Fast 2000 Steuersünder in der Zentralschweiz zeigen sich selbst an

LUZERN ⋅ In der Zentralschweiz ist die Zahl der Steuersünder, die sich im vergangenen Jahr bei den Kantonalen Steuerämtern straflos selbst angezeigt haben, explodiert. Das ergibt bereits Nachsteuern von über 35 Millionen Franken - und noch sind nicht alle Fälle abgeschlossen.
12. Januar 2018, 11:23

Der Löwenanteil entfällt in der Zentralschweiz auf den Kanton Schwyz: Dort wurden 2017 beim Finanzdepartement 772 Selbstanzeigen eingereicht – inklusive 70 vereinfachte Erbennachbesteuerungen. 2016 gab es 302 Selbstanzeigen inklusive 55 vereinfachte Erbennachbesteuerungen.

Der Kanton Schwyz kommt in den Genuss von zusätzlichen Steuereinnahmen von 3,2 Millionen Franken, wie Meinrad Betschart, Leiter der Rechtsabteilung der kantonalen Steuerverwaltung, auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda sagte. 2016 waren es 400'000 Franken weniger. Dem Bund fallen zusätzliche 1,9 Millionen Franken zu.

Die offengelegten Vermögen belaufen sich auf 230 Millionen Franken. Ein Jahr zuvor waren es noch 110 Millionen Franken. Das grösste durch Selbstanzeige offen gelegte Vermögen beträgt rund 20 Millionen Franken.

Vervierfachung in Uri

Vervierfacht hat sich die Zahl der Selbstanzeigen im Kanton Uri, der im vergangenen Jahr rund 100 Fälle verzeichnete – nach deren 20 im Vorjahr. Konten und Liegenschaften im Ausland machen den Grossteil aus, wie es beim Steueramt auf Anfrage hiess. Die knapp 40 bereits erledigten Fälle hätten Kanton und Gemeinden 300'000 Franken Steuermehreinnahmen in die Kassen gespült.

Den Rekord in der Zentralschweiz hält – nicht was die Fallzahl angeht, wohl aber bei der Steuersumme – Luzern. Die Zahl der reuigen Steuersünder, die sich selber angezeigt haben, stieg um 74 auf 495. Aus den Verfahren resultierte 2017 ein Gesamtsteuerertrag von rund 15,5 Millionen Franken.

Davon gehen 3,7 Millionen Franken an den Bund und 11,8 Millionen Franken an Kanton und Gemeinden. Das ist zwar mehr als im Durchschnitt der Jahre 2010 bis 2016, aber insgesamt 800'000 Franken weniger als im Vorjahr.

In Zug zeigten sich 190 Steuersünder selbst an, 38 mehr als im Vorjahr. Daraus resultierte eine Nachsteuersumme von 10,9 Millionen Franken. Kanton und Gemeinden erhalten davon 8,3 Millionen Franken. Ein Grossteil davon sind bisher nicht deklarierte Bankkonten und Wertschriftendepots im In- und Ausland. Weitere Schwerpunkte sind Liegenschaften im sowie Renten aus dem Ausland.

Automatischer Informationsaustausch

212 Selbstanzeigen verzeichnete das Steueramt Obwalden im vergangenen Jahr, inklusive 24 vereinfachter Erbnachbesteuerungen. 2016 waren es total 77 gewesen. Noch sind 94 Fälle offen, aus den bereits bearbeiteten Selbstanzeigen erhalten Kanton und Gemeinden über 640'000 Franken Nachsteuern, zum Bund fliessen 230'000 Franken.

Mehr als verdoppelt hat sich die Zahl der Selbstanzeigen in Nidwalden. 173 Personen meldeten sich 2017, im Vorjahr waren es 77 gewesen. Der Steuerertrag für Bund, Kanton und Gemeinde aus den abgeschlossenen Verfahren beträgt rund 5,64 Millionen Franken im Vergleich zu 3,65 Millionen Franken von 2016.

Zwei mögliche Gründe werden von den Steuerämtern für die Rekordwerte genannt: Einerseits hätten Medienberichte die Bevölkerung sensibilisiert. Anderseits sei der bevorstehende automatische Informationsaustausches AIA spürbar.

Denn ab 2018 informieren erstmals rückwirkend für das Kalenderjahr 2017 ausländische Steuerbehörden die Schweiz. Sobald eine schweizerische Steuerbehörde im Besitz einer Meldung ist, kann vom Instrument der straflosen Selbstanzeige nicht mehr Gebrauch gemacht werden.
 
sda


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