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Stadtrat sagt einstimmig Ja zum Stadttunnel

ZUG ⋅ Ein Novum in der Stadt: Der Stadtrat nimmt geschlossen und öffentlich Stellung zu einer kantonalen Abstimmung. Er sieht im Stadttunnel «eine einmalige Chance, die Innenstadt vom Verkehr zu entlasten».

Das Projekt Stadttunnel Zug ist an der Urne gescheitert: Das Stimmvolk genehmigte das 890-Millionen-Projekt nicht und muss nun weiter mit einer Blechlawine leben.

«Wir sind fünf Persönlichkeiten im Stadtrat. Wir stammen aus fünf Parteien. Und wir sind uns alle einig: Die Stadt Zug braucht den Stadttunnel», sagte Stadtpräsident Dolfi Müller (SP) an einer Medienkonferenz am Montagmorgen, an der die Stadtregierung darlegte, wieso sie geschlossen für das Bauwerk eintritt. Es sei einmalig, dass der Stadtrat geschlossen und öffentlich zu einer kantonalen Abstimmung Stellung beziehe. «Aber es gibt halt auch wenige Momente im Leben, in denen man die Zukunft in die Hand nehmen kann. Die Stadt Zug hat jetzt die Möglichkeit dazu. Und das sollten wir tun», so Müller.

«Wir platzen aus allen Nähten», betonte André Wicki (SVP), Vorsteher Baudepartement, am Montagmorgen an der Medienkonferenz. «Schon heute passieren rund 20'000 Fahrzeuge pro Tag den Postplatz. Zum Vergleich: Durch den Gotthard-Tunnel fahren nur rund 17'000 Fahrzeuge täglich.» Bis ins Jahr 2030 wird der Stadt Zug ein Bevölkerungswachstum um 4000 Personen auf 32'000 Einwohner prognostiziert. «Ich bin überzeugt, dass wir noch stärker wachsen werden. Darum müssen wir unbedingt in der Innenstadt Platz für die Öffentlichkeit zurückgewinnen.» Den Verkehr müsse man umleiten und dadurch Raum für ein attraktives Stadtzentrum schaffen.

Stadtrat Urs Raschle (CVP), Vorsteher Departement Soziales, Umwelt und Sicherheit, hebt hervor, dass auch die Bewohner des Guthirt-Quartiers von einer Verkehrsberuhigung profitieren. Flankierende Massnahmen würden den täglichen Durchschnittsverkehr auf der Industriestrasse zwischen Gubel- und Göblistrasse von heute 7000 auf 2000 Fahrzeuge reduzieren. Berechnungen von Stadt und Kanton zeigen, dass der Stadttunnel nicht zu zusätzlichem Verkehr auf der General-Guisan-Strasse führt. Im Herti-Quartier wird der Stadtrat zudem mit flankierenden Massnahmen verhindern, dass es zu Mehrverkehr kommt. Urs Raschle: «Der Stadttunnel ist aus meiner Sicht auch für die Quartiere im Westen und Norden eine Chance.»

Laut Finanzchef Karl Kobelt (FDP) ist der Betrag von 100 Millionen Franken tragbar, den die Stadt an das Bauwerk leisten muss. «Der Tunnel wird voraussichtlich zwischen 2018 und 2028 gebaut. Das bedeutet, dass jährliche Beitragstranchen von 10 Millionen Franken zu erwarten sind.» Somit würden trotz Stadttunnel jährlich 20 Millionen Franken für weitere Investitionen in die Infrastruktur – etwa in Schulbauten – bleiben. «Der Beitrag ist eine Herausforderung, er kann durch eine gute Planung aber gemeistert werden. Der Stadtrat zieht keine Steuererhöhung in Betracht.»

«Ich vereinige vier Ja in mir», sagt Vroni Straub-Müller (CSP), Vorsteherin Bildungsdepartement. Als Stadträtin, als Kantonsrätin der Fraktion der Alternativen-die Grünen, als Co-Präsidentin der städtischen CSP und als Oberwilerin setzt sie sich für den Stadttunnel ein. «Er verbessert die Verkehrssituation für Oberwil und erhöht auch die Sicherheit auf den Schulwegen in der Innenstadt und im Guthirt-Quartier.»

Über den Stadttunnel und das ZentrumPlus stimmt das kantonale Stimmvolk am 14. Juni ab.

pd/rem

HINWEIS: Infos zur Abstimmung auf www.stadtzug.ch/stadttunnel und www.zg.ch/stadttunnel.

