Deutlich mehr Firmenkonkurse

ZENTRALSCHWEIZ ⋅ In der Zentralschweiz sind in den ersten vier Monaten des Jahres deutlich mehr Firmen pleitegegangen als in der Vorjahresperiode. Total meldeten 180 Betriebe Insolvenz an, 34 Prozent mehr als 2014. Stark betroffen waren Handel, Gastgewerbe und Informatikbetriebe.

15. Mai 2015, 11:24

Schweizweit kam es im ersten Quartal zu 1415 Konkurseröffnungen über zahlungsunfähige Unternehmen. Dies entsprach einer Zunahme um ein Prozent gegenüber dem Vorjahr, wie der Wirtschaftsinformationsdienst Bisnode D&B am Freitag mitteilte.

Während in den letzten Jahren die Firmeninsolvenzen in der Zentralschweiz stets sanken, stiegen sie nun erstmals wieder an. Besonders stark war die Zunahme in den Kantonen Zug, Schwyz und Luzern.

In Zug stieg die Zahl der Insolvenzfälle auf 71 (+29), in Luzern auf 58 (+9) und in Schwyz auf 39 (+15). Im Kanton Uri gab es drei Pleiten gegenüber zwei im Vorjahr. Zu einer Abnahme kam es hingegen in Obwalden (3;-6) und Nidwalden (6;-2).

Besonders von mehr Pleiten betroffen waren der Gross- und Einzelhandel, das Gastgewerbe und Informatikdienstleistungen. Ein Grund könnte die Aufhebung des Euro-Mindestkurses sein, wie ein Bisnode-Sprecher auf Anfrage sagte. Insbesondere der Einzelhandel und das Gastgewerbe seien stark vom Euro-Franken-Wechselkurs abhängig.

Weniger Neugründungen

Gleichzeitig wurden in der Zentralschweiz zurückhaltender neue Firmen gegründet. Von Januar bis April wurden 1779 neue Unternehmen ins Handelsregister eingetragen. Im Vorjahr waren es zur gleichen Zeit fünf Prozent mehr gewesen, nämlich 1880.

Am meisten Neugründungen zählte trotz Rückgang Luzern mit 607 (-10) Betrieben, gefolgt von Zug (600; -76) und Schwyz (375; -36). Über eine Zunahme an Neugründungen hingegen freuen durfte sich Nidwalden (99;+20). Auch in Uri stieg die Zahl der neuen Eintragungen leicht von 32 auf 34 Fälle.

Zahlenmässig am meisten neue Firmen entstanden vor allem in den Bereichen Unternehmens- und Steuerberatung, Handwerk, Grosshandel und bei Holding- und Investitionsgesellschaften.

Weniger Pleiten in der Südwestschweiz

Neben der Zentralschweiz steht auch die Nordwestschweiz in Sachen Firmenpleiten schlecht da. Die Zahl der Insolvenzfälle stieg dort um 17 Prozent auf 173.

In der Ostschweiz nahm die Zahl der Firmenpleiten ebenfalls zu (+8 Prozent). Etwa gleich viele Insolvenzfälle wie in der Vorjahresperiode gab es im Espace Mittelland sowie in den Kantonen Zürich und Tessin. Besser sieht es in der Südwestschweiz aus: Die Zahl der Firmenpleiten sank in dieser Region um 19 Prozent.

Zusätzlich zu den 1415 Firmenpleiten wurden schweizweit 482 Unternehmen wegen Organisationsmängeln aufgelöst, 13 Prozent weniger als in der Vorjahresperiode. Dabei handle es sich meist um "Karteileichen", schreibt Bisnode.

Weniger Firmengründungen

Die Verunsicherung nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses Mitte Januar scheint sich schweizweit bei der Anzahl Firmengründungen zu zeigen: 13'662 Unternehmen wurden in den ersten vier Monaten des Jahres neu ins Handelsregister eingetragen, was einem Rückgang von 3 Prozent entspricht.

In fast allen Regionen der Schweiz wurden weniger Firmen gegründet, am stärksten war der Rückgang im Tessin (-10 Prozent). Dort sei die Goldgräberstimmung zu Ende, schreibt Bisnode. Die Südwestschweiz verzeichnete als einzige Region einen leichten Anstieg (+1 Prozent). (sda)


Login


 

Leserkommentare

Anzeige: