«Bin in der besten Phase meines Lebens»

ZENTRALSCHWEIZ AM SONNTAG ⋅ Lena Berger ist Regionalleiterin der «Zentralschweiz am Sonntag» (ZaS). Die 30-jährige Luzernerin studierte an der Universität Bern Psychologie, Kriminologie und Strafrecht. Hier erzählt sie, warum sie den spannendsten Job in unserem Medienhaus hat, wie man an gute Geschichten herankommt und wie sie der «Neuen Luzerner Zeitung» lange vor ihrer Anstellung zu einem guten Titel verhalf.

Lena Berger, wenn wir von der Tageszeitung am Freitagabend ins Wochenende gehen, habe ich fast ein schlechtes Gewissen Ihnen und Ihren Kollegen von der Zentralschweiz am Sonntag (ZaS) gegenüber. Vermissen Sie die freien Samstage nicht?

Lena Berger: Natürlich verpassen wir durch unsere Arbeitszeit einige Anlässe und auch mal eine Familienfeier. Wir haben eben einen anderen Arbeitsrhythmus als ihr von der Tagespresse. Unser Wochenende verschiebt sich auf Sonntag und Montag. Dafür können wir an Tagen, an denen andere arbeiten, auf die Rigi oder in den Seilpark. Es hat auch Vorteile.

Sie haben sich für die Stelle bei der ZaS beworben, als Sie noch im Ressort Stadt bei der Neuen LZ waren. Warum wollten Sie zur Sonntagsausgabe?

Berger: Weil ich wusste, dass dies der spannendste Job in der Redaktion ist. In der Sonntagsausgabe müssen wir andere Geschichten erzählen als ihr von der Tagespresse. Uns steht mehr Zeit für die Recherche zur Verfügung, und wir haben den Luxus, den Geschichten die Zeit zu geben, die sie verdienen.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Berger: Nehmen wir an, wir sind an der Kriminalstatistik-Pressekonferenz. Man erfährt vielleicht, dass es mehr Raubüberfälle in einer Region gegeben hat als im Vorjahr. Anstatt nur über diese Vorfälle und Zahlen zu berichten, gehen wir an Ort und Stelle und suchen Personen, die betroffen sind, oder wir machen etwas mit der Opferhilfe. Solche Dinge brauchen Zeit, die haben wir eher als ihr.

Jetzt haben Sie mir die nächste Frage vorweggenommen oder gar kaputt gemacht. Ich wollte fragen, ob Sie es lockerer nehmen können als wir.

Berger: Das könnte man vielleicht denken. So ist es aber nicht ganz. Wir können die Zeit flexibler einteilen. So liegt es für uns etwa drin, am Dienstagmorgen vier Stunden mit einem Informanten Kaffee zu trinken. Aber gegen Ende der Woche steigt der Druck. Man muss also viel Selbstdisziplin bei der Zeiteinteilung haben. Denn der Qualitätsanspruch ist hoch. Und die Herausforderung, den Lesern überraschende Geschichten zu erzählen, ist immer gross.

Da Sie vorhin die Kriminalstatistik erwähnten. Sie studierten neben Psychologie auch Strafrecht und Kriminologie. Was war ursprünglich Ihr Berufsziel?

Berger: Ich wusste sehr früh, dass Journalismus das Richtige für mich ist. Aber ich wusste nicht, wie ich in den Beruf einsteigen kann. So studierte ich zuerst etwas, das mich interessierte – in der Hoffnung, mich später journalistisch darauf spezialisieren zu können.

Können Sie etwas vom Erlernten anwenden als Journalistin?

Berger: Ja klar. Da sind viele Parallelen. Als Journalistin brauche ich auch Spürsinn wie ein Detektiv, damit ich auf gute Geschichten stosse. Und natürlich hilft mir dabei auch mein Bauchgefühl.

Und, wie sind Sie eingestiegen?

