«Ich bin wie eine Hotelanimatorin»

INTERVIEW ⋅ Ramona Geiger ist Community Manager in unserer Onlineredaktion. Die 24-jährige Luzernerin steht in direktem Kontakt mit unseren Internetnutzern.

03. Oktober 2016, 06:45

Interview Roger Rüegger

Ramona Geiger, der frühere Hauswart heisst heute Facility Manager. Ihre Berufsbezeichnung lautet Community ­Manager. Was heisst das auf Deutsch?

Ich vergleiche meine Position mit der einer Hotelanimatorin, die die Gäste – bei uns die Leser der Internetangebote – informiert und bei Laune hält. So gesehen wäre «Betreuerin der Web-Gemeinschaft» eine mögliche Bezeichnung.

Was ist Ihre exakte Aufgabe?

Ich betreue die Facebook- und Twitter-­Seiten der «Luzerner Zeitung». Das ist die Kurzfassung. Im Detail fordere ich die Leser auf, sich auf den sozialen Netzwerken oder auch auf luzernerzeitung.ch aktiv mit unserem Produkt auseinandersetzen und sich daran zu beteiligen. Sei es mit Leserbildern oder indem sie an Rätseln mitmachen.

Wie beliebt sind Rätsel im Internet?

Unterschiedlich. Wir hatten eines über die Queen – mit magerer Beteiligung. Dagegen ist das Guugge-Quiz während der Fasnacht sehr gut angekommen.

Animieren Sie die Leute auch, Inhalte zu kommentieren?

Nicht direkt. Ich bewerbe jeden Tag Artikel aus der Zeitung sowie neue Leserbilder auf Facebook. In die Printausgabe schaffen es nur wenige dieser Leserfotos. Darauf reagieren die Leute. Ich will erreichen, dass ein Gemeinschaftsgefühl entsteht. Denn erst durch die Leserreaktionen lebt diese Plattform.

Wie fallen die Reaktionen auf Artikel und deren Inhalte aus?

Auch das variiert. In den ersten Tagen nach dem Relaunch war eher das neue Layout der Zeitung ein Thema. Wer es sieht, bildet sich sofort eine Meinung, und viele tun diese im Internet kund. Facebook ist wie ein virtueller Stammtisch, mit allen dazugehörenden Rückmeldungen.

Wie kommt denn das neue Layout in Ihrer Kommune an?

Die Leute waren meistens freundlich und haben die Neuerung mehrheitlich positiv kommentiert. Am meisten zu reden gaben Titel und Schrift –die wurden von einigen kritisiert. Auch Farbe fehlt ein paar wenigen. Es gibt auch solche, die meinen, dass wir uns zu sehr der NZZ annähern.

Ähnliches erlebten wir auch beim direkten Kontakt mit Lesern auf der Strasse. Sind Zeitungsleser und Internetnutzer dieselben Leute?

Darauf kann ich nur vage antworten. Die Printausgabe der «Luzerner Zeitung» wird von rund 300 000 Personen gelesen, die Internetseite luzernerzeitung.ch nutzen täglich 45 000 Leute, und auf Facebook sind rund 20 000 «Gefällt mir» registriert. Wobei Letztere nicht unbedingt auch unsere Leser sind.

Was wird am häufigsten kommentiert, welche Themen interessieren die Leser?

Ganz klar die FCL-Spiele. Und Themen aus dem nahen Umfeld und der Heimat: Weihnachtsbeleuchtungen, die umstrittenen Lichter im Hotel Schweizerhof, ob die Fussballspieler die Hymne singen oder religiöse Themen.

Lassen Sie alle Kommentare ungefiltert durch?

Nein. Wir nehmen die Leute ernst und verlangen ebenso Respekt. Beleidigende, sexistische oder rassistische Kommentare lassen wir nicht zu. Im Zweifelsfall werden nach Rücksprache mit den kritisierten Redaktionsmitgliedern im Haus Kommentare entfernt oder nicht veröffentlicht.

Wie oft nehmen Sie Kommentare raus?

Selten, etwa alle zwei Wochen kommt das vor.

Nutzen eher jüngere Leute bei uns Facebook als Kommentarplattform?

Die meisten sind zwischen 25 und 54 Jahre alt.

Sind Sie die Person, die auf dem Facebook-Profil der «Luzerner Zeitung» antwortet?

Meistens. Bei Layoutfragen gibt aber Sven Gallinelli, der visuelle Blattmacher, die Antworten. Er war in den gesamten Prozess involviert. Wenn zu Artikeln Fragen oder Inputs eingehen, kontaktiere ich die Journalisten, die die Geschichten verfasst haben.

Sie sind das Bindeglied zwischen der Leserschaft und der Redaktion. Wie sehr nehmen Sie Kritik persönlich?

Die Reputation unseres Produkts liegt mir sehr am Herzen. Aber persönlich fühle ich mich nicht angegriffen, denn es ist mein Job, mit den Internetnutzern zu kommunizieren; zudem trage ich nicht viel zum Zeitungsinhalt bei. Ich freue mich aber über konstruktive Kritik – vorausgesetzt, dass man respektvoll miteinander umgeht.

Welchen Mehrwert bringt Facebook unseren Lesern?

Sie stellen jetzt nicht meinen Job in Frage, oder? Im Ernst: Der Dialog mit den Lesern – oder mit den Klienten allgemein – ist heute unheimlich wichtig. Das Weltgeschehen wird heute zum grossen Teil über diesen Kanal verbreitet. Die Leute informieren sich auch über Koch­rezepte, Handwerkstipps oder alles Mögliche. Zudem gibt es heute kaum ein bedeutendes Unternehmen, das sich nicht aktiv – auch via Facebook – mit den Kunden austauscht.

Wie sehr sind Sie privat aktiv in den sozialen Medien?

Nicht mehr so sehr wie vor dem Antritt bei der «Luzerner Zeitung».

Sie sind gelernte Fotofachfrau. Warum sind Sie Community Manager und nicht als Fotografin auf Reportage?

Privat fotografiere ich nach wie vor gerne, und wenn es für den Job gefragt ist, natürlich auch. Etwa Fastnachtsumzüge, Unfälle oder beim Luzerner Stadtlauf. Für Porträts bin ich aber nicht zu haben. Weil ich nicht gerne auf die Leute zugehe und ihnen erklären will, wie sie sich vor die Kamera zu stellen haben. Dafür tausche ich mich im Beruf im Internet gerne mit Menschen aus.

Lesen Sie die Zeitung online?

Nein, die gedruckte Version.

Sie müssen eine dicke Haut haben im Job. Wo finden Sie den Ausgleich zum Berufs­alltag?

Im Schrebergarten beim Unkrautjäten hat man den Alltag schnell vergessen. Aber noch lieber besuche ich Konzerte. Und ich reise gerne.

Machen Sie All-inclusive-­Ferien mit Gästeanimation?

Knapp daneben. Beim Reisen stelle ich alles eigenhändig zusammen. Ich kann mich selber unterhalten.


HINWEIS
Die bisher erschienenen Beiträge dieser Serie finden Sie unter: luzernerzeitung.ch/autoren


 

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