Die Argumente der Gegner

Gegen den Stadttunnel hat sich ein Komitee von «besorgten Einwohnern» des Kantons Zug gebildet. Ihre wichtigsten Argumente:

  • Eine Idee von gestern: Der Stadttunnel ist eine Idee aus dem letzten Jahrhundert, die seither nicht besser geworden ist. Trotzdem wollen die Behörden das rund 1 Milliarde Franken teure Projekt durchboxen - wider alle Vernunft und ohne Rücksicht auf Verluste.
  • Enorme Kosten für Generationen: Die vorgesehenen Ausgaben des Stadttunnels sprengen jeden vernünftigen Rahmen. Die Grösse des Tunnelprojektes passt weder finanziell noch baulich zu unserer Kleinstadt mit 28'000 Menschen.
  • Miserables Verhältnis von Kosten und Nutzen: Regierungs- und Kantonsrat haben ein umfassendes Entlastungs- und Sparprogramm angeschoben. Überall soll gespart werden, alle soll es treffen: Schul- und Berufsbildung, Polizei, Gesundheitswesen, Alterversorgung, Sozialbereich, Verwaltung, ÖV und Strassenunterhalt.
  • Bauliche Risiken und Folgeschäden: Die Realisierung des Mammutprojektes Stadttunnel ist ein massiver Eingriff in ein historisch gewachsenes, weitgehend beschauliches Kleinstadtgebiet.
  • Mehrverkehr und Stauverlagerung nach 2030: Der Stadttunnel ist kein Stadtentlastungs-Projekt, sonder ein Zentrum-Umfahrungsprojekt und er bewirkt massiven Mehrverkehr.
  • Stadt Plus statt Zentrum Plus: Mit den kurzen Staus steht die Stadt Zug im schweizerischen Vergleich gut da. Ausserhalb der Stosszeiten fliesst der Verkehr recht ruhig. An Samstagen und Sonntagen ist die Innenstadt heute weitgehend verkehrsberuhigt.
  • Umsichtig planen, überlegt entscheiden: Um die Verkehrs- und damit auch die Wohnqualität in Zug schrittweise zu verbessern, braucht es keinen Stadttunnel mit Zentrum Plus. Die Behörden und Ämter sind derzeit aber stark auf das überholte Stadttunnelprojekt fixiert. Doch es gibt bessere Alternativen.

Quelle: www.stadttunnel-neindanke.ch

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Leserkommentare (4)
  • lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet ()
    geschrieben am 19.05.2015 21:00

    Nun will also auch Zug seinen Gubrist! Ich hoffe stark, dass sich das Zuger Stimmvolk nicht für dumm verkaufen lässt + dieses grössenwahnsinnige, rückwärtsorientierte Projekt ablehnt. Seit über 100 Jahren spricht man vom Stadttunnel, doch Zug hat sich auch ohne Tunnel prächtig entwickelt, im nationalen + im internationalen Vergleich sind die paar Minuten Stau Peanuts. Man spricht ständig von Bevölkerungs- und Verkehrszunahme. Fakt ist aber auch, dass die Bevölkerung schrumpfen wird, zum Einen weil die Überalterung ein temporäre Erscheinung ist, zum Anderen weil die internationalen Firmen blitzartig weg sind aus Angst vor der MEI und allfälligen Steuererhöhungen. Das veränderte Mobilitätsverhalten (E-Fahrzeuge, Shareconomy, IoT, Big Data, selbstfahrende Autos etc.) ist nirgends erwähnt. Für einen Bruchteil dieser Milliarde könnten alle Zuger mit einem E-Bike ausgerüstet werden! NEIN zu dieser Investitionsruine, die unsere Kinder und Enkel teuer noch bezahlen werden.

  • lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet ()
    geschrieben am 19.05.2015 09:42

    So, nun wird bereits 2018 gebaut. Das zeigt, wie gut einzelne Stadträte informiert sind oder wissen wir als Stimmbürger nicht alles? Wie zum Beispiel bei den Entschädigungs- und Landerwerbskosten "gemischelt" wird. Einzelne Parteien haben bereits endverhandelt, andere wussten gar nicht, dass Sie bereits eingeschätzt wurden. Die Anwälte wird's freuen und die Bauverzögerung ist garantiert. Von der Planungsleiche zur Realisierungsleiche.....
    Zudem wird - von der Baudirektion offiziell bestätigt - an der Gotthardstrasse in heiklem Baugrund gebaut. Heikler Baugrund und Tunnel = unbestimmte Kostenfolge!

  • lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet ()
    geschrieben am 19.05.2015 05:00

    Wir sollten nicht die Fliegen sein, die auf diesen Leim kriechen.

  • lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet ()
    geschrieben am 18.05.2015 13:49

    Es erstaunt wirklich niemanden mehr, dass der Stadtrat dazu Ja sagt. Die überrissene Bauplanung im Zuger Talboden sucht offenbar seinen nächsten Höhepunkt. Jetzt sind die Stimmbürger an der Reihe, diesem veralteten und unbezahlbaren Verlagerungskonzept den Riegel zu schieben. Hoffentlich machen sich auch die Ladenbetreiber in der Stadt rechtzeitig ihre Gedanken, schon mancher hyperberuhigte Stadtkern hatte danach nicht mehr viel zu lachen. Und wer braucht eigentlich zwingend eine durchgehende Fussgängerzone durch den gesamten Kern? Sonst sieht am Ende die Innenstadt gleich leer wie die legendäre Hasen-Ueberführung beim Kreisel Steinhausen aus.

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