Berger: Nachdem mich 2005 unsere ehemalige Kollegin Ruth Schneider als Maturandin porträtierte, erzählte sie von ihrem interessanten Beruf. Wenn ich mich recht erinnere, habe ich mich kurz darauf um ein Praktikum bei der LZ bemüht. Damals hiess es, ich sei zu jung. Beim jungen Aarauer Radio Kanal K hatte ich dann erste Kontakte zum Journalismus. Danach absolvierte ich in München ein Praktikum, später bei «20 Minuten», wo ich auch eine Festanstellung bekam.

Ich habe im Archiv recherchiert. Der Titel dieses Porträts lautete: «Vielleicht habe ich mal sieben Kinder». Hat die Journalistin damals den Titel etwas zugespitzt?

Berger: Nein, das habe ich damals spasseshalber tatsächlich gesagt. Im Moment habe ich aber keine Kinder, und wenn, dann wären es wohl nicht sieben.

Dafür landeten Sie ein paar Jahre später dann doch noch in unserem Haus.

Berger: Und ich bin total zufrieden mit meinem Job. Ich würde meinen, dass ich mich gerade in der besten Phase meines Lebens befinde. Ich bin quasi angekommen im Erwachsenenleben.

Da Sie beim Radio gestartet sind: Ist ein Job vor dem Mikrofon für Sie ein Thema?

Berger: Das Radio ist ein faszinierendes Medium. Die Personen, mit denen man ein Gespräch führt, können ihre Zitate nicht zurücknehmen. Gesagt ist gesagt. Aber es ist auch ein Medium, bei dem man sich kurzfassen muss. Ich liebe aber Hintergrundgeschichten. Daher bleibe ich sicher vorerst beim Print.

Sie erwähnten eingangs des Gesprächs etwas von vierstündigem Kaffee mit Informanten. Krallen Sie sich auf diese Weise Ihre Geschichten?

Berger: Wenn Sie sich jetzt zwei Gestalten vorstellen, die versteckt hinter einer Zeitung tuscheln und dabei brisante Informationen gegen Geld eintauschen, liegen Sie etwas falsch. Informanten können auch Leute aus meinem Umfeld sein, die von alltäglichen Ereignissen erzählen. Irgendwo ist immer eine Geschichte, die man weiterdrehen und den Lesern erzählen kann.

Als Stadtluzernerin wird Ihnen sicher viel zugetragen?

Berger: Nicht zwingend, aber ich weiss, wie die Luzerner ticken und was sie für Interessen oder auch Sorgen haben.

Was aber nicht automatisch bedeutet, dass Sie mit Ihren Geschichten auch jeden Luzerner erreichen. Oder?

Berger: Es sind immer solche dabei, die nicht einverstanden sind mit dem, was wir Journalisten schreiben. Wir müssen ja Dinge auch kritisch hinterfragen. Wenn alle zufrieden wären, würde ich meinen Job nicht richtig machen.

Lesen Sie die Zeitung am Sonntag noch einmal, oder haben Sie den Inhalt bereits intus?

Berger: Da ich die Leitung des Regionalteils habe, kenne ich diese Geschichten natürlich schon. Mir gegenüber sitzt im Büro Dominik Buholzer, der die überregionale Leitung hat. Da bekomme ich viele Geschichten von Beginn weg mit. Zumindest vom Inhaltlichen her. Für mich ist es dann am Sonntag spannend, zu sehen, wie diese erzählt und bebildert werden.

Welche Sonntagszeitungen lesen Sie neben der ZaS?

Berger: Über die bedeutenden Sonntagsausgaben verschaffe ich mir im Verlauf der Woche einen Überblick.

Wo steht die ZaS im Vergleich zu den anderen Sonntagszeitungen?

Berger: Da wir eine Lokalzeitung mit regionalem Fokus sind, macht es keinen Sinn, uns mit anderen zu vergleichen. Da wir aber neben der «Ostschweiz am Sonntag» der einzige Sonntagstitel mit ansteigenden Leserzahlen gegenüber dem Vorjahr sind, bin ich sehr zufrieden.

Roger Rüegger
 

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