Gutes Resultat trotz weniger Passagiere

BILANZ ⋅ Die Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees hat das zweitbeste Jahr ihrer Geschichte hinter sich. 2017 soll ein neuer Rekord her – auch dank des Bürgenstocks.
11. April 2017, 21:40

Kilian Küttel

kilian.kuettel@luzernerzeitung.ch

Stefan Schulthess macht seine Achillessehne zu schaffen. Er geht an Krücken. «Das gilt aber nur für mich und zum Glück nicht für unser Unternehmen», sagte der Direktor der Schifffahrts­gesellschaft des Vierwaldstättersees (SGV), als er gestern in ­Luzern den Jahresabschluss präsentierte. In der Tat: Das Schifffahrtsunternehmen weist das zweitbeste Ergebnis aller Zeiten aus. Und trotzdem: Lässt man die Zahlen sprechen, ist von Rückgang, Umsatzschmälerung und Einbussen die Rede. Das liegt vor allem am starken Vorjahr, als die SGV einen Rekordumsatz eingefahren hatte.

2016 lief es weniger, aber immer noch gut. Die SGV-Gruppe erwirtschaftete einen Gesamtumsatz von 69,6 Millionen Franken. Das ist ein Minus von 2,4 Millionen Franken gegenüber dem Vorjahr. Der Betriebsgewinn beläuft sich auf rund 8,8 Millionen Franken. Nach Abzug von Abschreibungen, Steuern und Rückstellungen bleiben 1,5 Millionen Franken konsolidierter Jahresgewinn. Zum Vergleich: 2015 waren es 9 Millionen Franken Betriebsgewinn und 2 Millionen Franken Gewinn nach Abschreibungen und Steuern.

Weniger Messen drückten den Umsatz

Vom Rückgang waren alle drei Betriebe der SGV-Gruppe betroffen, also die SGV AG selber sowie das Gastronomieunternehmen Tavolago und die Shiptec AG, welche für die Schiffstechnik zuständig ist. Das Schifffahrtsunternehmen SGV setzte im vergangenen Jahr 37,5 Millionen Franken um. Der Löwenanteil davon entfiel naturgemäss auf den Verkehrsertrag. Dieser belief sich letztes Jahr auf 31,4 Millionen Franken und war somit eine halbe Million Franken geringer als noch im Vorjahr. Grund für den Rückgang: die tieferen Personenfrequenzen. Diese sanken im Vergleich zu 2015 um 2,3 Prozent auf etwas mehr als 2,4 Millionen beförderte Passagiere. Hans-Rudolf Schurter, der Verwaltungsratspräsident der SGV, sagt dazu: «Wir befinden uns in einem schwierigen Marktumfeld. Der starke Franken und die Schwierigkeiten in der Tourismusbranche machen auch uns zu schaffen.» Hinzu komme, dass besonders das Geschäft mit den Gästen aus China gelitten habe – aufgrund schwierigerer Visabestimmung und der Angst vor Terroranschlägen. Aber Schurter machte klar: «Die Zahlen dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass es das zweitbeste Jahr war und wir sehr zufrieden sind.»

Der Umsatz der Gastronomietochter Tavolago AG sank gegenüber 2015 marginal um 0,6 Prozent und belief sich auf 29,6 Millionen Franken. Dennoch verzeichnete Tavolago einen Gewinn von 200000 Franken. Damit egalisierte die SGV-Tochter das Vorjahresergebnis. «Für einen Zentralschweizer Gastronomiebetrieb sind fast 30 Millionen Franken Umsatz sehr hoch», sagte Christian Fischer, Leiter Finanzen und Controlling bei der SGV. Ein Grund für den tieferen Umsatz sei das relativ schlechte Messejahr gewesen. Die Tavolago AG übernimmt für die Messe Luzern das Catering. «Viele Messen finden im Zwei-Jahres-Turnus statt. 2016 gab es schlicht weniger solche Veranstaltungen.»

Die Shiptec AG egalisierte den Vorjahresertrag von 18,4 Millionen Franken. Und dies, obwohl der Umsatz bei Drittkunden von 4,5 auf 3,6 Millionen Franken geschmolzen ist. «Schifftechnik ist ein Projektgeschäft, es gibt manchmal mehr oder weniger Aufträge», so Fischer.

Sorgt Bürgenstock für weiteren Rekord?

Schwieriges Marktumfeld hin, starker Franken her – die SGV ist für die Zukunft zuversichtlich. Und hat sich ein ambitioniertes Ziel gesetzt: 2017 soll wieder ein Rekordergebnis her. Die Zeichen dafür stehen nicht schlecht, in den ersten drei Monaten des Jahres liegen die Geschäftszahlen um 7 Prozent höher als zur gleichen Zeit 2016.

Zudem gibt es einen weiteren Aspekt, der die SGV-Verantwortlichen positiv stimmt: Im Sommer wird das Bürgenstock-Resort eröffnet. Ab dem 1. August nimmt die SGV die neue Direktverbindung nach Kehrsiten und zum Bürgenstock in Betrieb. Ab Mai 2018 verkehrt zudem das neue Shuttleschiff, welches die SGV für 5,9 Millionen Franken bauen lässt. SGV-Direktor Schulthess verspricht sich viel davon: «Das Bürgenstock-Resort ist für uns eine grosse Chance.» Die SGV rechnen damit, dass die neue Tourismusdestination mittelfristig für 300000 Frequenzen pro Jahr sorgen wird. Dafür werden die Hotelmitarbeiter, Seminar- sowie Tagesgäste verantwortlich sein. «Der Bürgenstock ist aufgrund seiner Nähe zu Luzern prädestiniert für den Halbtagestourismus», so Schulthess. Zudem kann er sich vorstellen, dass Touristen auf den Bürgenstock reisen, um einzukaufen. «Der Uhrenhersteller Swatch hat viel in Ladenflächen investiert. Das könnte uns auch zugutekommen.» Zum Schluss fand Schulthess markige Worte: «Dort oben wird die Post abgehen.»


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