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Ueli Maurer spöttelt über Frauen

ABSTIMMUNGSKAMPF ⋅ Bundesrat Ueli Maurer verglich an einer Gripenveranstaltung in Zug Frauen mit «Gebrauchtgegenständen». Es sei grotesk, diesen Witz im Nachhinein als frauenfeindlich zu betiteln, sagt Willi Vollenweider, Leiter des Pro-Gripen Anlasses.

Bei den Frauen liegt der Gripen nicht hoch im Kurs. Gemäss aktueller SRG-Umfrage heissen nur 32 Prozent den Kauf des milliardenteuren schwedischen Kampfjets gut. Eigentlich Grund genug, um sie zu umgarnen. Bundesrat Ueli Maurer, der oberste Pro-Gripen-Kämpfer im Land, macht nun exakt das Gegenteil. An einem Podium in Zug sonderte er einen Frauenwitz ab. In Anspielung auf die veraltete Tiger-Flotte fragte der Verteidigungsminister, wie viele 30-jährige Gebrauchtgegenstände das Publikum noch zu Hause habe. Die Antwort lieferte er gleich selber: Bei ihm seien es nicht mehr viele. Eine Ausnahme sei die Frau, die den Haushalt schmeisse. Vor Ort applaudierte die männliche Zuhörerschaft.

Als Witz verstanden

Mit im Saal war der Leiter des Komitees, das den Pro-Gripen-Anlass organisiert hatte, Willi Vollenweider. Alle im Saal hätten diesen als Witz verstanden. Es sei grotesk, diesen Witz im Nachhinein als frauenfeindlich zu betiteln. «Ein kleiner Rest von Humor muss auch einem Politiker zugestanden werden», sagte Vollenweider, der für die SVP im Zuger Stadtparlament sitzt. Maurer werde dafür nun nur kritisiert, «weil den Gripen-Gegnern die Argumente ausgehen».

Die Grünen des Kantons Zug zeigten sich am Sonntag hingegen «entsetzt über die Gleichsetzung von Frauen und Gebrauchtgegenständen». Die Aussage Maurers sei skandalös. Alle Schweizerinnen und Schweizer, welche die Frauen noch respektierten, müssten sich fragen, ob ein solcher Bundesrat noch tragbar sei. Eigentlich können sich die Gripen-Gegner jedoch ins Fäustchen lachen. Denn strategisch war Maurers Kalauer höchst unklug – die weibliche Zustimmung zum Gripen dürfte nach dem magistralen Fauxpas kaum steigen. Und auch die Jungen Grünen Schweiz finden solche sexistische Äusserungen inakzeptabel. Sie degradiere Frauen zu Objekten und versage ihnen mit dem veralteten Familienbild Gleichstellung. Laut einer Mitteilung fordert die Partei von Bundesrat Ueli Maurer eine öffentliche Entschuldigung. Und auf Twitter schreibt der ehemalige Zuger Nationalrat und Mitgründer der Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA) Jo Lang: «Frauenbeleidigung in Zug: Sollte Ueli Maurer das gesagt haben, ist er als Bundesrat nicht mehr tragbar». Und weiter: «Beat Villiger (Landammann!), Nationalrat Bruno Pezzati und Ständerat Peter Bieri müssen sich davon schärfstens distanzieren.»

Auch in anderen Tweets unter dem Hashtag «#GebrauchtBR» wurde Maurer zum Rücktritt oder zu einer Entschuldigung aufgefordert. Andere nahmen die Äusserungen des SVP-Bundesrats zu Frauen und Haushaltsgegenständen mit Humor und forderten dazu auf, dem Verteidigungsminister ausgediente Haushaltsgeräte zu bringen unter dem «Motto: Hobby statt Amt».

Am 18. Mai stimmt das Stimmvolk über das Gripen-Fonds-Gesetz ab. Aus dem Fonds soll der Kauf von 22 Kampfjets des schwedischen Herstellers Saab finanziert werden.

kä/rem/sda

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Leserkommentare (14)
  • lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet ()
    geschrieben am 29.04.2014 13:05

    mimimi frauenwitz mimimi - oh mein gott, wie tragisch! und wieviele männerwitze reissen denn frauen? die grünen lachen wohl im keller oder gar nicht!

