Stadt Zug verscherbelt ein Geisterhaus

ZUG ⋅ Zum Schnäppchenpreis verkauft der Stadtrat ein unbewohntes Bauernhaus an der Schochenmühlestrasse 2. Der Kauf ist allerdings an Bedingungen geknüpft.

Vor fünf Jahren haben die letzten Mieter das Bauernhaus an der Schochenmühlestrasse 2 in der Stadt Zug verlassen, seither steht es leer. Mehrere Anläufe, das Gebäude zu sanieren, sind im Parlament oder in den vorberatenden Kommissionen gescheitert.

Deshalb hat der Stadtrat beschlossen, das Wohnhaus zu verkaufen und ein Teilgrundstück von 860 Quadratmeter im Baurecht abzugeben. Das teilt die Stadt Zug mit. Das heisst: Das Grundstück bleibt in den Händen der Stadt, der neue Besitzer erhält aber für 60 Jahre das Baurecht und bezahlt dafür einen Zins.

Mindestpreis: 50'000 Franken

Der Baurechtsvertrag verpflichtet die neuen Nutzer, das Gebäude innerhalb von 18 Monaten zu sanieren. Eine Umnutzung oder ein Abbruch mit anschliessendem Neubau sind nicht möglich, es muss auch nach der Sanierung als Wohnraum genutzt werden. Das Bauernhaus und die Abgabe des Grundstücks im Baurecht werden öffentlich ausgeschrieben. Für das Haus hat der Stadtrat einen Mindestpreis von 50'000 Franken festgesetzt.

Gemäss Finanzvorsteher Karl Kobelt liegen die Vorteile für die Stadt Zug auf der Hand: «Die Stadt Zug bleibt weiterhin Eigentümerin des Grundstücks und generiert jährlich wiederkehrende Einnahmen. Investitionskosten, die den städtischen Haushalt belasten, fallen keine an». Nicht betroffen ist der Kleintierzüchterverein, der im angrenzenden Gebäude untergebracht ist. Gemäss Kobelt steht das Gebäude nicht unter Denkmalschutz. Man wolle es jedoch erhalten, das sei auch im Sinne der kantonalen Denkmalpflege.

Frühere Verkaufsabsichten kritisiert

Dass die Stadt Zug ältere Liegenschaften verkaufen wollte, hat im vergangenen Herbst für Diskussionen gesorgt. Im Grossen Gemeinderat (GGR) hatten sich alle politischen Kräfte gegen den Verkauf von fünf Häusern und einer Wohnung gewehrt. Allerdings ohne Entscheidungskompetenzen, denn diese hat, wie beim Haus in der Schochenmühle, der Stadtrat. An der Sitzung des GGR am 28. Oktober sprach sich die Ratslinke generell gegen Liegenschaftsverkäufe der Stadt aus: Das bringe nur kurzfristig Geld in die Kasse. Die bürgerlichen Parteien ihrerseits kritisierten, dass mit dem Vorkaufsrecht für die aktuellen Mieter soziale Mechanismen einer marktüblichen Preisgestaltung zuwiderlaufen würden.

Das Bauernhaus

Die Liegenschaft Schochenmühlestrasse 2 befindet sich in unmittelbarer Nähe der Steinhauserbrücke. Ihre Anfänge reichen mindestens ins 18. Jahrhundert zurück. 1949 erwarb die Stadt Zug die Liegenschaft als Landreserve für den Wohnungsbau. Heute umfasst die Liegenschaft das ehemalige Bauernhaus und das ehemalige Waschhaus von 1918 sowie landwirtschaftlich genutzte Grundstücksfläche.

rem


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