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Showdown am Dienstag an der Sika-GV in Baar

BAAR ⋅ Seit dem 8. Dezember tobt die Übernahmeschlacht um den Zuger Baustoffhersteller Sika. Nächsten Dienstag kommt es an der GV in der Waldmannhalle zum offenen Machtkampf.

Ernst Meier

Mit harten Bandagen kämpfen die Parteien um die Zukunft von Sika: die Erbenfamilie Burkard, der sich wehrende Verwaltungsrat, der französische Konzern Saint-Gobain sowie eine Widerstandsgruppe an Publikumsaktionären, darunter Microsoft-Gründer Bill Gates. Ihre Interessen prallen an der GV vom 14. April in der Waldmannhalle aufeinander – ein Showdown mit ungewissem Ausgang.

Andere Aktionäre gehen leer aus

Zur Vorgeschichte: Ausgelöst hat der Wirtschaftskrimi die Erbenfamilie Burkard; die fünf Nachkommen des Firmengründers. Seit dem Tod ihrer Mutter im Dezember 2013 verfügen sie alleine über ein Sika-Aktienpaket, das 16 Prozent des Aktienkapitals umfasst, dank privilegierten Namensaktien aber rund 53 Prozent aller GV-Stimmen vereint. Dieses Erbe – untergebracht in der familieneigenen Schenker-Winkler-Holding (SWH) – garantiert die Kontrollmehrheit bei Sika. Am 8. Dezember gaben die Burkards bekannt, dass sie das Aktienpaket für 2,75 Milliarden Franken an Saint-Gobain verkaufen. Ein Angebot an die restlichen 84 Prozent der Aktionäre gibt es nicht. Die Opting-out-Klausel in den Sika-Statuten befreit die Familie vor einer entsprechenden Pflicht.

Familie will VR abwählen

Sika-Management und -Verwaltungsrat bekämpfen den Verkauf. Im neunköpfigen Verwaltungsrat unter der Leitung von Präsident Paul Hälg repräsentieren drei Vertreter die SWH, darunter Familienmitglied Urs F. Burkard. Sechs Verwaltungsräte gelten als unabhängig und repräsentieren die restlichen Aktionäre. «Saint-Gobain gefährdet wegen der Konkurrenzsituation die erfolgreiche Zukunft von Sika», sagt VR-Präsident Paul Hälg. Die Familie Burkard will an der GV von nächster Woche Paul Hälg sowie zwei weitere 'widerspenstige' Verwaltungsräte abwählen und durch ihren Anwalt Max Roesle ersetzen. So würde der Widerstand gebrochen. Bei Sika will man sich mit einem juristischen Trick dagegen wehren. Der Verwaltungsrat betrachtet die Burkards und Saint-Gobain als feindliche Gruppe und will deshalb, die in den Statuten festgelegte Stimmrechtbeschränkung von 5 Prozent anwenden.

Wie entscheidet der Verwaltungsrat?

Vor Kantonsgericht blitzte die Familie Burkard vor wenigen Wochen ab, ihre Stimmenmehrheit juristisch zu bestätigen. Einzelrichter Rolf Meyer befand es nicht für dringlich, dies zu entscheiden. Stattdessen verwies er die Parteien auf den ordentlichen Verfahrensweg. Will heissen: Die GV kann durchgeführt werden, ist eine Partei mit einem Entscheid nicht einverstanden, kann sie ihn gerichtlich anfechten. Nun wartet man gespannt auf den 14. April. Ab 14 Uhr zeigt sich in der Waldmannhalle: Schränkt der VR die Familie Burkard in ihrer Stimmkraft ein und bleibt an der Macht? Er riskiert im Gegenzug einen langjährigen Rechtsstreit und von den Burkards auf Schadenersatz eingeklagt zu werden.

Sonderprüfung verlangt

Weiteres Ungemach droht an der GV von Seiten der Publikumsaktionären. Eine Gruppe um die Ethos-Stiftung verlangt die Streichung der Opting-out-Klausel. Eine weitere Aktionärsgruppe rund um Microsoft-Gründer Bill Gates, der zu den grössten Sika-Investoren zählt, verlangt eine Sonderprüfung und die Einberufung eines Sachverständigen-Ausschusses. Dies würde die Arbeit des künftigen Sika-Besitzers Saint-Gobain massiv erschweren. Bill Gates kämpft auch ausserhalb der GV gegen die Opting-out-Klausel. Er verlangt, dass Saint-Gobain allen Aktionären ein Übernahmeangebot machen muss. Letzte Woche blitzte er mit seinem Antrag vor der Eidg. Übernahmekommission ab; er zieht den Entscheid aber an die nächste Instanz weiter.

Treffen mit Zuger Regierung

Die juristischen Streitereien könnten die Übernahme von Sika durch Saint-Gobain um bis zu drei Jahre verzögern, sind Experten überzeugt. Deren CEO, Pierre-André de Chalendar, zeigt sich in Interviews zuversichtlich, dass die Transaktion wie geplant vollzogen wird. Die juristischen Streitereien bringen aber auch ihn in Zugzwang. De Chalendar verlangte deshalb ein Treffen mit Zuger Regierungsvertretern. Ende Februar kam es zu einem Gespräch mit Volkswirtschaftsdirektor Matthias Michel in Zug. «Wir haben Herr de Chalendar empfangen und er hat uns seine Sicht der Dinge erklärt; gleiches taten wir mit einer Vertretung der Sika-Geschäftsleitung», bestätigt Matthias Michel. «Wichtig ist für uns, dass Sika als industrielle Unternehmung mit entsprechenden Arbeitsplätzen sich in Zug weiterentwickeln kann. Diese Haltung vertreten wir gegenüber jeder Eigentümerschaft», sagt Michel.

Von der Auseinandersetzung über die Zukunft von Sika betroffen sind am Hauptsitz in Baar rund 60 Angestellte, weltweit sind es rund 17'000.

HINWEIS
Auf Zugerzeitung.ch sind Sie am Dienstag ab 14 Uhr über den Ausgang der GV laufend informiert. Der Baustoffhersteller bietet auf www.sika.ch einen Webcast an.

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