Investoren aus China kaufen Infront

SPORTRECHTE ⋅ Der Schweizer Sportrechte-Vermarkter Infront Sports & Media AG hat einen neuen Besitzer. Der chinesische Mischkonzern Dalian Wanda Group bezahlt 1,05 Milliarden Euro für Infront.

Das bestehende Management unter der Leitung von CEO Philippe Blatter bleibe unverändert, teilte das Unternehmen mit Sitz in Zug am Dienstag mit. Auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda sagte Infront-Sprecher Jörg Polzer, es gäbe keine Veränderungen im operativen Bereich.

Laut einer Mitteilung, die von der Nachrichtenagentur Reuters zitiert wurde, hält Dalian Wanda künftig 68,2 Prozent der Infront-Anteile. Die restlichen Teilhaber wurden nicht genannt. Dalian Wanda ist Chinas grösster Immobilienkonzern und besitzt die grösste Kino-Kette des Landes.

Im vergangenen September war bekannt geworden, dass das Schweizer Unternehmen Infront nach drei Jahren einen neuen Eigentümer suche, um an frisches Geld für seine Expansionsstrategie zu gelangen. Der Finanzinvestor Bridgepoint hatte Infront vor über drei Jahren gekauft, in Finanzkreisen war der Preis damals auf gut 550 Mio. Euro taxiert worden.

Joseph-Blatter-Neffe als CEO

Die Übernahme durch Dalian Wanda fällt in eine Phase der aggressiven Überseeexpansion der chinesischen Gruppe, die sich mit einer Reihe von Zukäufen diversifiziert. Das Konglomerat hat seit Anfang Jahr drei grosse Investitionen ausserhalb von China angekündigt.

In Europa machte die Akquisition des Madrider Wahrzeichens "Edificio España" im vergangenen Juni Schlagzeilen. Das 117 Meter hohe Gebäude in der spanischen Hauptstadt wurde von einer Dalian-Tochter erworben. "Wir sind zuversichtlich Infront in seiner Zielsetzung, die Nummer 1 im weltweiten Sportmarketing zu werden, unterstützen zu können", wird Wang Jianlin, Aufsichtsratsvorsitzender der Wanda Group, in der Mitteilung zitiert.

Der Sportrechte-Vermarkter Infront war 2002 aus dem zerfallenden Imperium von Leo Kirch herausgekauft worden. Vor der Übernahme durch Bridgepoint hatte der Kaffee-Erbe Andreas Jacobs die Mehrheit der Anteile gehalten.

Infront hatte anfangs vor allem vom Verkauf der Rechte an grossen Turnieren des Welt-Fussballverbandes FIFA an Fernsehsender gelebt. CEO Philippe Blatter ist der Neffe von Fifa-Präsident Sepp Blatter. Das Unternehmen hat sein Spektrum aber inzwischen verbreitert, etwa auf die Weltcup-Wettbewerbe in sechs Wintersportarten und Motorsport-Rennserien. (sda)


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