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Flüchtlinge wollten sich etwas antun

STEINHAUSEN ⋅ Zu einem dramatischen Grosseinsatz kam es gestern beim Asylheim. Eine Flüchtlingsfamilie verschanzte sich. Die Zuger Polizei stürmte die Unterkunft.

Wolfgang Holz

«Wir sind um 15.03 Uhr alarmiert worden», berichtet Marcel Schlatter, Mediensprecher der Zuger Strafverfolgungsbehörden vor Ort. Ein 39-jähriger Iraner und eine 35-jährige Irakerin verbarrikadierten sich mit ihrem vierjährigen Sohn in der Durchgangsstation Steinhausen dem kantonalen Erstaufnahmezentrum für Asylsuchende. Beide Erwachsenen drohten mit einem Messer, sich selbst und dem Kind etwas anzutun. Einsatzkräfte der Zuger Polizei brachten alle nicht beteiligten Bewohnerinnen und Bewohner in Sicherheit und umstellten das Gebäude.

Zwei Dolmetscher im Einsatz

«Es ist ein sehr schwieriger Einsatz für uns gewesen», so Schlatter, weil sich die Zuger Polizei vor Ort erst einmal habe orientieren müssen, um was es überhaupt gehe. Dafür geschulte Spezialisten der Polizei verhandelten dann mit der Unterstützung von Dolmetschern während dreier Stunden intensiv mit der Familie. Wenige Minuten nach 18 Uhr erfolgte schliesslich der Zugriff, bei dem das Kind in Sicherheit gebracht wurde und die zwei Droher überwältigt wurden. Die beiden Erwachsenen wurden festgenommen. Zwecks medizinischer Begutachtung brachte sie der Rettungsdienst Zug jedoch zuerst ins Spital. Ihre Blessuren dürften leichten Grades sein. Das Kind kam ohne äussere Verletzungen davon, es wurde fremdplatziert.

«Das Drama hat ein glimpfliches Ende genommen», sagt Polizeisprecher Schlatter erleichtert. Es sei laut gewesen, es sei geschrien worden während der Verhandlungen. Die Sicherheitskräfte und die Flüchtlingsfamilie hätten sich in ständigem Sichtkontakt befunden. Insbesondere wegen des Messers und des involvierten Kindes habe sich der Einsatz für die Polizei sehr gefährlich gestaltet. «Die Familie befand sich offensichtlich in einer Ausnahmesituation», sagt Schlatter. Es sei den im Einsatz stehenden Polizisten jedoch gelungen, die Situation zu entschärfen und alle Beteiligten rechtzeitig in Sicherheit zu bringen.

War es ein Suizidversuch?

Was genau der Grund für die bedrohliche Situation gewesen ist, müssen die offiziellen polizeilichen Abklärungen erst noch ergeben, so Schlatter: «Die Umstände des Zwischenfalls werden zurzeit abgeklärt.» Wie von Asylbewerbern zu erfahren ist, die während des Polizeieinsatzes evakuiert und in anderen Heimen kurzfristig untergebracht wurden, handelt es sich bei der Flüchtlingsfamilie offenbar um abgewiesene Asylbewerber.

«Der Mann lebt schon seit rund fünf Monaten mit seiner Familie in der Asylunterkunft in Steinhausen», erzählt eine afghanische Familie. Der Iraner sei sehr sympathisch. Sein Asylgesuch sei wohl abgelehnt worden, und er müsse nun wieder zurück nach Italien wohin er auf der Flucht über die Türkei in die Europäische Union gelangte. «Nach Italien will er aber nicht mehr zurück, weil er dort keine Hoffnung sieht», erklärt ein Tunesier, der den Mann ebenfalls kennt. Zusammen mit anderen Flüchtlingen steht er in der frostigen Dunkelheit an der Zugerstrasse vor der Asylunterkunft und wartet darauf, wieder zurück ins Heim zu dürfen. «Deshalb hat er gedroht, sich umzubringen, und hat seinem Kleinkind das Messer an die Kehle gesetzt.»

