10 bis 20 Wespenstiche pro Tag in der Badi

WESPEN ⋅ Dieses Jahr sind die Voraussetzungen für Wespen besonders gut: Auf einen warmen Frühling folgte ein warmer Sommer. Von einer Plage könne jedoch nicht gesprochen werden, auch wenn mancherorts dieses Jahr besonders stark unter den Insekten gelitten wird.
08. August 2017, 05:00

Derzeit muss Bademeisterin Tina Simeon besonders dafür Sorge tragen, dass im Seebad Seeliken in Zug jeden Tag die Wiese gemäht ist. «Das ist fast das Einzige, was wir von uns aus gegen die Wespen unternehmen können.» Denn diese seien derzeit besonders aktiv. «Seit gut zwei Wochen haben wir pro Tag bei Besuchern etwa 10 bis 20 Wespenstiche, ich habe das Gefühl, das sie dieses Jahr früher dran sind», so Simeon. Ereignen würden sich die Wespenstiche auf dem ganzen Gebiet der Badi. «Es lässt sich nicht sagen, dass beispielsweise im Bistro mehr Leute als in anderen Bereichen gestochen würden.» Doch das Bad ist vorbereitet: «Um einen normalen Wespenstich zu behandeln, haben wir alles da, falls die gestochene Person eine allergische Reaktion hat, wird dann umgehend der Notfall informiert.»

Zum ersten Mal, seit sie in der Badi tätig ist, musste dieses Jahr auch ein Wespennest auf dem Areal des Seebads entfernt werden. «Es befand sich im Schilf. Von den Fachleuten wurde mir gesagt, dass die Wespen vermehrt an sonst unüblichen Standorten ihre Nester bauen.»

Nester werden immer grösser

Wieso momentan so viele Wespen durch die Luft schwirren, erklärt Eligius Grütter, Geschäftsführer der S&F Insect Control GmbH mit Sitz in Zug, die in der ganzen Deutschschweiz im Bereich Insektenschutz und Schädlingsbekämpfung aktiv ist. «Im Frühling war es dieses Jahr relativ warm, weshalb die Königinnen gut ihre Nester bauen konnten und viele überlebten. Diese Nester werden nun immer grösser. Ausschlaggebend dafür ist das feuchtwarme Klima. So haben sie genügend Nahrung.» Von einer Plage wolle er aber nicht reden, die diesjährige Situation sei etwa mit jener vor zwei Jahren vergleichbar, so der Experte.

Auch im Zuger Kantonsspital macht sich das Wespenaufkommen in den Sommermonaten traditionell bemerkbar. «Wir haben wöchentlich etwa fünf Fälle wegen einer allergischen Reaktion aufgrund eines Wespenstichs», so Sonja Metzger, die Pressesprecherin des Kantonsspitals. Statistiken würden aber nicht geführt werden, weshalb sie keine Auskunft dazu über einen längeren Zeitraum geben könne. In der Notfallabteilung der Andreas-Klink in Cham ist derzeit kein Anstieg festzustellen, wie Direktionssekretärin Anita Odermatt auf Nachfrage mitteilt.

Fast ruhiger als in den Vorjahren

Laut des stellvertretenden Kantonsarztes des Kantons Zug, Hanspeter Kläy, würde die eigentliche Hochsaison auch dieses Jahr sowieso erst im September und Oktober stattfinden. «Bisher ist es nach meiner Wahrnehmung und in Bezug auf die Fälle, die in meine Praxis kommen, noch relativ ruhig, sogar fast ruhiger als in den Vorjahren.» Aber derzeit seien auch noch Ferien, was sicher auch eine Rolle spiele.

Eigentlich müsste man denken, dass auch die Restaurants unter den Wespen leiden würden. Beim Zollhaus Hünenberg, das über einen Aussensitzbereich verfügt, ist das aber nicht der Fall. Es habe schon viel schlimmere Jahre gegeben, sagt der Inhaber Freddy Niklaus. Zwar sei es auch in diesem Jahr vielleicht an einem Tag schlimmer gewesen. Insgesamt ginge es aber, und es hätten sich bis jetzt noch nicht Gäste wegen der Wespen reingesetzt.

 

Christopher Gilb

christopher.gilb@zugerzeitung.ch


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