Zentralbahn muss Risse an neuen Wagenrädern beheben

BAHN ⋅ Die neuen Züge machen Probleme. Solche gab es schon vor vier Jahren bei der ersten Serie.

27. November 2016, 05:00

Am 7. Dezember wird anlässlich der Eröffnung der S-Bahn-Haltestelle Sarnen Nord der fünfte und letzte Fink-Zug der neusten Serie getauft – auf den Namen «Sarnen». Doch die hochmodernen klimatisierten Pendelzüge mit Niederflureinstieg und Monitoren machten den Zentralbahn-Verantwortlichen bisher nicht nur Freude. «Wir stellten Risse an den Rädern fest», sagt Gerhard Züger, der als Leiter Produktion und Rollmaterial für die Züge zuständig ist. «Ein Sicherheitsproblem hat diesbezüglich nie bestanden, jedoch müssen die Räder häufiger überdreht werden, was die Laufleistung der Räder verkürzt», präzisiert er gegenüber unserer Zeitung.

Den Aufwand für das Überdrehen – eine Form von Abschleifen – der Räder aller fünf dreiteiligen Fink-Kompositionen in der Zentralbahn-Werkstatt in Stansstad veranschlagt Gerhard Züger auf rund 80 Arbeitsstunden. Diese wurden dem Lieferanten, der Stadler Rail, in Rechnung gestellt – im Sinne einer Garantieleistung. In den nächsten Wochen wird nun getestet, ob die Massnahmen erfolgreich waren und das Problem gelöst ist. Wenn dies nicht der Fall sei, müsste mit dem Lieferanten eine Lösung gefunden werden.

Fahrgäste spürten von Kinderkrankheiten nichts

Das Problem tauchte schon bei der ersten Fink-Serie vor etwa vier Jahren auf. «Mit verschiedenen Optimierungen bekamen wir das Problem damals gut in den Griff.» Lieferant Stadler vermute, dass die Schäden der zweiten Fahrzeugserie während der Abnahmetests passiert seien und mit dem einmaligen Abdrehen der Radoberfläche behoben sein sollte, da alle Optimierungen der ersten Serie auch bei der zweiten eingeflossen seien.

Die Bahnkunden hätten von diesen Kinderkrankheiten nichts gespürt, so Züger. «Die tageweisen Ausfälle einzelner Züge zur Umsetzung weiterer Optimierungen und für Nacharbeiten sind im Projekt berücksichtigt, bis zum Fahrplanwechsel vom 11. Dezember sind noch die alten Wagen als Verstärkung der S-Bahn-Züge in Betrieb», hält Gerhard Züger fest.

Alte Wagen werden aus dem Verkehr gezogen

Am Erneuerungsfahrplan für die Flotten wird festgehalten. Auf den Fahrplanwechsel hin müssen die alten Wagen aus dem Verkehr genommen werden. Denn die rund zehnjährigen Spatz-Kompositionen werden laufend bis Anfang 2017 mit einer neuen Kupplung ausgestattet, um während der Hauptverkehrszeit auch Fink-Züge anhängen zu können.

Damit sind deren Kupplungen nicht mehr kompatibel mit den alten Wagen der Zentralbahn. Durch steigende Anforderungen im Bereich des Angebotes laufe zurzeit eine Überarbeitung der langfristigen Rollmaterialstrategie. Zum heutigen Zeitpunkt sei es für eine Aussage über deren Auswirkungen noch zu früh, sagt Gerhard Züger.

Matthias Piazza


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