abständen Schlagzeilen. So etwa gestern wieder, als der «Tages-Anzeiger» über «Tricksereien» bei Zweitwohnungen berichtete. So würden manche Gemeinden den Anteil von Ferienwohnungen senken, damit sie wieder Spielraum für neue Wohnungen hätten.

Läden und Restaurants profitieren ebenfalls

Nun haben das Bundesamt für Raumentwicklung ARE und die Urner Justizdirektion eine Umfrage veröffentlicht, in welcher Eigentümer von Zweitwohnungen befragt wurden. Zweck war, wirtschaftliche Indikatoren zu erheben. Die Befragung zeigt auf, dass rund 2500 touristisch genutzte Zweitwohnungen in Uri existieren. Gut die Hälfte davon sind Ferienhäuser, ein Drittel Ferienwohnungen und etwa 11 Prozent sind touristisch genutzte Alphütten. Die Zweitwohnungen werden laut der Umfrage an 63 Tagen im Jahr genutzt, im Mittel durch zwei Personen. Dies ergibt ein Total von 125 Logiernächten pro Objekt und Jahr. Auf sämtliche 2500 Zweitwohnungen hochgerechnet ergibt dies rund 300000 Logiernächte.

Die meisten Zweitwohnungsbesitzer (64 Prozent) wohnen ausserhalb von Uri, in anderen Kantonen. 22 Prozent sind im Kanton Uri wohnhaft, 9 Prozent in der Standortgemeinde selber und 5 Prozent im Ausland. Die Eigentümer mit Wohnsitz ausserhalb des Kantons wurden zudem über ihr Konsumverhalten während des Aufenthalts in der Zweitwohnung befragt. Gut die Hälfte davon nutzen regionale Läden und Restaurants sehr häufig, also mehr als 20 Mal jährlich. Ein Drittel der Befragten frequentieren Läden und Restaurants häufig, 19 Prozent nur selten oder sehr selten. Dabei zeigt sich, dass Eigentümer von Zweitwohnungen im Urserntal überdurchschnittlich oft regionale Läden und Restaurants besuchen. 69 Prozent von ihnen tun dies sogar sehr häufig. Ebenfalls von grossem Interesse für das lokale Gewerbe dürfte sein, wie stark in die Zweitwohnungen investiert wird. Die Ergebnisse zeigen, dass pro Jahr 8700 Franken pro touristische Zweitwohnung investiert werden. Dies entspricht 21,3 Millionen Franken. Laut der Befragung profitieren davon direkt regionale Unternehmen, da 80 Prozent dieser Investitionen (7000 Franken pro Jahr und Zweitwohnung) aus dem Kanton Uri bezogen werden. Zum Vergleich: Im Tessin wurden in der Periode 2010 bis 2012 rund 1000 Franken weniger pro Zweitwohnung und Jahr in­vestiert.

Im Urserntal wird mehr investiert

Auch bei den Investitionen zeigt sich ein markanter Unterschied zwischen dem Urserntal und dem restlichen Kanton. Im Urserntal wird mit 11400 Franken pro Jahr und Objekt deutlich mehr in die Objekte investiert, in den Seitentälern (Spiringen, Unterschächen) wird hingegen 6600 Franken ausgegeben, der niedrigste Wert im Kanton.

Die Unterhaltskosten wurden ebenfalls thematisiert. Also etwa Kosten für die Heizung, Wasser, Telefon, Verwaltung oder Steuern. Die Ausgaben liegen bei 6000 Franken pro Zweitwohnung. Hochgerechnet ergibt dies 15 Millionen Franken pro Jahr. Im Urserntal wird am meisten ausgegeben (9000 Franken pro Objekt). Ein Grund könnte laut dem Bericht die starke Nutzung der Zweitwohnungen im Winter sein, was zu höheren Heizkosten führt.

Hinweis

Die repräsentative Umfrage wurde von der Rütter Soceco AG durchgeführt. Mit 1077 ausgefüllten Fragebögen wurde eine Rücklaufquote von 54 Prozent erreicht.


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