34 Gäste pro Jahr sind nicht genug

WALCHWIL ⋅ Die Schifflände Lothenbach wird in diesem Jahr nicht mehr angefahren, viel zu schlecht wird sie frequentiert. Dieser Entscheid der Schifffahrtsgesellschaft stösst bei der Gemeinde Walchwil auf Widerstand.
20. April 2017, 05:00

Warme Temperaturen locken jedes Jahr viele Touristen an den Zugersee. Aber offenbar nicht an die Schiffsstation Lothenbach in Walchwil. Denn wie die Schifffahrtsgesellschaft für den Zugersee (SGZ) in einer Mitteilung bekanntgibt, wird die Station dieses Jahr zum ersten Mal nicht mehr angesteuert. Woran liegt das? An fehlenden Frequenzen, wie Kathrin Howald, Mediensprecherin der SGZ, erklärt: «Wir hatten im letzten Jahr nur 34 Ein- und Ausstiege in Lothenbach. Das ist zu wenig, es rentiert für die Schifffahrtsgesellschaft nicht.»

Das Problem ist nicht neu. Howald: «Unter der Woche haben wir schon seit Jahren keinen Halt mehr am Steg, nur sonntags.» Aber weshalb wird der Ort von Gästen so wenig benutzt? «Vor einigen Jahren gab es drei Restaurants in der Nähe. Sie wurden geschlossen. Das könnte möglicherweise ein Grund sein», mutmasst die Mediensprecherin. «Auch ist der Aufstieg auf den Zugerberg dort etwas sperrig. Auch dies könnte dazu beitragen.»

Lösungsansätze für mehr Fahrgäste

Letzteres sieht Tobias Hürlimann, Gemeindepräsident von Walchwil, anders: «Die Zuger Wanderwege sind in gutem Zustand. Ausserdem könnte man ja auch eine andere Route wählen und beispielsweise nach Oberwil spazieren.» Früher fuhr er mit seiner Familie an Wochenenden oft mit dem Velo nach Cham und von dort mit dem Schiff wieder zurück nach Walchwil. Er lokalisiert das Problem der wenigen Besucher an einer ganz anderen Stelle: «Wenn das Schiff nur sonntags am Lothenbach hält, schränkt dies das Angebot für die Gäste ebenfalls ein.» Dass die Haltestelle nicht mehr angesteuert wird, ist für ihn keine Lösung des Problems. «Vielleicht könnte man vermehrt mit der Gemeinde zusammenarbeiten, beispielsweise Spezialangebote mit Restaurants oder Wanderausflüge planen», führt Hürlimann an. «Ausserdem sind es die An- und Abfahrten, die die Schiffsfahrten für Kinder besonders spannend machen. Denn da geschieht etwas, das Schiff wird manövriert. Es ist faszinierend, wenn es etwa hinten sprudelt. Mit weniger Fährhaltestellen geht auch das verloren.»

«Wir wehren uns dagegen»

Fest steht, dass der Gemeinderat Walchwil auf diesen Entscheid reagieren wird. «Die öffentlichen Verkehrsmittel werden in unserer Gemeinde allgemein vermehrt eingeschränkt», gibt der Gemeindepräsident zu bedenken und stellt klar: «Dagegen werden wir uns wehren und ein Konzept erarbeiten.» Wie genau, steht noch nicht fest. Aber: «Wir hoffen, dass wir den Entscheid rückgängig machen und vielleicht auch vermehrt mit der Schifffahrtsgesellschaft wieder zusammenarbeiten können.» Der Steg der Station wird hoffentlich erhalten bleiben – sollte die Station im nächsten Jahr wieder angesteuert werden.

 

Chantal Gisler

chantal.gisler@zugerzeitung.ch


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