Überdurchschnittliche Stimmbeteiligung in der Zentralschweiz

ABSTIMMUNG ⋅ Die vier Vorlagen vom Abstimmungswochenende haben die Stimmberechtigten weit stärker als üblich bewegt. In der Zentralschweiz war die Beteiligung ausserordentlich hoch.

28. Februar 2016, 20:34

Schweizweit war die Stimmbeteiligung mit rund 62 Prozent die höchste seit der EWR-Abstimmung von 1992 (siehe Box). Sogwirkung dürfte vor allem die sehr umstrittene Durchsetzungsinitiative der SVP gehabt haben.

Im Kanton Luzern war die Stimmbeteiligung mit 64,1 Prozent überdurchschnittlich hoch. Am höchsten war die Stimmbeteiligung bei der SVP-Asylinitiative in Eschenbach mit 75,4 Prozent, gefolgt von Sempach mit 73,4 Prozent und Ermensee mit 73,2 Prozent. Am tiefsten war die Stimmbeteiligung in Emmen mit 57,1 Prozent, gefolgt von Geuensee mit 57,6 Prozent und Root mit 58,2 Prozent.

Noch höher als im Kanton Luzern war die Stimmbeteiligung im Kanton Zug mit 69,7 Prozent. In Walchwil gingen mit 74,4 Prozent am meisten Stimmbürger an die Urne, in Risch mit 67,8 Prozent am wenigsten.

Beteiligungen von über 70 Prozent meldeten die Kantone Nidwalden, Obwalden und Uri: Im Kanton Nidwalden gingen 73,6 Prozent der Stimmbürger an die Urne. Hier dürfte die Regierungsratsersatzwahl zusätzlich mobilisiert haben. Am höchsten war die Stimmbeteiligung in Oberdorf mit 78,5 Prozent, am tiefsten in Emmetten mit 67,1 Prozent. Im Kanton Obwalden war die Stimmbeteiligung mit 72,4 Prozent ebenfalls hoch. In Engelberg dürften die Wahlen zusätzlich mobilisiert haben, deshalb ist die Stimmbeteiligung mit 77,2 Prozent kantonal am höchsten, in Giswil mit 69,1 Prozent am tiefsten.

In Kanton Uri mobilisierten die Gesamterneuerungswahlen (61,6 Prozent) und die Gotthard-Vorlage (73,3 Prozent) stark. Am höchsten war die Stimmbeteiligung mit 84 Prozent in Realp, am tiefsten in Seelisberg mit 66,2 Prozent.

Im Kanton Schwyz gingen 68,6 Prozent der Stimmbürger an die Urne. Am grössten war die Stimmbeteiligung in Lauerz mit 75,8 Prozent, am geringsten in Schübelbach mit 59,2 Prozent.

Genf und Jura mit 55 Prozent

Schweizweit am schwächsten war die Stimmbeteiligung in Genf und in Jura mit je rund 55 Prozent. Seit der Einführung des Frauenstimmrechts 1971 beträgt die durchschnittliche Stimmbeteiligung in der Schweiz rund 43 Prozent. Über die letzten zehn Jahre stieg sie auf gut 45 Prozent. Im letzten eidgenössischen Urnengang im Juni 2015 hatten nur gut 43 Prozent der Stimmberechtigten teilgenommen.

Die höchsten Stimmbeteiligungen

Seit dem Urnengang über den EWR-Beitritt 1992 hat keine Vorlage mehr so stark mobilisiert wie die Durchsetzungsinitiative. Nachfolgend die zehn höchsten Beteiligungsquoten bei eidgenössischen Abstimmungen seit Einführung des Frauenstimmrechts 1971.

  • 1. EWR-Beitritt (06.12.1992)78,7 Prozent
  • 2. Überfremdungs-Initiative (20.10.1974) 70,3 Prozent
  • 3. Armeeabschaffungsinitiative (26.11.1989) 69,2 Prozent
  • 3. Initiative «pro Tempo 130/100» (26.11.1989) 69,2 Prozent
  • 5. Durchsetzungsinitiative (28.02.2016) 63,1 Prozent
  • 6. Gotthard-Tunnel (28.02.2016) 62,3 Prozent
  • 7. Initiative gegen die Heiratsstrafe (28.02.2016) 61,8 Prozent
  • 8. Spekulationsstopp (28.02.2015) 60,6 Prozent
  • 9. UNO-Beitritt (03.03.2002) 58,4 Prozent
  • 10. Initiative «für eine kürzere Arbeitszeit», Prozent 58,3

rem/sda


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