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Leserkommentare (9)
  • lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet ()
    geschrieben am 20.02.2015 16:11

    Wenn das Haus brennt, in dem ich wohne, flüchte ich vor dem Feuer, um mein Leben zu retten. Wenn ich in einem Land lebe, in dem täglich Bomben vom Himmel fallen, flüchte ich in ein Land, in dem das nicht der Fall ist. Wenn ich in einem Land lebe, in dem eine Hungerkatastrophe herrscht, dann flüchte ich vor der Gefahr selbst zu verhungern. Wenn ich wegen meiner politischen Gesinnung oder wegen meiner Religion in meinem Land ständig in Todesgefahr schwebe, flüchte ich in ein Land, in dem zumindest mein Leben nicht bedroht ist. Flucht ist Notwehr, eine Verzweiflungstat, keineswegs eine Straftat. Wer Flüchtlinge wie Kriminelle behandelt, ist selber kriminell. Ein Staat, der Flüchtlinge abweist, ist zumindest ein inhuman agierender Staat. Für mich ist die Abschiebepraxis staatlich legalisierter und praktizierter Rassismus, auch ein Verbrechen an der Menschlichkeit! Die meisten Staatsanwälte und konservative, respektive reaktionäre PolitikerInnen sehen das leider anders.

  • lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet ()
    geschrieben am 20.02.2015 16:53
    als Antwort auf das Posting von Wolfgang Huste, Bad Neuenahr am 20.02.2015 16:11

    Dann habe ich einen guten Typ für Sie Herr W.H. Sie melden sich in Steinhausen und nehmen diese Flüchtlinge bei sich zu Hause auf und sorgen für ihren Unterhalt. Grundlos werden sie nicht aus der CH abgeschoben. Na wäre das etwas für Sie? Bitte sofort melden! Danke ein Steuerzahler der jeden morgen zur Arbeit geht, und sich auch anpassen muss!

  • lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet ()
    geschrieben am 19.02.2015 09:08

    Warum kommt man in die Schweiz ? Nicht jeder fühlt sich hier zuhause , lieber lebt er in Schmutz undArmut ! Ein Fehlentscheid !

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    geschrieben am 20.02.2015 16:09
    als Antwort auf das Posting von Werner Rüttimann, Emmenbrücke am 19.02.2015 09:08

    So ein menschenverachtender, blödsinniger Kommentar! Flucht , insbesondere aus Kriegsgebieten, ist eine Verzweiflungstat. Die Menschen befinden sich in einer menschlichen Ausnahmesituation!

  • lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet ()
    geschrieben am 18.02.2015 23:54

    Und für die Kosten kommt wieder der dumme Steuerzahler auf!

  • lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet ()
    geschrieben am 18.02.2015 23:38

    Und zum Sondersetting einen staatlich bezahlten Verteidiger dazu, den wir Steuerzahler bezahlen dürfen . . . . .

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    geschrieben am 19.02.2015 07:59
    als Antwort auf das Posting von Kurt Liembd, Hergiswil am 18.02.2015 23:38

    genau, die psychologische Betreuung findet ja schon statt.ich sehe schon alle sozi einrichtungen wie sie sich in position werfen um ihren aufgeblasenen apparat zu rechtfertigen!und wenn wir dummen Eidgenossen einen Anwalt oder psychologische hilfe benötigen , zahlen wir uns dumm und dämlich oder werden im regen stehen gelassen(hätte genug Beispiele aufzuzeigen). ja liebe Mitbürger so sieht die Realität aus, aber es wollen immer noch zuviele nichts davon wissen.

  • lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet ()
    geschrieben am 18.02.2015 21:56

    Einpacken ins nächste Flugzeug und dahin wo sie hergekommen sind. Wenn jemand unsere Gastfreundschaft so missbraucht dann hat er oder sie hier gar nichts mehr verloren. Weg auf nimmer Wiedersehen!

  • lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet ()
    geschrieben am 18.02.2015 21:46

    Der Kommentar bezieht sich auf ein entferntes Posting und wurde deshalb gelöscht.

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