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    geschrieben am 28.04.2014 22:24

    Die Aufregung ist gross hier, aber als A. Tschäppät "fuck Blocher" gesungen hat, war alles nur ein Witz. Aufschrei ignorieren, die Karawane geht weiter...

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    geschrieben am 29.04.2014 13:13
    als Antwort auf das Posting von Hermann Zweifel, Zug am 28.04.2014 22:24

    Zumindest die Hälfte der Kamele dürfte sich jetzt fragen, was im Kopf des Karawanenführers so vorgeht.

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    geschrieben am 28.04.2014 15:38

    Wie mancher faux pas kann sich ein Bundesrat eigentlich leisten? Nach dem peinlichen Auftritt in der Rundschau doppelt Herr Maurer ungeniert nach. Schwaches Niveau für ein Mitglied der Landesregierung!

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    geschrieben am 28.04.2014 14:23

    Bravo Ueli, wieder mal bewiesen aus welchem Holz Du geschnitzt bist: Sperrholz

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    geschrieben am 28.04.2014 13:47

    Hat Jo Lang auch Tschäppet zum Rücktritt aufgefordert? Man muss solche Witze nicht lustig finden, aber all die Moralisten und Wichtigtuer die jetzt wieder hervorgekrochen kommen sind ein vielfaches peinlicher als dieser "billige" Witz des BR.

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    geschrieben am 28.04.2014 13:25

    Wie fühlt sich Ihre Ehefrau, wenn sie mit einem Gebrauchsgegenstand verglichen wird? Was hat sie zum Wohl der Familie u.a. beigetragen. Fehlt es Ihnen an Selbstbewusstsein, aufgrund dessen Sie Ihre Ehefrau öffentlich erniedrigen. Bitte nehmen Sie, geschätzter Herr Bundesrat Maurer, Stellung zu dieser Aussage.
    ;-) Die beste Werbung für die Abstimmung. Man lässt die Befürworter in Ihrer Not Werbung machen für Ihr Gripen-Projekt.
    P.S. Pflegt Sie Ihre Ehefrau wenn Sie die Grippe haben?

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    geschrieben am 28.04.2014 13:09

    Eines Bundesrates unwürdig....

  • lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet ()
    geschrieben am 28.04.2014 12:08

    Der Maurer-Witz ist offenbar das beste und einzige Argument gegen Gripen und Armee. Bravo! Es rauscht stark im Blätterwald, was den Argumentationsnotstand erklärt und bestätigt. Ist ja sonst nichts los.

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    geschrieben am 28.04.2014 13:29
    als Antwort auf das Posting von Fritz Meier, Baar am 28.04.2014 12:08

    Wenn der Verteidigungsminister sich schon als Witzfigur outet, dann fällt es schon etwas schwer, seine Armee ernstzunehmen. So gesehen wären die Gripen ja vielleicht doch das richtige Spielzeug.

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    geschrieben am 28.04.2014 12:22
    als Antwort auf das Posting von Fritz Meier, Baar am 28.04.2014 12:08

    Nein, nicht gegen Gripen UND Armee!
    Für den Gripen haben wir 32 F/A-18 ... das genügt mehr als ...!
    Die Armee hat sechs Brigaden auf Papier, wovon nur zwei ausgerüstet!
    Das ist Fakt und gibt zu denken!
    Deshalb für das Heer mit einem NEIN zum Gripen am 18.Mai!

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    geschrieben am 28.04.2014 11:59

    Grotesk. Unglaublich, was sich die Gegner nun alles einfallen lassen, nur weil ihnen die Argumente ausgegangen sind !

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    geschrieben am 28.04.2014 16:44
    als Antwort auf das Posting von Willi Vollenweider, Zug am 28.04.2014 11:59

    Es gibt genau einen Grund für den Gripen und etwa siebenhundetrmillionen gegen dieses Flugi

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    geschrieben am 28.04.2014 11:45

    Frauen aller Kantone vereinigt euch ..!
    NEIN am 18.Mai.

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