Mit Postgelb vom Grau ins Blau

ZENTRALSCHWEIZ ⋅ Postauto Schweiz AG fuhr am Wochenende fast 100 zusätzliche Kurse für Sonnenhungrige – dennoch schafften es am Ende nicht ganz alle über die Nebelgrenze.
24. Januar 2017, 07:46

Balz Bruder

balz.bruder@luzernerzeitung.ch

Bushaltestelle Eichhof in Luzern: Zwei Dutzend Sonnenhungrige stehen am Sonntag bei gefühlten minus 10 Grad in Reih und Glied, um mit dem Postauto um 12.14 Uhr ins Eigenthal an die Sonne transportiert zu werden. Pünktlich rauscht der Wagen heran, erreicht die Höhe der Haltestelle – und braust vorbei. Nach dem ersten Schock macht Hoffnung die Runde: Das Postauto war zum Bersten voll, ein Stopp hätte keinen Sinn gemacht. Und der Zusatzkurs ist gewiss schon unterwegs. Zehn, zwanzig, dreissig Minuten vergehen, doch weit und breit kein Postauto. Unmut macht sich breit, die Zahl der Wartenden nimmt ab. Nur die Hartgesottenen beziehungsweise Kälteresistenten mögen den nächsten ordentlichen Kurs abwarten.

Am Tag danach bestätigt Beat Wiget, Regionenleiter bei PostAuto Schweiz AG, den Vorgang. «Wir bedauern das sehr, leider konnte das Fahrzeug keine zusätzlichen Passagiere mehr aufnehmen – das kommt zwei- bis dreimal pro Jahr vor.» Dass die wartenden Kunden nicht wenigstens informiert wurden, ist auch für Wiget suboptimal: «Das können wir noch besser machen und entschuldigen uns für die Unannehmlichkeiten.»

Postauto bietet Platz für maximal 95 Personen

Der Ärger für jene, die wie bestellt und nicht abgeholt stehen blieben, ist allerdings relativ, denn: Am Samstag und Sonntag kamen einige tausend Passagiere trotz berstender Regelkurse in den Genuss von «oben blau statt unten grau». In der Region Zentralschweiz wurden am Wochenende laut Wiget nicht weniger als 99 zusätzliche Kurse in den maximal 95 Personen fassenden Postautos geführt. Und zwar von Luzern ins Eigenthal (14), von Sarnen auf die Stöckalp (44), von Stans nach Beckenried und Emmetten (14) sowie von Schüpfheim nach Sörenberg (27).

Dass Postauto Schweiz AG auf den touristischen Routen am vergangenen Wochenende «stark gefordert» war, gibt Wiget unumwunden zu. So liegt auf der Hand, dass nicht jedes Kundenbedürfnis vollständig erfüllt werden konnte. «Doch wir versuchten im Rahmen des Möglichen zu erfüllen, was machbar war.» Dabei geht es um den Personal- ebenso wie um den Fahrzeugeinsatz. Was nicht immer einfach ist – zum Beispiel Richtung Eigenthal: «Lange Fahrzeuge können wir auf dieser ­Strecke nicht einsetzen.» Zudem kommt es immer wieder zu Verspätungen, weil entgegenkommende Fahrzeuge und Staus vor den Parkräumen das Postauto zum Warten zwingen. Mehr noch: Als die Strasse für Privatautos gesperrt wurde und die Ausflügler auf den öffentlichen Verkehr umsteigen wollten, war dieser bereits hoffnungslos überlastet. «Wir bemühen uns zwar, immer zu reagieren», sagt Wiget, «irgendwann sind wir aber ausgeschossen», so der Regionenleiter Zentralschweiz. Wohlwissend, dass das Problem einfach lösbar wäre: «unten und oben blau» am nächsten Wochenende.


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