So viele Selbstanzeigen wie noch nie

STEUERSÜNDER ⋅ In fünf von sechs Zentralschweizer Kantonen ist 2014 die Zahl der reuigen Steuersünder von 590 auf 742 Personen gestiegen. Der Druck auf das Bankgeheimnis und der drohende Informationsaustausch hätten zu mehr Selbstanzeigen geführt, vermuten die Steuerämter.

Dies ergab eine Umfrage der Nachrichtenagentur sda bei fünf von sechs kantonalen Steuerämtern der Zentralschweiz. Aus Zug waren noch keine Daten verfügbar.

Im fünften Jahr der straffreien Selbstanzeige kam es zwar zu mehr Anzeigen, es handelte sich jedoch überwiegend um kleinere Fälle. Die Summe, die die Steuerhinterzieher aus den fünf Kantonen dem Fiskus nachträglich abliefern, sank von 20,3 auf 17,5 Millionen Franken.

In Luzern lag die Zahl der Fälle 2014 um rund 30 Prozent höher als im Schnitt der vorangegangenen vier Jahre. Insgesamt legten im letzten Jahr 422 (2013: 340) Personen ihre nicht deklarierten Vermögen und Einkünfte nachträglich gegenüber dem Steueramt offen. Luzern rechnet deshalb mit zusätzlichen Steuereinnahmen von 10,6 Millionen Franken. Im Jahr 2013 waren es 9,5 Millionen. Dies entspricht einer Zunahme von rund zehn Prozent.

125 Millionen Franken in Schwyz offengelegt

Auch in Schwyz kam es zu einer Rekordzahl an Selbstanzeigen. Insgesamt profitierten 200 (2013: 166) Personen von der Mini-Steueramnestie. Sie legten 125 Millionen Franken an undeklarierten Vermögen und Einkünften offen. Im Vorjahr waren es 183 Millionen gewesen. Trotz der Zunahme der Fälle rechnet Schwyz mit weniger zusätzlichen Steuereinnahmen. Die Nachsteuern dürften von 8,9 auf 4,1 Millionen Franken sinken.

In Nidwalden stieg die Zahl der gemeldeten Selbstanzeigen von 40 auf 65 und erreichte ein neues Hoch. Die Summe der daraus resultierenden Nachsteuern stieg von 0,85 auf 1,9 Millionen Franken. Auch in den anderen angefragten Zentralschweizer Kantonen stieg die Zahl der Anzeigen leicht an. Obwalden zählte 36 (2013: 29) Fälle, Uri 19 (15). Die erwarteten Nachsteuersummen liegen in diesen Kantonen unter einer Million Franken.

Mehr Anzeigen wegen Unsicherheit

Die Unsicherheit über die Zukunft des schweizerischen Bankgeheimnisses fördere die Bereitschaft zu Selbstanzeigen, hiess es bei den Steuerämtern auf Anfrage. Nach Ansicht der Behörden würden zudem Finanzinstitute vermehrt auf eine Offenlegung von vermuteten Schwarzgeldern hinwirken. Auch die öffentlichen Diskussionen um prominente Steuerbetrugsfälle wie jenen des deutschen Unternehmers Uli Hoeness würden zur Entwicklung beitragen.

Die angefragten Zentralschweizer Steuerämter erklärten, sie bewältigten die zusätzlichen Selbstanzeigen mit dem bestehenden Personal. Selbstanzeigen würden für die Behörden relativ wenig Aufwand verursachen, weil die hinterzogenen Einkünfte und Vermögen vollständig offengelegt werden und die Betroffenen voll kooperieren müssten, um das Verfahren beanspruchen zu können, hiess es weiter.

Einmal im Leben

Die Möglichkeit der straflosen Selbstanzeige war 2010 eingeführt worden: Einmal im Leben können sich Steuerhinterzieher selbst anzeigen, ohne eine Strafe fürchten zu müssen. Sie müssen allerdings die Steuern für die vergangenen zehn Jahre inklusive Verzugszins nachzahlen.

Auch Erben müssen mit keiner Busse rechnen, wenn sie ihnen vermachtes Schwarzgeld später offen legen. Die Nachsteuern umfassen dabei die drei letzten Jahre vor dem Tod des Erblassers. (sda)


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