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Vanoli schliesst – 90 Stellen fallen weg

WIRTSCHAFT ⋅ Die Zuger Traditionsfirmen Mario Vanoli Erben AG und die Vanoli Beton und Transporte AG stellen ihren Betrieb ein. 90 Mitarbeiter verlieren ihren Job.

Wer heute den Namen Vanoli hört, verbindet diesen unweigerlich mit ‚Bauen‘. Diese Verbindung gehört nun der Vergangenheit an – zumindest für den ‚blauen‘ Vanoli. Die Mario Vanoli Erben AG sowie die Vanoli Beton und Transporte AG stellen den Betrieb ein. Der Schliessungsentscheid komme für Aussenstehende überraschend, doch «trotz intensiven Anstrengungen konnte keine Nachfolgeregelung gefunden werden», schreibt die Baufirma in einer Mitteilung. Das traditionsreiche Bauunternehmen wurde vor 67 Jahre von Mario Vanoli sen. gegründet.

90 Mitarbeiter betroffen

Mario Vanoli, Vertreter der Eigentümerfamilie, sagt: «Unsere Unternehmen waren noch nie so gut geführt, die Mitarbeiter kaum je so motiviert. Und trotzdem reicht das unter den gegebenen Marktbedingungen nicht mehr, um profitabel zu arbeiten. Das stimmt traurig.»

Von der bevorstehenden Betriebsstilllegung sind knapp 90 Mitarbeiter und Lehrlinge betroffen. Der Schliessungsentscheid sei «vorausschauend und unabhängig vom äusseren Druck» erfolgt, heisst es weiter.

Ruinöser Preiskampf

Ausschlaggebend für die Schliessung sei mitunter der ruinöse Preiskampf, unter welchem die Branche seit Jahren leidet. Strategien, wie der schrittweise Ausstieg aus dem Hochbau und die damit verbundene Konzentration auf den lokalen Tiefbau sowie gezielte Investitionen in Transport- und Logistik-Dienstleistungen hätte nicht zum gewünschten Erfolg geführt.

Erschwerend hinzu komme der harte Konkurrenzkampf auf dem Platz Zug. «Trotz grosser Auftragsvolumen besteht bei mehr als ausreichenden Branchenkapazitäten eine Markt- und Wettbewerbssituation, in der dem billigsten Angebot in teils absurder Weise das höchste Gewicht zugemessen wird», schreibt Vanoli weiter. Mit dem damit verbundenen Preiszerfall fehle die tragfähige Grundlage für eine wirtschaftliche Weiterführung der beiden Betriebe in der heutigen Betriebsstruktur.

Höchste Priorität gelte nun der Vermittlung neuer Arbeitsplätze und der gezielten Unterstützung von Härtefällen. Dabei arbeiten Arbeitgeberin, kantonale Behörden, die Gewerkschaften Unia und Syna sowie der Zentralschweizer Baumeisterverband zusammen. Parallel werden bis im Laufe des Sommers alle laufenden Bauprojekte vertragskonform und geordnet zu Ende geführt.

Rechtsstreit um Vanoli-Werk

Vanoli wollte bekanntlich in Oberrüti einen Werkhof mit Betonwerk, Werkstatt, Material- und Sortierhallen realisieren. Der Gemeinderat hatte die Baubewilligung für den Neubau unter verschiedenen Bedingungen und Auflagen am 27. November 2012 erteilt. Gegen den Entscheid erhoben zwölf Personen Einsprache. Im Januar 2015 kam schliesslich der Entscheid des Aargauer Regierungsrats: Er wies die Beschwerde ab. Die Gegner zogen die Beschwerde ans Verwaltungsgericht weiter. Ein Urteil steht aus.

Das Baugesuch hat bisher keine Rechtskraft erlangt. Wann und wie das Grundstück genutzt werden kann, ist ungewiss.

Die Geschichte

1899 gründete Alberto Vanoli in Göschenen ein Gleisbauunternehmen. Dieses war massgebend am Bau des Gotthard-Eisenbahntunnels beteiligt. Im Jahre 1948 gründete Mario Vanoli in Zug die Firma Mario Vanoli. Nach dem Tod des Firmengründers im Jahre 1971 übernahmen die Söhne Mario und Renato die Geschäftsleitung. 1990 wurde das Familienunternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Seit dem 1. Dezember 2009 wurde die Bauunternehmung vom Geschäftsführer Daniel Schaber geleitet.

rem

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Leserkommentare
  • lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet ()
    geschrieben am 18.03.2015 01:51

    Die Zeiten nach dem Zweiten Weltkrieg in dem wir alle recht
    gut gelebt haben ist zu Ende.

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